NS-Zwangsarbeit in Lüneburg
Briefe aus der Ukraine


Vorwort

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sie waren nicht zu übersehen in jener Zeit als Lüneburg NSDAP-Gauhauptstadt war, die Menschen mit den Aufnähern "OST" oder dem "P" auf der Brust, wie sie in Stadt und Landkreis arbeiten mussten in den Fabriken, Kleinbetrieben, in der Landwirtschaft, für die Stadtverwaltung und selbst im Privathaushalt, in ihrer Heimat zwangsweise von den Deutschen rekrutiert und in Güterwaggons nach Lüneburg verfrachtet. Knapp 8.000 waren es in Stadt und Landkreis (einschl. der Kriegsgefangenen), jeder fünfte Arbeitsplatz in der Stadt und gut jeder dritte in der Landwirtschaft war mit einem Menschen minderen Rechts besetzt, unter Sondergesetzen stehend und als Arbeitssklaven gehalten mit lediglich einem Ziel, sie auszubeuten als billige Arbeitskraft zur Aufrechterhaltung ihres Betriebes und damit - ob im Einzelfall gewollt oder nicht - zur Bereitstellung der Ressourcen für den deutschen Eroberungs- und Vernichtungskrieg besonders im Osten.

Ohne den Einsatz dieser NS-Zwangsarbeiter/-innen hätte kaum ein Lüneburger Betrieb seine Existenz sichern können, hätte die Ernte auf den landwirtschaftlich bearbeiteten Feldern im Landkreises nicht eingefahren werden können - mit unüberschaubaren Folgen für die Existenzbedingungen der gesamten Bevölkerung in Stadt und Landkreis damals. Die Lüneburger/-innen hatten und haben diesen Menschen also existenziell unendlich viel zu verdanken. Aber auch materiell: Etwa 60.000.000 Euro (umgerechnet auf den heutigen Stand unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Lohn- und Lebensstandards) sparten die Lüneburger Betriebe verschiedener Art allein durch die geringere Entlohnung an diesen Menschen ein.

Wie bereits in unserer Schrift "NS-Zwangsarbeit in Lüneburg - Briefe aus Polen" kommen in dieser Broschüre die Opfer zu Wort, sie erinnern sich an ihre Jugend in Lüneburg.

In sehr unterschiedlicher Art und Weise beschreiben sie ihre Verschleppung, ihren Arbeitseinsatz und ihre Befreiung, teilweise auch den Verlauf ihres weiteren Lebens - mal als kurze, knappe Anmerkung, mal als Ausbreitung ihres gesamten Lebenslaufs mit all den Wünschen und Hoffnungen dieser Menschen, mal auch als Hilferuf nach Lüneburg. Allen gemeinsam aber ist die Erinnerung an Lüneburg als ihren dominierenden Lebenseinschnitt mit zumeist weitreichenden Folgen bis heute.

Wir möchten durch die Veröffentlichung dieser "Briefe aus der Ukraine" nicht nur einen Teil zur Stadtgeschichte Lüneburgs beitragen, sondern in erster Linie den Opfern das Wort geben und ihnen somit Aufmerksamkeit und Respekt verschaffen. Und wir möchten, dass man die überlebenden Opfer ernst nimmt, sich auch "um sie kümmert".

Zwar mussten wir auf den Abdruck der Adressen hier verzichten, um die Opfer zu schützen vor anonymen Zuschriften von Unbefugten. Wir wünschen aber sehr eine Korrespondenz Lüneburger Betriebe, Vereine und Einzelpersonen und auch der offiziellen Politik und Verwaltung der Stadt und des Landkreises mit diesen hochbetagten Menschen und werden deshalb auf Nachfrage die Adressen gerne zur Verfügung stellen.

Den Kontakt zu den ehemaligen Lüneburger Zwangsarbeitern/-innen aus der Ukraine stellte freundlicher weise die Ukrainische Nationale Stiftung "Verständigung und Aussöhnung" her. Wir bedanken uns besonders bei Frau Lubow Sotschka von der Stiftung für ihre Unterstützung.

Diese Stiftung mit Sitz in Kiew hat auf unsere Bitte hin all jene bei ihr registrierten hochbetagten Menschen angeschrieben. Auf diesem Wege erhielten 125 Personen ein Anschreiben unserer Lüneburger VVN-BdA-Gruppe mit der Schilderung unseres Vorhabens und einen Fragebogen zugesandt. Das Anschreiben und den Fragebogen (s. u.) haben wir erstellt in Anlehnung an ein ähnliches Vorhaben der Geschichtswerkstatt Herrenwyk (veröffentlicht in: Christian Rathmer, "Ich erinnere mich nur an Tränen und Trauer..." Zwangsarbeit in Lübeck, Essen 1999). Etwa die Hälfte der Angeschriebenen beantwortete unseren Fragebogen.

Wir veröffentlichen hiermit all diese Briefe in der direkten Übersetzung. Lediglich an wenigen Stellen wurden von uns Angaben in Klammern eingefügt, was dem besseren Verständnis diesen soll. An anderer Stelle wurden Auslassungszeichen gesetzt, wo persönliche Bemerkungen an den Adressaten enthalten waren oder aber dieser Teil des Briefes schlichtweg unleserlich war. Ein Teil der zugesandten Fotos wird ebenfalls an entsprechender Stelle abgedruckt. Die Namens- und Ortsangaben wurden in der Originalübersetzung genannt und nicht überprüft, bzw. in der Schreibweise korrigiert.

Auf eine Kommentierung der Briefe haben wir gänzlich verzichtet.

Wir bedanken uns recht herzlich für die sehr zeitaufwändige und schwierige Übersetzungsarbeit bei Frau Erika Bergen und Frau Tatjana Kramer.

Ein "Dankeschön" für ihre finanziellen Zuwendungen zum Entstehen dieser Broschüre richten wir an Herrn Hans-J. Kochowski, Frau Mechthild Preuß, Frau Gudrun Scheel und den Landesverband Niedersachsen unserer VVN-BdA.

Lüneburg, April 2004


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Fragebogen

  1. Wann, wo und von wem wurden Sie aufgegriffen, bzw. für die Zwangsarbeit in Deutschland rekrutiert?

  2. Wie sind Sie nach Lüneburg gekommen (Transportmittel, Wegstrecke, welche Stationen)?

  3. Können Sie sich noch an Ihre Ankunft in Lüneburg erinnern? Wie und an wen sind Sie zur Zwangsarbeit vermittelt worden?

  4. Wo waren Sie untergebracht und wie waren ihre Lebensverhältnisse (Wohnheim, Lager, Verhältnis zur Lagerverwaltung, wie hat man sich dort Ihnen gegenüber verhalten)?

  5. Wie wurden Sie ernährt, bzw. mussten Sie für Ihre Ernährung selbst sorgen?

  6. Wie wurden Sie gekleidet und wie waren die hygienischen Verhältnisse bzw. die medizinische Versorgung?

  7. Worin bestand Ihre Arbeit? Wie lang war Ihr Arbeitstag? Hatten Sie eine regeImäßige Arbeitszeit oder haben sie Schichtarbeit geleistet? Wie haben Sie Ihre Freizeit verbracht? Hatten Sie die Möglichkeit, Briefe nach Hause zu schreiben?

  8. Wie wurden Sie für Ihre Arbeit entlohnt?

  9. Wie war Ihr Verhältnis zu den anderen ausländischen Arbeitern und zu den Deutschen? Können Sie sich noch an bestimmte Personen erinnern?

  10. Gab es irgendeine Form von Widerstand (z. B. Arbeitsverweigerung)?

  11. Wie verlief die Befreiung und die Rückkehr in die Heimat? Welche Folgen hatten die Jahre der Zwangsarbeit für Ihr weiteres Leben? Was bedeutet diese Zeit für Sie heute?

W. Marjanowitsch aus Mukatschewo:

Ich...wurde 1926 am 14. Juli geboren in der Ukraine.

Nach Deutschland bin ich verschleppt worden 1942, war damals 15 Jahre alt und 6 Monate.

Weggenommen wurde ich aus dem Gebiet Schnenitzky. Gefahren wurden wir durch Briest in den Güterwaggons und behütet von der Polizei. Dann sind wir zum Lager gebracht worden Osswensim. Wir waren ganz viele, ganzer Waggon voll, darunter auch ganz viele Frauen. Dort haben uns die Ärzte überprüft und derjenige, der keinen Beruf hatte, ist aussortiert worden und wurde zum Bahnhof gebracht. Am Bahnhof haben sie uns in die Waggons gesetzt und über irgendwelche Städte gefahren - ich weiß nicht mehr welche - auf jeden Fall durch Berlin. Dann kam ich in die Stadt Lüneburg. Bei der Ankunft sind wir in Fünfergruppen ins Dorf Melbeck gebracht worden. Dann sind wir in das Lager für die Ostarbeiter gebracht worden. Vom Lager aus gingen wir zur Arbeit, jeder zu seinem Bauern und im eigentlichen machten wir die landwirtschaftliche Arbeit.

Wir sind zu einem Bauern gekommen, der eine Mühle hatte. Ich kann mich daran erinnern, dass auf den Säcken mit Mehl stand "Herbert Enkels-Mühle Melbeck". Das Mehl hat man zu den Bäckereien in die Stadt Lüneburg gebracht.

Nicht weit von Melbeck entfernt gab es (den Ort) Kolkhagen, von dem aus man Dünger, aber auch Kartoffeln und Zuckerrüben ...(nach anderen Orten transportiert hat).

Gegessen haben wir meistens Kartoffeln, oft mit der Schale und gekocht gab es Suppe aus Steckrüben und Weißkohl. Mittagessen ohne Brot und schwarzen Kaffee ohne Zucker. Kleidung hatte man uns nicht gegeben. Wir gingen mit unser eigenen. Nach einem Jahr wurde ich versetzt zu den Pferden und arbeitete mit Pferden. So hat mich der Bauer aus dem Lager abgeholt und ich schlief in der Stube neben dem Pferdestall.

Aufgestanden sind wir zwei Stunden früher als die anderen Arbeiter. Wir arbeiteten 10 Stunden und wer keine Pferde zu betreuen hatte 8-9 Stunden.

Wochenenden hatten wir nicht. Wir mussten immer die Pferde pflegen. Andere Arbeiter mussten am Sonntag nicht arbeiten.

Wir haben Briefe nach Hause geschrieben und von zu Hause welche bekommen. Urlaub hatten wir auch nicht.

Mit uns zusammen arbeiteten Polen. Zu den anderen Arbeitern gab es ein gutes Verhältnis.

Weil unser Bauer in die Armee kam, wurde der Hof von einem Mühlenspezialisten verwaltet.. Seine Name ist ungefähr "Herr Behr". War ein ganz guter Mensch. Unser Vorarbeiter hieß "Herr Kruso".

Zum deutschen Volk kann ich nichts Schlechtes sagen. Die Deutschen hatten sehr guten Kontakt zu mir, haben mich gut behandelt. Wir haben niemals Widerstand geleistet. Ich habe gut verstanden und auch gesprochen auf deutsch.

Ich war ganz oft auf der Arbeit in Lüneburg. In Lüneburg hatte unser Bauer ein Getreidelager. Bei ihm arbeitete ich oft. Lüneburg hat mir sehr gut gefallen, eine hübsche Stadt.

Irgendwelche Dokumente habe ich nicht aufbewahrt und habe ich auch nicht gehabt. Aufbewahrt gibt es nur ein einziges Foto, aufgenommen in Lüneburg als ich 17 Jahre alt war. Die Kleidung für das Foto hatte ich von meinen polnischen Freunden geliehen. Das Foto entstand 1943.

Wir hatten unsere deutsche Arbeit gewissenhaft und akkurat gemacht.

Befreit wurden wir von den englischen Truppen am 18. April 1945.

Mit der Ankunft in der Heimat bin ich zum Wehrdienst einberufen worden.

Nach dem Dienst in der Armee habe ich in einem Technikum für Eisenbahnwesen eine Lehre gemacht und dann als Lokführer in den Zügen gearbeitet.

1979 wurde ich operiert am Darm als Folge der Zwangsarbeit in den Jugendjahren in Deutschland. Die mangelnde Ernährung hatte Folgen für meine Gesundheit. Seit dem bin ich Invalide der 2. Gruppe, verheiratet und habe 2 Kinder.

Ich habe einen ganz großen Wunsch, nämlich noch einmal die Stadt Lüneburg zu besuchen, in der ich ganz oft war - und genauso Melbeck. Aber da ich ein Invalide bin und zur Zeit ganz oft krank bin, viele Krankenhausaufenthalte habe und das sind finanzielle Ausgaben für mich. Das sind in etwa 90 Mark im Monat. Wenn ihre Organisation mich irgendwie materiell unterstützen könnte und meine Kriegsjahre in Deutschland bestätigen könnte (42-45), würde ich ihnen sehr, sehr dankbar sein.

Mit freundlichen Grüßen

Winjarskij Anatolij Marjanowitsch

Wasjko Tatjana Iwanowna aus Kirowograd:

Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren von der Vereinigung der Antifaschisten, Stadt Lüneburg.

Vielen Dank Ihnen, dass Sie sich mit einer wichtigen Aufgabe beschäftigen, mit der Wiederherstellung der Wahrheit über den 2. Weltkrieg, und in diesem Fall über Menschen die man zwangsweise in ein fremdes Land brachte und zur Arbeit zwang unter schweren Bedingungen.

Nun beantworte ich die Fragen:

Mir fällt die Erinnerung an die damalige Zeit schwer, auch an mein ganzes Leben, warum lebe ich überhaupt? Ich lebte sehr schwer, Gott bewahre uns vor Wiederholung. Ich erinnere mich daran, wie man uns Mädchen und Jungen in die Güterwaggons hineingestoßen hat in denen man das Vieh transportierte, mit dreckigen Wänden, auf dem Fußboden Stroh, kein einziges Fenster, verschlossen von außen.

Kann mich nicht daran erinnern wie lange der Zug fuhr, aber (wir haben) kaum Pausen gemacht. Geöffnet wurde der Waggon in Polen, Stadt Belostak. Die Soldaten brachten uns zum Badehaus, überprüften uns auf Läuse, gewaschen mit Seife und irgendeinem riechenden Mittel, unsere Sachen wurden heiß bearbeitet.

Danach haben uns bewaffnete Soldaten in die Güterwaggons gebracht, aber schon in saubere, und der Zug fuhr los. Keiner sagte wohin. In der Stadt Belostak gab man uns einen Laib Brot... und das für die ganze Zeit. Wir wurden geführt zum Lager, wo es viele sowjetische Soldaten in grüner Uniform gab hinter dem Stacheldraht in paar Reihen. Sie (riefen) uns zu, dass sie gefangen sind und aus welcher Stadt sie waren. Uns führten bewaffnete Soldaten und verboten uns zu sprechen.

Wir wurden in einen Stall gebracht, wo 2-3-stöckige Betten auf schnelle Hand gebastelt standen. Nachts hat es stark geregnet, sogar tropfte es vom Dach, und morgens schien die Sonne. Wir wurden rausgeführt, in Reihen aufgestellt. Es kamen Männer auf Mofas, Gefährten und Anhängern und suchten sich aus den Reihen Mädchen und nahmen sie mit. Jemand sagte, dass es Bauern sind, die sich Arbeiter aussuchten. Mich und viele andere hat keiner ausgesucht. Anscheinend waren wir mager und dreckig. Dann kam ein kleiner Bus. Daraus kam ein gut russisch sprechender älterer, intelligenter Mann, zählte durch und setzte uns in den Bus. Unterwegs sagte der Mann, dass wir in das kleines Städtchen Lüneburg fahren und in einer Fabrik arbeiten werden. In der Stadt kamen wir irgendwo in eine Art Haus mit Keller an. Im Keller rief man uns der Reihe nach, gab eine Nummer, meine: Nr. 11, machte ein Foto, machte Fingerabdrücke... Mit dem gleichen Bus brachte man uns in das Lager, wo ich die ganze Zeit lebte. Stacheldraht und ein Schloss auf Tor. Eine Köchin, Deutsche, gab uns Makkaroni zum Essen ohne Butter, aber bestreut mit Kräutern. Solche leckere Makkaroni habe ich niemals gegessen.

Untergebracht wurden wir zu sechst in einem Zimmer, 2stöckige Betten, Waschbecken im Flur, Toilette draußen. Wenn wir die Regeln befolgten, hat man uns nicht beleidigt.

Nach der Nacht, morgens, brachte man uns in einer Reihe zur Fabrik, nicht weit entfernt. Begleitet haben uns Polizisten in schwarzer Uniform und mit Schäferhund. Sie begleiteten uns immer zur Fabrik und zurück. Auf dem Territorium der Fabrik wurden wir zu den Vorarbeitern der Hallen (gebracht). Ich kam in eine Halle, wo auf einer Maschine Furnierholz zum Pressen bereitet wurde. Auf der Maschine arbeitete ich mit einer älteren deutschen Frau, namens Anna. Eine sehr nette Frau. Manchmal gab sie mir Tee aus der Thermoskanne. Im Winter brachte sie mir Strumpfhosen. Das machte sie, wenn es der Vorarbeiter nicht sah. Er war nervös und schrie ganz verrückt, wenn etwas nicht stimmte.

Die Fabrik hieß Brüning und Sohn, Unser (Aufpasser) war "von den Streien", ein Älterer mit Glatze, er war böse. Alle hatten Angst vor ihm wie vor dem Feuer. Er kam oft in das Lager.

Gearbeitet haben wir in 2 Schichten, Essen gab es 2 mal am Tag. Ehrlich gesagt, essen wollten wir immer und vom Brot träumten wir sogar. In der ganzen Zeit bekam ich ein Arbeitskleid, für die Füße Pantoffeln mit hartem hölzernen Absatz. Der Absatz wurde schnell abgerieben, deshalb gingen wir barfuß auf dem Zement. Urlaub gab es nicht. Briefe haben wir auch nicht geschrieben. Geld/Lohn bekamen wir in den Umschlägen...

Ich war ein konfliktloser Mensch, bemühte mich, Sitten und Ordnung nicht zu brechen. Sehr stark wollte ich überleben und nach Hause zu Mama und den vier kleinen Schwestern kommen.

Im April 1945 kamen ins Lager englische Soldaten, machten eine Desinfektion im Lager, und sagten, dass wir bald nach Hause fahren.

In der nächsten Zeit kamen große Laster, am Steuer schwarze Menschen, Amerikaner, haben uns eingeladen in Laster und brachten uns durch den Fluss Elbe. Dann wurden wir auf sowjetischen Autos bis nach Brest gebracht.

In Brest hatten wir eine Kontrolle, bekamen eine Fahrkarte und so musste jeder so wie er konnte nach Hause kommen. Auf dem Weg sah ich eine schreckliche Zerrüttung und ein armes Volk.

Es dauerte lange, bis ich in mein Dorf kam, meistens zu Fuß, keine Orientierung, Dörfer abgebrannt, Wälder abgebrannt, keine Straßen.

Mein Dorf, dort gab es eine Serloveko-Kurskaja-Schlacht, war nicht zu erkennen. Lauter Rohre steckten aus den Kellern. Mein Haus war nicht da, Loch und Haufen Erde, Steine. Mama und vier Schwestern lebten bei einer kinderlosen Frau in einem angepassten Raum. Geschlafen hatten wir im Stroh in Lumpen. Ich kam ohne Schuhe und Kleidung (Mantel) an.

Als der Vater von der Front zurück kam, haben wir eine vorübergehende Bleibe errichtet. Ich musste in die Stadt fahren, um Geld zu verdienen, um der Familie zu helfen. Aber wo ich mich auch hinwandte musste ich einen Fragebogen ausfüllen, wo ich gefragt wurde, ob ich im Ausland war. Wenn ja - Absage. Was ich nicht alles getan habe, vor wem ich mich nicht habe erniedrigen müssen - schreckliche Erinnerungen.

Zur Zeit lebe ich in der Ukraine, in der Stadt Kirowograd mit Tochter, Schwiegersohn und Enkelsohn. Ich bin 80 Jahre alt. Ich würde gerne allein leben, aber wohin soll ich gehen, wo soll ich nach ruhigem Leben suchen? Glücklicherweise werden Menschen, die in Deutschland arbeiteten, nicht mehr verfolgt seit 1990.

Vor dem Krieg studierte ich im pädagogischem Institut in Orlowsk, wollte Lehrerin werden. Aber nachdem 1. Lehrjahr kam der Krieg. Nach dem Krieg war es nicht nach Lehre, das Überleben war wichtig. Zerrüttung, Hunger, Typhus. Alles Schlimme in meinem Leben kam vom verdammten Krieg, der sich auf meine Familie auswirkte.

Nun sind fast 60 Jahre vergangen, es tut weh sich daran zu erinnern, an die Vergangenheit vor allem. Ich habe keine Gesundheit mehr.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist es auch nicht einfach. Nicht alle Fabriken und Werke arbeiten, Arbeitslosigkeit, wir stellen uns um auf ökonomischen Markt.

Meine Rente beträgt 139 Griven = 26 Dollar im Monat.

Wenn es Ihnen möglich ist, helfen Sie mir bitte. Ich wäre sehr dankbar.

Diesen Brief schrieb ich über eine Woche, wollte an alles, alle mich erinnern

Gesundheit Ihnen und mit herzlichen Grüßen

Tatjana Wasjko

P.S.: In der Fabrik hatte ich die Nr. 11 - Nowikowa Tatjana Iwanowna, jetzt habe ich den Namen meines Mannes Wasjko

Jewtschak Soltan Stepanowitsch aus Solonzi:

1. Im Oktober 1944 war ich eingezogen in die ungarische Armee in die Stadt Nadikanisch, Ungarn. Aber zusammenhängend damit, dass ich von der Nationalität aus Slovenier bin, schien ich unzuverlässig. So wurde ich in ein Arbeitsbataillon eingetragen.

2. Wir wurden verfrachtet in Güterwaggons und alle durch Österreich nach Deutschland in die Stadt Lüneburg geschickt.

3. In Lüneburg wurden wir in Autos gesetzt und in einen Wald gebracht, wo wir bei der Waldbewirtschaftung arbeiteten und Bäume rausfuhren zur Eisenbahnstation und dort damit die Waggons beluden.

4. Wir wurden in eine Schule oder ein Gemeinschaftshaus gebracht, wo wir in einem Zimmer nicht in Betten, sondern auf Stroh schlafen mussten.

5. Gegessen haben wir in einer Gemeinschaftsküche. Kleidung hat man uns nicht gegeben. Wir hatten das getragen, was wir bei der Ankunft anhatten.

6. Es gab keine Hygiene und auch keine ärztliche Versorgung. Unser Arbeitstag war so lang wie der Tag hell war.

7. Unsere Arbeit wurde nicht bezahlt.

8. Wir hatten keinen Kontakt mit anderen Menschen.

9. Es gab keinen (Widerstand) und konnte es auch nicht geben....

10.Nach dem Krieg arbeiteten wir noch bis Ende 1945. Ende 1945 kam in das Lager eine 6-köpfige Delegation...Sie verkündeten, dass das Gebiet Sakapatje sich der Sowjetunion angeschlossen habe und wer in die Heimat möchte, soll sich melden. Danach wurden wir zum Sammelpunkt nach Magdeburg mit dem Zug geschickt und von dort nach Hause.

11. (Während der Zwangsarbeit)...verschlechterte sich mein Sehen und ich bin nun auch absolut taub, bin herzkrank und habe Gelenkschmerzen.

Mit freundlichen Grüßen

Jewtschak S. S.

Schikowa Maria Danilowna aus Pridneprowskoje:

Im Herbst, Oktober 1942 kamen ins Dorf Mojsenzi die Deutschen. Wir wurden von der Polizei abgeholt und mit Wagen zum Bahnhof nach Solotonoschu gefahren. Dann wurden wir mit dem Zug nach Deutschland, Lüneburg, gebracht. Dort mussten wir in der Furnierfabrik arbeiten. Untergebracht wurden wir in den Baracken, 16-20 Menschen in einer. In der Fabrik arbeiteten wir in Schichten, jeweils 8 Stunden. Es gab keinen Urlaub. Gefüttert wurden wir zweimal pro Tag, am Sonntag einmal. Brot gab es zuerst 300 gr. pro Tag, später nur 150 gr..

Für die Arbeit bekamen wir Arbeitsbekleidung. Medizinische Versorgung gab es nicht. In den Baracken mussten wir selber sauber machen.

Meine Arbeit in der Fabrik bestand darin, das Furnierholz in Ballen zusammenzupacken. Ich arbeitete zusammen mit einem älteren Deutschen, der sehr nett zu mir war.

Arbeitsverweigerungen gab es nicht. Freizeit verbrachten wir größtenteils in den Baracken, ohne uns zu entfernen. Selten schrieben wir Briefe nach Hause.

In Deutschland lebten und arbeiteten wir tagein, tagaus, ohne zu wissen, ob wir jemals zurück in die Heimat kommen werden.

Das Verhältnis zwischen uns (den Arbeitern) und der deutschen Bevölkerung war sehr freundschaftlich.

In April 1945 kamen englische Truppen nach Lüneburg, befreiten uns und schickten uns zum Verteilungspunkt. Von dort wurde ich in die Stadt Pürn geschickt. Dort arbeitete ich als Helferin beim Bauernhof bis Juni 1946, wurde anschließend nach Hause geschickt.

Ich bedanke mich bei der Verwaltung der Fabrik und bei den Deutschen, die ich treffen und mit denen ich arbeiten musste, für ihr gütiges Verhältnis.

Mit freundlichen Grüßen

Schikowa Maria Danilowna

Kolganowa Lübow Sacharowna aus Simferopol:

Ich heiße Kolganowa Lübow Sacharowna, Mädchenname Krasnowa, geboren im Jahr 1925.

Sie möchten gerne wissen, wie ich nach Lüneburg gekommen bin.

1. Im Dezember 1942 wurde ich zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht. Wir alle wurden in einem großen Raum gesammelt und mussten dort 3 Tage ohne Essen und Trinken verbringen. Das war im Gebiet Chersonski. Nach 3 Tagen kam ein Militärzug mit Waggons angefahren, wir wurden dort beladen von der Polizei und deutschen Soldaten.

2. Mit dem Güterzug fuhren wir 14 Tage in den geschlossenen Waggons und bekamen Brot und Wasser. Angekommen sind wir in der Stadt Peremischen (Polen). Dort war ein Übergangspunkt, wo wir eine Sanitätsbehandlung bekamen.

3. Danach wurden wir in die Güterwaggongs beladen und kamen nach 4 Tagen in das Lager "Lerta" (Lehrte/Hannover). Es war Nacht, Frost, wir saßen und froren bis Morgens. Am letzten Morgen wurden einige von uns zum Bauern oder auf andere Plätze verteilt. Es kam ein Kriegsauto angefahren, ein Offizier stieg aus und suchte sich 25 Frauen aus, darunter mich.

Wir fuhren Tag und Nacht und kamen nach Lüneburg.

4. Untergebracht wurden wir in Holzbaracken im Lager, der mit Stacheldraht umzäunt war und von den Hunden bewacht wurde.

5. Gefüttert wurden wir ganz schlecht: morgens 3 Kartoffeln mit Schale und einen Becher Gerstenkaffee, das gleiche auch abends, mittags Steckrübensuppe. Brot bekamen wir 300 gr. am Tag und es bestand aus Kartoffeln und Sägemehl. Wir hungerten und die Arbeit war schwer als Beladerin. In der Anfangszeit bekamen wir keine Bekleidung, wir mussten unsere Sachen tragen, dann bekamen wir Holzsohlenschuhe.

6.Durch das Lager ging eine Zweigeisenbahn, Tore gingen auf und eine kleine Lokomotive mit Waggons kam reingefahren. Wir beluden und entluden die Waggons. Meistens waren es Eisen, Flugzeugmotoren, Fallschirme, 50 kg. schwere Drahtrollen, elektrische Schalen, Bolzen und Gerten. Das wurde in ein paar Gebäude gefahren.

Es gab keine Norm der Arbeit. Am Tage arbeiteten wir im Gebäude, nachts zwangen uns die Soldaten auch zu arbeiten, wenn Waggons kamen. Es gab keine Wochenenden, auch keinen Urlaub. Als es weniger Arbeit gab, wurden wir zu zweit in die Stadt beurlaubt.. Lohn bekamen wir nicht.

7. Mit der deutschen Bevölkerung hatten wir keinen Kontakt, sahen auch keinen, denn wir waren die ganze Zeit in der geschlossenen Zone. Neben den Kriegssoldaten waren noch ältere "Leihbürger" (Vorarbeiter?) anwesend, die uns in die Arbeit einwiesen und uns zeigten, wie wir die Materialien stapeln, wohin wir sie transportieren sollen usw..

8. Im Zentrum der Stadt war das Theater auch mit verschiedenen Sachen beladen. Einmal war ich dort mit einem "Leihmann" Namens Meier. Er erzählte mir, im Theater wurde Tellmann (?) mit seinen Helfern gefasst, darunter auch er selbst. Das war geheim und ich durfte es nicht weitererzählen. Er musste 6 Jahre im Gefängnis sitzen. Dieser Opa nahm mich in verschiedene Gebäude mit, weil ich Deutsch konnte. Ich lernte die Sprache in der Schule und hatte es leichter als andere Frauen, mich zu verständigen.

9. Eine Protestform: eine Frau verweigerte die Arbeit, wurde für 7 Tage in den Karzer und danach für einen Monat ins Gefängnis gebracht. Wir arbeiteten und hatten Angst.

10. Befreit wurde ich von den englischen Truppen.

Ich schreibe Ihnen die Adresse, wo ich 2 ½ Jahre war: Stadt Lüneburg, Owelgönner Weg 13. Die Stadt wurde nicht bombardiert, aber Flugzeuge flogen durch die Stadt, wir mussten schnell ohne Sirene in die Bunker runter.

Vielen Dank für Sie für alles, ich erinnerte mich an meine Jugend. Ich würde mich freuen, wenn Sie meinen Brief beantworten würden. Ich warte in Dankbarkeit auf die Antwort. Ich bin zuckerkrank und habe Bluthochdruck, kann mir selbst die Schmerzen nehmen.

Kolganowa L. S.

Sharko Pjotr Michajlowitsch aus Alexandrij:

Beantworte Ihre Fragen:

1. Wurde abgeholt von der Schule vom Dorf Kuzewolowka, Rayon Onufrijewskogo, Gebiet Kirowogradski. In der zweiten Hälfte des Septembers wurden wir in die Autos geladen und in die Stadt Olexandria gebracht. Dort wurden wir unter Bewachung in der pädag. Fachschule entladen, übernachteten dort, morgens in Reihen aufgestellt und zum Bahnhof gebracht. Dort standen schon die Güterwaggons. Wir mussten rein, Türe abgeschlossen und wir wussten nicht, wohin wir gefahren werden. Der Zug machte Halt in der Stadt Lwow, begleitet mit den deutschen Soldaten.

2. Zuerst kamen wir nach Berlin, dort wurden wir unter freiem Himmel desinfiziert und in einer Reihe aufgestellt. Zu uns kamen Männer und jeder suchte sich junge Männer aus, mich und andere 6 nahm ein Opa mit. Wir fuhren mit dem Zug von Berlin nach Hannover, von dort nach Lüneburg.

3. In Lüneburg empfingen uns 3 Militärs und der Opa, wir fuhren durch die ganze Stadt. Am Rande stand ein vierstöckiges Haus, ich erkannte das Gefängnis.

Wir wurden durch Eisentore in den Hof geführt, 2 Etagen hoch in ein großes Zimmer mit zweistöckigen Gitterbetten. Der Gefängnisleiter war kein schlechter Mensch, ließ mit sich auch reden.

4. Gefüttert wurden wir ganz schlecht: Suppe aus Steckrübe und Spinat und 200 gr. Brot. Meistens mussten wir uns selbst versorgen. Mit guten Menschen kann man überleben und leben.

6. Wir arbeiteten jeden Tag, außer am Sonntag, und reparierten den Eisenbahndamm, 8 Stunden am Tag ohne Urlaub. Wir hatten Möglichkeiten, Briefe zu schreiben. Sie erreichten das Zuhause und auch das Lager.

7. Einmal pro Monat bekamen wir 10 RM für Zigaretten.

8. Das Verhältnis zwischen den Arbeitern und der deutschen Bevölkerung war gut.

9. Protestiert wurde nicht, sonst drohte Konzentrationslager. Befreit wurden wir von den Amerikanern. Der Weg nach Hause war sehr beschwerlich. Diese Zeit bedeutet für mich "eine Ewigkeit".

11. Bescheinigungen über diese Zeit zu bekommen war unmöglich. Ich schrieb einen Brief an die Firma wo ich arbeitete, bekam aber keine Antwort. Die Straße und die Hausnummer habe ich vergessen, auch wo der Chef wohnte und seinen Namen. Ich wünsche, dass es nie wieder und nirgendwo Krieg gibt, dass keine Krankheiten existieren und alle friedlich miteinander leben. Ich träumte viele Jahre, noch mal Lüneburg zu besuchen, hatte aber keine Möglichkeit. Der Zug ist zu teuer, ich erkundigte mich: 800 Dollar.

Auf Wiedersehen, liebe Menschen.

Kopie des genannten Briefes:

An den Vorgesetzten staatlicher Sicherheit der Stadt (Lüneburg) vom Bürger Sharko Pjotr Michajlowitsch, geboren 1925, aufgewachsen bis zum Krieg im Dorf Kuzewolowka, Rayon Onufrijewaki, Gebiet Kirowogradski.

Während des Krieges im September 1941 wurde ich zwangsweise ganz jung nach Deutschland deportiert. Ich kam nach (Lüneburg) mit einem anderen aus dem Dorf: Kuzewol Wladimir Timofeewitsch geb. 1925. Wir arbeiteten zusammen in einer Brigade: 6 Menschen, 2 aus Gebiet Kirowogradski, 4 aus Gebiet Kamenezpodolski. Wir wurden in ein großes Gefängnis gebracht am Rande der Stadt, hinter dem Zaun war ein großer Berg, in der Nähe des Gefängnisses befand sich eine Kirche, gegenüber ein großer gepflegter Friedhof. Zur Arbeit wurden wir geführt durch die ganze Stadt zum Bahnhof. Dort arbeitete ich von 27.9.1941 bis 1945 bis Kriegsende. Uns befreiten die Amerikaner. Unser Büro befand sich an der rechten Seite der Bahnhofsbrücke. Dort bekamen wir jeden Tag mit dem Meister unsere Arbeit. Der Meister hieß August. Meistens arbeiteten wir an der Zentralstraße, manchmal auch an der Fahrstraße. Das Büro lag hinter dem Stadtfreizeit-Park. Zum Kriegsende wurden wir von den amerikanischen Flugzeugen bombardiert.

Mein rechter Arm und Bein wurden verletzt, ich schleppte mich mit Hilfe einer deutschen Frau ins städt. Krankenhaus, das sich am Rande der Stadt befand. Ich wurde operiert, die Splitter wurden entfernt, ich wurde gerettet und bin dafür sehr den Ärzten Chirurgen dankbar. Damals befand sich das Krankenhaus nicht weit vom Bahnhof entfernt. Ein paar Tage später kamen die Amerikaner und ich wurde in ein anderes Hospital verlegt. Unser Chef lebte in der Nähe des Bahnhofs, 5 oder 6 Haus Richtung Fluss. Hinter dem Fluss war Sägemühlenfabrik Namens Fasevera (Faserwerk), etwas weiter Kneckebrotfabrik (Knäckebrotfabrik), etwas höher Furnierfabrik. Ich beschreibe das alles, damit Sie sich vergewissern können, dass ich wirklich im beschriebenen Büro und bei dem Chef arbeitete. Der Chef war sehr alt, manchmal vertrat ihn sein Sohn Juniorchef.

Sehr geehrte Kameraden, ich habe eine große Bitte, ob irgendeiner von Ihren Mitarbeitern in dieses Büro gehen und im Archiv meine Unterlagen finden könnte. Das ich tatsächlich vom 27.9.1941 bis 1945 in der Organisation gearbeitet habe. Und mir ein Dokument in 3-facher Ausfertigung abtippen könnte, einen für sich behalten und 2 mir schicken, mit Unterschrift und Stempel auf meinen Namen: Sharko Pjotr Michajlowitsch. Ich benötige dieses Dokument zum Vorlegen des Staatssowjets für meine Pension und für Vergünstigungen. Ich wäre Ihnen für alles sehr dankbar.

Spaska Maria Semjonowna aus Poltawa:

Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren. Ich gebe hiermit die Antworten auf Ihre Fragen:

In Mai 1942 wurde ich mit 16 Jahren nach Deutschland gebracht. Ich kam zu einem Bauern und arbeitete in der Landwirtschaft, melkte 25 Kühe, und arbeitete auf dem Feld. Ich kann mich nicht an den Namen des Dorfes erinnern, weil ich einen Schlaganfall hatte. Die Bäuerin war eine etwa 60 jährige Frau, war ein sehr netter Mensch, hatte zu allen ein gutes Verhältnis. Bei ihr arbeiteten 2 kriegsgefangene Franzosen, 2 Polen und 3 Russen (1 Mann und 2 Frauen). Den Hof verwaltete ihr Schwager, der ein schlechter Mensch war und mich einmal geschlagen hatte. Sie hatten eine Kuh mit kleinen Zitzen, ich melkte sie mühevoll. Er melkte nach mir noch einmal Milch raus und schlug mich, weil ich schlecht melkte. Diese Bäuerin fütterte uns sehr gut, im Winter 5 mal, im Sommer 4 mal, keinen Tag ohne Fleisch, mal Pute mal Gänsefleisch. Beim Nachbarbauernhof wurde schlechter gefüttert. Wir wohnten bei ihr im Haus zu zweit pro Zimmer. Sie bekleidete uns, gab gute Bettsachen. Wir arbeiteten 14 Stunden am Tag. Am Sonntag war frei. Da ich nie krank war, benötigte ich keine medizinische Versorgung. Urlaub hatten wir nicht. In den 3 Jahren schrieb ich keinen Brief nach Hause. Die Bäuerin zahlte uns ein wenig Geld für Zigaretten, aber da ich nicht rauchte, kaufte ich mir Bier. Mit den Arbeitern verstanden wir uns, aber wir hatten keinen Kontakt zu der deutschen Bevölkerung, da sie uns nicht erlaubte, den Hof zu verlassen. Keiner protestierte, da wir Angst vor dem KZ-Lager hatten. Keiner verweigerte die Arbeit, da die Bäuerin gutmütig war. Nachdem die Amerikaner uns befreiten, bat uns die Bäuerin bei ihr arbeiten zu bleiben, aber ich wollte nicht. Ich setzte mich in einen Güterwaggon und fuhr bis in meine Heimat. Zu Hause war alles verbrannt. Die deutschen Truppen haben beim Rückmarsch alles niedergebrannt, Dörfer und Städte. Geblieben waren Ruinen. Dokumente bekam ich keine, da ich den Namen des Dorfes vergessen hatte. Ich schrieb einen Brief an das Archiv, Große Allee 5-9, 34444 Bad Arolsen, ohne Ergebnis.

Auf Wiedersehen, wünsche Ihnen Glück und gute Gesundheit.

Galka Polina Pawlowna aus Werbowata:

1. Im Mai 1943 wurde ich nach Deutschland verschleppt.

2. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann wir nach Lüneburg gekommen sind, wir wurden in Güterwaggons ohne Wasser und Essen gefahren.

3. Nach Lüneburg wurden wir 3 Frauen aus Gebiet Kiew und 16 aus dem Gebiet Poltawski gebracht. Aus Gebiet Kiew waren ich, Kolomis Nadja Petrowna (verstorben) und Kuschniruk Olga Petrowna (verstorben) . Untergebracht wurden wir in Holzbaracken auf zweistöckigen Holzbetten.

4. Die Lebensbedingungen waren sehr schwer, der Umgang zu uns war mittelmäßig.

Am nächsten Tag nach der Ankunft in Lüneburg wurden wir zur Furnierfabrik geschickt. Der Arbeitstag dauerte 8 Stunden. Ich arbeitete zusammen mit dem Deutschen "Hannes" und legte das Furnierholz zusammen. Die Arbeit war schwer und der Hunger groß. Ich bekam 12 RM als Lohn, dafür kaufte ich mir Steckrüben. Zum Essen gab es Steckrüben, einfach Kartoffeln und Brot.

10. Bekleidung bekamen wir zweimal im Monat: grüner Rock und grüner Pulli mit Schild "OST".

11. Befreit haben uns am 9. Mai die englischen Truppen, viele Arbeiter verstarben, weil sie hungrig sich vollgegessen haben. Der Weg nach Hause dauerte vom 9. Mai bis 7. September 1945

Vom 25. Dezember 1945 bis zum 1. Oktober 1989 arbeitete ich als Krankenschwester.

Zur Zeit sind meine beiden Augen krank. 2001 wurde ich am einen Auge operiert und sehe 1 %.

Ich bekomme 160 Rubel, sie reichen nur für Medikamente und Brot. Lebe sehr einsam.

Galka Polina Pawlowna

Poltoradskaja Warwara Wasiljewna aus Kalinowka:

Glücklich, sehr glücklich wäre ich, diese Menschen zu sehen, welche sich mit dieser aktuellen Sache befassen. Sie bereiten damit "Nahrung" für die Geschichte. Es ist kein Geheimnis, dass viele junge Leute fast gar nichts über diese schreckliche Periode wissen. Als ich Ihren Brief erhalten habe, war ich sehr bewegt, hinter meinen Tränen sah ich nichts und dachte: "Warum ist es so spät geschehen?". Die 90er Jahre waren Anfänge der Bewegung dieser Fragen. Mein Mann verstarb 1989. Wäre er noch am Leben, wären wir zu den damaligen Orten gefahren: Lüneburg, Amelinghausen, Oldendorf-Luhe. Vielleicht hätten wir die Menschen gesehen, deren Gestalten sich noch so lebendig in meiner Erinnerung widerspiegeln, deren Güte niemals zu vergessen ist. Das wird nie geschehen. Ich bin schon fast 80 Jahre als. Ich habe meinen Mann und meine Kinder verloren, bin aus meiner Heimat Dnepropetrowsk in die Umgebung gezogen, bin eine einsame Rentnerin und kann nur davon träumen. Nun aber zum Wichtigen:

Ich, Poltorazkaja (geb. Tscherwko) Warwara Was., bin in einem steppigen sonnigen Gebiet in der Familie eines Arbeiters und guten Vaters aufgewachsen. Wurde am 10. Mai 1943 nach Deutschland verschleppt. Folgender Weg: Priwolnoje, Schepetowka, Peremischl´, Krakow, Hannover, Lüneburg in den Kälberwaggons.

In der Nähe von Lüneburg arbeiteten wir (zunächst) bei einem Bauern auf dem Feld. Sie gaben uns eine leckere Suppe, ich wollte Zuschlag, traute mich aber nicht zu fragen, da wir 30 Menschen waren. Manchmal koche ich für mich solche Suppe (Kartoffel, Erbsen und Speckkruste) und erinnere mich an diesen Fall. Wir wohnten in den Baracken.

Danach kam ich nach Lüneburg, schlief in einem großen leeren Saal mit Zementboden (kann mich an die Kälte erinnern, die an meiner Seite brannte). Und endlich Aufbau und Abbau der Ware, d.h. uns. Mich nahm ein Hausherr bis zur Station, überließ mich einem anderen Mann und ging weg. Zu meinem Erstaunen redete dieser Mann russisch: er ist Ukrainer, gefangen 1914, wohnt in diesem Dorf, hat Familie, arbeitet beim Runt, hat diesem ein Haus gebaut, der Hausherr ist ein schlechter Mensch, "aber Mund zu, wir haben darüber nicht geredet". Ich habe niemals mehr diesen Menschen gesehen, obwohl ich wusste, wo er wohnt. Ich sah seinen Sohn. Der arbeitete, glaube ich, auf der Butterfabrik (Molkerei). Er kam zweimal zum Hausherren, machte eine Melkprobe und kontrollierte die Milchfettigkeit. Mein Hausherr, Hermann Stein, war wirklich ein sehr schwerer Mensch. Alle fürchteten sich vor ihm: die Familie und die Nachbarn. Solche Menschen sind überall zu finden, bei uns und bei Ihnen. Er hinkte, weiß nicht warum, ging mit Stock und war stolz auf seine nazistische Uniform, zog sie an und fuhr irgendwohin zum Treffen mit seinen Parteifreunden. Diese Uniform suchten später die Engländer, wollten ihn erschießen, fanden sie nicht und verprügelten ihn sehr stark. Danach habe ich ihn nicht mehr bis zu meiner Abreise gesehen. Das war im Mai 1945. Es wurde erzählt, er war krank, aber ich vermutete, dass er gar nicht zu Hause war, sondern sich versteckte. Ist egal. Seine Sprache war voll mit Hass und war mit Ausdrücken begleitet wie "russische Schweine", "Schweinehund", dummes Kamel". Andere Wörter habe ich nicht verstanden. Er hatte 5 Kinder: Sohn in der Armee, 2 ältere Töchter, verheiratet mit Kindern, ihre Männer an der Front, 2 Töchter zu Hause: älteste Anni, mit einem Buckel am Rücken, arbeitete wie alle, jüngere Ilse, Schülerin, arbeitete mit dem Pflug und dem Pferd, die Oma 90 Jahre alt, arbeitete mehr als ich. Nachts kochte sie Kartoffel für die Schweine und fütterte sie, unglücklicher Mensch. Und mich verhaute er auf den Rücken mit der Schaufel - es klingelte nicht nur in den Ohren, auch im Kopf. Ich denke, er lebt schon lange nicht mehr, und über Tote redet man bei uns entweder gut oder gar nicht. Ich war Zwangsarbeiterin und arbeitete morgens ab 5 bis abends 7 auf dem Feld und neben den Kühen. Frei war nur Sonntag von Feldarbeiten, im Sommer mussten wir bei schlechtem Wetter auch am Sonntag das Heu retten. Lohn erhielt ich keinen, aber auch wenn ich bekäme, sah ich keine Geschäfte oder ähnliches. Postkarten gab mir Anni. Übrigens schickte ich nur 2 Postkarten nach Hause, dann brach der Kontakt völlig ab. Meine Kleidung war schon abgenutzt, aber keiner gab mir was, außer einer Schürze aus Sack und Holzpantoffeln. Arbeit: Feld, Kühe, Steine sammeln vom Feld und Reparatur der Säcke. Ernährung: Ich war nie hungrig, Kartoffel war sehr lecker und genug da. Essensordnung war sehr streng. Badestube hatten sie gar nicht, gewaschen wurde mit Waschlappen und Schüssel. Klima war sehr feucht und frostig. Ich spürte immer die Kälte und rettete mich ins Federbett und pustete, um Wärme zu erzeugen. Für sich selbst nahmen sie Decke, hielten sie an den Kamin und hatten eine warme Wasserflasche. Der Hausherr besaß ein Telefon und ein Radio, aber kein Bein oder Ohr hatte Zugang dazu. Er bestellte Zeitung, ich sah aber auch keinen Fetzen davon. Ich bat um Hefte und Bücher der jüngsten Ilse, aber bekam sie nicht. Ich dachte: "Wie ´klein´ ist doch mein Hausherr". In den 2 Jahren hätte ich Ilse so viel beibringen können für das ganze Leben. Sie war 13, sie hätte alles in sich eingesaugt wie ein Schwamm, aber das passierte nicht.

In dieser Periode wurde Hamburg bombardiert, wir sahen es. Selbstverständlich kamen die Betroffenen. Unser Hausherr baute schnell Scheune-Wohnung und nahm 2 Familien auf: Frau Naumann (Witwe, Mann umgekommen, 2 Kinder) und Frau Stein (2 Kinder, Mann an der Front). Sie lebten im Wald in diesen "Gemächern", und in mir bohrte der Gedanke "Unglückliche" - sie muss man bemitleiden und ihnen muss man helfen. Ich sah sie erschöpft, entkräftet gehen mit einer Tasche drin Fleischknochen - so war das Leben der Landsleute. Wie haben sie gelebt? Ich hätte mit allem ihnen helfen wollen, aber mit was? Sie in der Not, ich auch, aber sie in der Not in der Heimat, ich aber fremd. Besonders leid tat mir Frau Naumann, sie verlor alles, ich sah ihre Tränen, und ihre Lebensbedingungen waren schwieriger als meine. Wenn sie noch leben, möge Gott ihnen Gesundheit und Glück schenken. Kinder: Karin, Wolfgang. Nachbar: Brake, Kester, Wulf und andere. Es waren gutmütige Menschen , halfen wie sie konnten. Sie waren schon älter und wenn ihre Kinder und Enkelkinder noch leben, so verbeuge ich mich tief vor ihnen und wünsche Gesundheit und Wohlergehen. Ich habe ihre Güte nie vergessen und schätzte es. In den Wirrwarr-Minuten dachte ich: "Wie hätten sie gehandelt?". Ich weiß, dass das Gute immer das Böse besiegt. Um sich vergewissern zu können, braucht man Zeit und Analyse. Ich bin ein tiefgläubiger Mensch geworden.

Befreit haben uns die Engländer, brachten uns in ein umliegendes Dorf, weiß nicht welches. Danach russische Zone, in einer Kriegsflugstadt, danach Stettin, Belostok, Trodna. Nach einem halben Jahr kam ich nach Hause. Es waren danach schwere hungrige kalte Jahre, Zerrüttung, aber ich hatte nur ein Ziel: Lernen. Als ich die 10. Klasse abgeschlossen hatte, bemerkte mich beim Abschlussexamen ein Vertreter der Volksbildung. Als er nach der Meinung der Lehrer fragte, lud er mich zu sich in die Schule als Mathematiklehrerin ein und auch gleichzeitig ging ich zur Hochschule. Also, nachdem ich die Schule beendet habe, zur Hochschule ging, in der Schule arbeitete, spürte ich nie von der Obrigkeitsbehörde Verfolgung. Ich ging zur Arbeit wie zur Feier. Ich liebte sehr meine Arbeit und spürte immer von allen Seiten Achtung. Ich erzählte niemanden und niemals, dass ich in Deutschland war. Meine Kinder erfuhren die Wahrheit erst in den 90er Jahren. Ich wollte ihnen keine Schwierigkeiten bereiten. Das ist ein Fleck. Die Regimeunternehmen kündigten alle, die in Deutschland waren auf eigenen Wunsch. Die Presse schwieg. Niemand und nirgendwo erwähnte auch nur ein Wort über diese Periode, diese Leute, die durch die Hölle gegangen sind, aber überlebten. Sehr feierlich wurde und wird auch heute der 9. Mai, Tag des Sieges begangen . Die Kriegsteilnehmer werden geehrt, an die Umgekommenen an der Front und hinter den Mauern wird erinnert, aber über die Lebenden - kein Wort. Heutzutage wird es aufgerollt, es ist gut, aber etwas zu spät. Viele, sehr viele sind gestorben, ohne ihren Kindern die Stadt in Deutschland zu benennen. Vielen Dank für die Fürsorge auch in erster Linie unserer Regierung für die Hilfe, die Vergünstigungen, für die Rente, die wir bekommen.

Ich besaß Fotos, aber ich vernichtete sie. So lebte ein Mensch ohne Vergangenheit. Wofür sollten wir verachten? Worin bestand das Misstrauen? Keiner sagte laut: "Ich war in Deutschland". Keiner zog ein kurzes Oberteil an, wenn er einen Stempel auf der Haut hatte. Mich setzte ihr Brief sehr in Bewegung. Ich bin krank, einsam, ohne Hilfe, ohne Zeugen, ohne Rezension, aber ich schreibe ihnen mit Tränen und dem Gefühl der Dankbarkeit. Viel Erfolg Ihnen bei dieser Sache! Wünsche ihnen das zu beschützen, was geschaffen ist zur Belehrung der Lebenden, damit sie objektiv auf die Geschichte schauen können. Menschen, seid gütig und achtsam zu einander.

Poltoradskaja Warwara Wasiljewna

Koselkowa Antonina Iwanowna aus Dubno:

Guten Tag, sehr geehrte Bürger, Mitglieder des Lüneburger Vereins der Antifaschisten!

Ich bin ... ehemalige Ostarbeiterin. Noch etwas über ein Jahr, dann werde ich 80 Jahre alt. Ich bemühe mich auf ihre Fragen zu antworten. Vieles habe ich vergessen. Ich war erst 17, als mich die Faschisten nach Deutschland verschleppten.

1. Am 6. Juni 1942 wurde ich von den besetzten Mächten zwangsweise nach Deutschland gebracht aus der Stadt Maloarchangelsk, Gebiet Kursk in Rußland.

2. Die Faschisten brachten uns zur Bahnhofsstation Poniri 12 km von Maloarchangelsk entfernt. Wir fuhren mit dem Gefährt. Dann wurden wir in die Viehwaggons geladen. Über welche Stationen wir gefahren sind, kann ich mich nicht erinnern.

3. Wir wurden ins Verteilungslager gebracht. An einen der Wartetage kamen die "Käufer". Wir mussten in Reihen uns aufstellen. Zu uns kam irgendein "Chef", zählte die nötige Menschenmenge ab und brachte uns nach Lüneburg.

4. Gebracht wurden wir zu den Baracken. Am nächsten Tag wurden wir zur Arbeit in die Furnierfabrik in der Nähe der Baracken geschickt. Gelebt haben wir in der Nachbarschaft mit Franzosen, Italienern, Holländern usw. Die Baracken waren voneinander mit Stacheldraht abgegrenzt. Polizei mit Hunden beaufsichtigte uns. Unsere Baracke hatte 5 deutsche Polizisten, die uns zur Arbeit und zurück begleiteten. Sie behandelten uns wie die Sklaven. Wir schliefen auf zweistöckigen Betten auf Stroh.

5. Zu Essen gab es ungeschälte gekochte Kartoffel mit Spinat. Wir aßen aus Metallteller und -bechern. Jeden Tag gab es eine Möhre zur Kräfteunterstützung. Wir stahlen beim Bauern hinter dem Drahtzaun Steckrüben. Einmal wurden wir zum Haufen mit Kleidern geschickt und jeder suchte sich was zum Anziehen aus. Auf den Füßen hatten wir Holzschuhe. Gewaschen haben wir uns über dem Waschtisch - das war die Hygiene. Einmal wurde ich zum Zahnarzt gebracht.

6. Wir beluden das Furnierholz in die Loren, schickten sie auf den Schienen in den Ofen. Dann schoben wir die Loren in die nächste Halle. Für jede Lore 2 Menschen. Unser Meister war ein Deutscher Namens, oder Spitzname, "Dobrin". Unsere Führerin war eine Deutsche im mittlerem Alter namens Mimi. Sie war nicht schlecht zu uns. Wenn ich manchmal in Ohnmacht fiel, brachte sie mir Brot. Wir arbeiteten von Morgens bis Abends. Ohne Urlaub. Manchmal durften wir in Begleitung eines Polizisten zum Spaziergang in der Nähe der Baracke. Da ich eine Erzogene des Waisenhauses bin, hatte ich in meiner Heimat keine Verwandte. So schrieb ich keine Briefe.

7. Unsere Arbeit wurde nicht bezahlt.

8. In der Nachbarschaft unserer Baracken lebten deutsche Bürger. Wir sahen, dass sie uns bemitleideten, aber der Kontakt hat sich nicht ergeben. Wir waren hinter Stacheldraht.

9. Einmal, nachdem wir zur Arbeit in das Territorium der Fabrik kamen und der Polizist zur Seite ging, haben wir angefangen zu singen: "Meine Heimat, mein Moskau..." und liefen schnell durcheinander in der Fabrik. Wir haben uns erschrocken. Das war eine Form des Protests. Während wir in der Fabrik arbeiteten, dachten wir, dass wir ewig Sklaven bleiben würden.

10. Die Stadt Lüneburg wurde von den Engländern befreit. Wir wurden aus der Stadt in das Örtchen Tespe zur Erntesammlung geschickt. Nachts mussten wir das Vieh hüten. Dann kam die Abreise in die Heimat. Wir wurden in einem großen Gebäude eingesammelt, schliefen auf dem Boden, erkrankten an Krätze, bekamen Läuse. Uns wurden die Fingerabdrücke genommen. Es wurden Gruppen organisiert nach Heimatorten, Trockenration mitgegeben. Auf Autos wurden wir in Begleitung unserer Soldaten in die polnische Grenze gebracht, bis Stadt Charkow. Nachdem ich zu Hause angekommen war, nahmen mich zu sich Leute, die auch in Deutschland waren. Lange Zeit konnte ich keinen Ausweis bekommen. Dann wurde mir geholfen, eine Arbeit zu finden. Im Jahr 1947 bin ich weggezogen und lebe jetzt in der Ukraine.

11. Ich bin sehr dankbar, dass ich überlebt habe, denn viele sind in Deutschland umgekommen. Trauere nach den verlorenen jungen Jahren als Sklavin. Ich besitze keine Unterlagen aus Deutschland. Bin sehr oft krank. Die Behandlungen sind bei uns kostenpflichtig. Das Geld zum Leben fehlt.

Ich bitte Ihre Organisation mir und anderen zu helfen, 35 % der Entschädigung aus unserem Fond "Aussöhnung und Verständigung" zu bekommen. Warum müssen wir so lange warten?

Mit freundlichen Grüßen

Koselkowa Antonina Iwanowna

Korobejnikowa Alexandra Trofimowna aus Dnepropetrowsk:

1. Im Frühling 1942 wurde ich von den Deutschen nach Deutschland verschleppt und kam ins Todeskonzentrationslager. Nach einiger Zeit kamen die Bauern und holten mich zur Arbeit in die Landgegend der Stadt Lüneburg ab. Ich lebte beim Bauern und arbeitete in der Landwirtschaft im Dorf Mechtersen. Der Bauer hieß Guster Schlüter. Untergebracht wurde ich in der 2. Etage des Bauernhauses. Der Umgang zu uns war gut, nicht grob. Bekleidung hatte ich meine eigene. Der Arbeitstag war von morgens um 6 Uhr bis abends um 9 Uhr. Es gab keinen Urlaub, auch keine freien Tage. Die Arbeit wurde bezahlt in RM, aber sie nützte nichts, weil in Geschäften alles auf Karten war. Für die Gefangenen gab es keine Karten. Gegeben wurden nur Holzschuhe.

Befreundet war ich mit Gefangenen als auch mit der einheimischen Bevölkerung.

Die Arbeit verweigerte ich nicht. Erledigte jede.

Nach der Ankunft unserer Botschaft nach Deutschland, haben uns die Engländer auf ihren Autos unter Aufsicht zu unserer Grenze gebracht. 6 Monate dauerte es bis wir auf unseren Kriegsautos nach Hause kamen. In der Heimat wurden wir gut empfangen.

Die zweite Hälfte der Entschädigung habe ich bislang noch nicht bekommen. Wenn es in Ihrer Macht steht, wirken Sie bitte bei der Erhaltung der Entschädigung mit.

Korobejnikowa A. T.

Sagorulko Anna Iwanowna aus Warwarowka:

Am 27. November 1942 wurden wir von den deutschen Mächten aus dem Dorf Nowopawlowka, Rayon Blisniziwski, Gebiet Charkowski zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht. Vom Übergangspunkt wurden wir mit dem Zug nach Lüneburg gebracht. Ich wurde zur Arbeit ins städtische Krankenhaus genommen, auf die Diphtheriestation als Krankenpflegerin.

Wir waren 6 Frauen, arbeiteten alle im Krankenhaus. Gelebt haben wir im Keller des Krankenhauses, das Verhältnis der Administration zu uns war gut. Zu Essen gab es das gleiche wie auch für Kranke. Bekleidet hat uns das Krankenhaus. Als Krankenpflegerin arbeitete ich von morgens bis abends, ohne Urlaub. In der Freizeit gingen wir ins Kino, schrieben Briefe nach Hause, bekamen Marken, weiß nicht mehr wie viele. Mit der deutschen Bevölkerung hatten wir ein gutes Verhältnis. Arbeitsverweigerung oder Protest gab es nicht.

Am 5. Mai 1945 befreiten uns die Amerikaner, schickten uns zu den Russen wegen der Heimreise.

Ich bitte Sie um irgendeine Hilfe, bedanke mich bei Ihnen und Ihrem Team für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen Anna Sagorulko

Rak Olga Michailowna aus Werbowata:

Ich wurde abgeholt am 26. Mai 1943. Abgeholt wurden auf Mobilisation alle 23, 24 und 25-Jährigen. Gefahren wurden wir in Güterwaggons ohne Essen und Trinken. Wohin, wurde uns nicht gesagt. Angekommen sind wir im Verteilungspunkt. Wo das war weiß ich nicht, wurde uns nicht gesagt. Es kamen Kaufmänner und verteilten uns. Uns 3 Mädchen aus dem Gebiet Kiew: mich, Palageja Galka Pawlowna und Kolomigz Nadja Patrowna (verstorben) schickten sie in die Waldbearbeitungsfabrik (Furnierfabrik) nach Lüneburg.

Untergebracht wurden wir in den Holzbaracken auf zweistöckigen Holzbetten. Gefüttert wurden wir zweimal am Tag mit Steckrübe und Kohlrabi. Zum Anziehen wurden uns Pullover, Rock und Holzschuhe gegeben. Rock und Pullover waren aus Papierstoff, einmal gewaschen und weggeschmissen. Wir hatten eine Badestube. Ich hatte Allergie auf meinen Händen, krampfte mich zusammen, bekam eine Salbe. Dann bekam ich Gummihandschuhe.

Ich belud Furnierholz auf die Lokomotive, begleitete es zum Trocknen in den Kanal.

Unser Meister hieß Hannes, kenne seinen Nachnamen nicht. Wir arbeiteten bis zum Abend 8 Stunden am Tag, ohne Urlaub. Ich bekam 16 RM und kaufte Steckrüben und Salz. Mit den Deutschen durften wir nicht reden, weil wir die Sprache nicht kannten. In der Fabrik arbeiteten Niederländer, Belgier und Serben, wir hatten aber mit ihnen keinen Kontakt.

Befreit haben uns die Engländer am 9. Mai 1945. Wir bekamen keine Dokumente.

Die Gesundheit verschwindet jeden Tag. Das Nervensystem ist gestört für das ganze Leben. Ich sehe und höre schlecht, schreibe schlecht. Per Autos brachten uns entweder Engländer oder Amerikaner nach Dresden. Mit dem Güterzug wurden wir nach Hause gebracht. Angekommen bin ich am 7. September 1945.

Bis zur Rente arbeitete ich im Kolchos.

Rak Olga Michailowna

Kosima Iwan (Mikailowitsch aus Dobrjanitschi:

Ich beantworte Ihren Fragebogen.

Ich bitte Sie aber im Voraus um Entschuldigung, weil ich möglicherweise nicht alles detailliert erzählen kann. Es sind seit damals 58 Jahre vergangen, ich bin 83 Jahre alt.

Also zur Zwangsarbeit nach Deutschland wurde ich im April 1942 abgeholt. Im Dorf Dobrjanitschi bestimmte der Dorfälteste, wer nach Deutschland kommt. Das befahl ihm die deutsche Macht.

Ich war aus einer armen Familie, hatte Vater und zwei Brüder. Von uns 4 wurde ich ausgewählt. Außer mir wurden vom Dorf noch einige junge Frauen und Männer geschickt. Mit dem Gefährt wurde ich zum Arbeitsamt nach Peremischen gefahren. Dann mit dem Zug nach Polen ins Gebiet Posnan ins Dorf Eichenbrik zum Bauer Welkir, Jakob. Er war im Krieg in Posnan als Übersetzer. Ich verwaltete seinen Hof: fütterte die Tiere, säte und brachte das Getreide weg, gab die Quittungen Maria Welkir - bis 1945. In Januar 1945 kam ins Dorf die Gestapo und verkündete die Evakuierung - innerhalb zwei Stunden sollten wir das Dorf verlassen. Auch ich musste zusammen mit Maria Welkir und ihren 3 Kindern das Dorf verlassen. Wir fuhren ganzen Monat Januar bis zum Fluss Wisla Tag und Nacht, weil unsere Truppen sich darauf vorbereiteten, die Brücke über den Fluss zu sprengen. Nach Lüneburg kamen wir im März. Nachdem wir die Brücke überquerten, fuhren wir erst am Morgen weiter. Unterwegs gaben die Deutschen den Pferden Futter. Berlin umfuhren wir seitlich. Mit uns zusammen waren noch 8 Familien aus dem Dorf, ich erinnere mich an Marie Niklas, Mos Eiholz, Jung Karl. Angekommen sind wir im Dorf Barchen und wurden bei Bauern untergebracht. Ich kam zum Herrn Eichhof in den Pferdestall. Dort war ein Zimmer, wo ich auch lebte. Im Zimmer gab es nur ein Bett und ein Kissen.

Herr Eichhof war Invalide auf Arm und Bein. Bei ihm arbeiteten Polen, Russen und 12 kriegsgefangene Franzosen.

Im Dorf befand sich eine Besatzung von Belgiern. Neben dem Dorf waren Soldatenkasernen. - "Arbeitdienst" wurden sie genannt.

Der Sohn des Herrn war Pilot. Der Arbeitstag dauerte morgens von 9 Uhr bis abends 8 Uhr, Mittagspause 1 ½ Stunden. Im deutschen Krankenhaus war ich nicht, weil ich nicht krank war.

Einen Urlaubstag bekam ich am ukrainischen religiösen heiligen Tag. Ich bat darum Herrn Eichhof. Er überprüfte mein Arbeitsbuch und verstand, dass ich Ukrainer bin.

Als Lohn bekam ich einmal 25 RM. Ich bekam Einkaufsschein und kaufte mir Schuhe und Arbeitsanzug. Das war mein ganzer Lohn.

Briefe schrieb ich nach Hause noch im Territorium Polens, nicht mehr in Lüneburg. Wo Front war, arbeitete die Post nicht.

Ich besitze keine Dokumente, hatte nur ein Arbeitsbuch, aber es wurde mir genommen.

Unsere Soldaten durchsuchten alles. Wenn sie erfuhren, dass jemand in Deutschland war, sagten sie: "Während wir kämpften, habt ihr für die Deutschen gearbeitet". So kam ich nach Hause.

In April 1945 wurden wir von den amerikanischen Truppen befreit. Am 6. April kamen ins Dorf Barchen englische und amerikanische Truppen. Die Amerikaner besetzten das Haus des Herrn Eichhof. Ins Dorf wurden zuerst amerikanische Gefangene, und 2 Tage später deutsche Gefangene von den Amerikanern ins Haus des Herr Eichhof gebracht.

Die "geliehenen" Polen, Russen wurden empört, die Deutschen klagten das den englischen Vorgesetzten. Diese erlaubten allen Ausländern, die nicht mehr bei den Deutschen arbeiten wollten in den Sammelpunkt zu gehen bis zum Kriegsende. Ich blieb beim Eichhof und arbeitete weiter. Er behandelte uns gut, ich kann nicht klagen.

Der Krieg war zu Ende. Ich arbeitete auf dem Feld mit den Pferden, als einer kam und sagte: "Nimm die Pferde und gehe in den Hof". Auf dem Hof des Herrn stand ein Auto und ich hörte: "Packe zusammen, wir fahren in die Heimat". Ich wurde in den Ort Falinpost (Fallingbostel) gefahren und bekam amerikanisches Trockenbrot. Wir wurden in das Territorium unserer Truppen rübergefahren. Weil die Amerikaner die Atombombe auf Japan geworfen haben, wurde uns gesagt ist Ende des Krieges und wir gehen nach Hause. Wir gingen zu Fuß 50 km am Tag, insgesamt 360 km. Die amerikanische Kommission erlaubte uns nicht mehr zu Fuß zu gehen, die Russen sagten aber: "Unser Soldat ging von Moskau bis Berlin, kann auch zurück gehen". Aber die Amerikaner hörten nicht auf sie, gaben uns ihre Autos damit wir nach Hause kommen können.

So kamen wir nach Weißrußland zum Ort Baranowitsch. Dort mussten wir unter freiem Himmel leben. Dort gruben wir uns Löcher, bedeckten sie mit dem Grünen und bestreuten mit Erde, so lebten wir in diesen Erdhütten einen Monat. So lange befragte uns die NGB, dass wir nicht freiwillig nach Deutschland gefahren sind, sondern zwangsweise. Zu Essen wurde uns Haferflocken mit russischem Frontzwieback gegeben. So kam ich nach 3 Monaten nach Hause.

Im Archiv in Lwowsk bekam ich das Dokument, dass ich nach Deutschland verschleppt worden und wann ich zurückgekommen bin.

Das ist auch schon alles, was ich Ihnen erzählen kann.

Vom ganzen Herzen bedanke ich mich bei Ihnen für ihre Aufmerksamkeit. Dankeschön.

Kosima L.M.

Servetnik Alexandra Iwanowna aus Jewpatoria:

Ich grüße Sie, verehrte Damen und Herren,

Ihr Schreiben habe ich bekommen und bedanke mich dafür. Ich beschreibe eine Episode aus dem Leben in Deutschland. In September 1943 wurden meine Mutter und wir 3 minderjährige Kinder aus der Stadt Perwomaisk, Gebiet Woroschilowgradski zwangsweise nach Deutschland gebracht. Auf der Station wurden wir alle in die Güterwaggons geladen, angeblich tief in die Ukraine rein um auf dem Feld Kartoffeln zu ernten. Aber gebracht wurden wir in die Stadt "Stolino", heute Stadt Donezk in ein 3-stöckiges Gebäude. Am Morgen erfuhren wir, dass es die Schule ist, umgeben von Stacheldraht und bewacht von der deutschen Streife. Einige Tage später wurden wir erneut in die Güterwaggons beladen, bedeckt mit Stroh. Türen wurden fest verriegelt und wir wurden nach Deutschland gebracht. Wir sind lange gefahren. Der Zug stoppte nur irgendwo in der mit Unkraut bedeckten Steppe oder in der hohlen Sackgasse. Wir durften für 20-30 Minuten raus, bekamen Trockenbrot, mussten wieder rein und sind weitergefahren. Also haben wir nicht erfahren und gesehen, welche Stationen, Städte und Staaten wir überquerten. Wir wurden wie Vieh gefahren. In Lüneburg wurden wir in Planwagen mit Pferden zu den Bauern gebracht. Wir kamen in den Bezirk Vastorf , 9-12 km von Lüneburg entfernt zum Bauern Wilhelm Stöckmann. Wir wurden in einem kleinen Zimmer, das nicht beheizt wurde, untergebracht. Meine Mutter und 16jährige älteste Schwester arbeiteten morgens von 6 Uhr bis abends 6 Uhr. Sie säuberten die Kühe, verteilten den Mist auf dem Feld, melkten Kühe, sägten Holz im Wald, säten und pflückten die Ernte. Sie bekamen jede 3 RM im Monat. Bekleidet wurden wir mit speziell genähten Anzügen für Russen mit dem Schild "OST". Ich und die jüngste Schwester arbeiteten von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends täglich. Ich erledigte jegliche Arbeit in der Küche. Wusch, säuberte, putzte Geschirr, Schuhe, im Herbst sammelte ich mit den Erwachsenen vom Feld Kartoffel und anderes. Die jüngste Schwester musste die Kessel reinigen, heizen, die Gänse und einen Hammel hüten, er hat auf sie immer mit den Hörnern gestoßen. Sie weinte, versteckte sich hinter dem Baum, die Bauerleute lachten sie aus. Mutter sagte mir, dass wir zum Arbeitsamt nach Lüneburg fahren und sie dort alles erzählen wird. Das haben wir auch gemacht. Mutter ging von der Feldarbeit weg, ich aus der Küche und heimlich von den Bauern gingen wir zur Station. Dort hing an der Kasse eine Anzeige, dass die Ausländer keine Fahrkarten bekommen.

Hier bleibe ich dabei stehen, dass unter den Deutschen auch sehr wohlwollende, mitleidige Menschen sind. Zu unserem Bauern kam ein Junge. Er sah mich beim Steckmann arbeiten und wusste, dass ich Russin bin. Ich sah ihn auf der Station und bat ihn, uns 2 Fahrkarten nach Lüneburg zu kaufen. Er kaufte sie und brachte uns zum Waggon. Er war der Sohn des Chefs der Station.

In Lüneburg angekommen, stiegen wir aus und fragten einige Deutsche nach dem Weg zum Arbeitsamt. Sie antworteten uns sehr gerne, obwohl sie gesehen haben, dass wir Russen sind. Im Arbeitsamt erzählte Mama, dass minderjährige Kinder von 8 Uhr bis 18 Uhr arbeiten müssen, aber zu Essen eine Kinderportion bekommen, nichts bezahlt bekommen und dazu noch verhöhnt werden. Die Übersetzerin sagte der Mutter, dass der Bauer befragt wird. Aber als wir rausgingen, trafen wir unsere Bäuerin, die mit dem Fahrrad uns hinterher gefahren ist. Andere Gefangene haben ihr verraten, wo wir sind. Sie arbeiteten mit Mama auf dem Feld. Die Bäuerin schickte uns zurück, erzählte ihre Version und wie wir schon erwarteten, ist beim Starken immer der Schwache schuldig. So kamen wir ohne Ergebnisse zurück. Mama ging zurück aufs Feld, ich in die Küche. Plötzlich kam in die Küche der Bauer, sehr verärgert. Er fing an mich zu beschimpfen mit dreckigern Worten. Er hatte die Polizeiuniform an und eine Pistole. Er zog sie heraus und sagte zu mir: "Ich erschieße dich". Auf den Schrei kam die Bäuerin angelaufen, fasste die Pistole und schrie zu mir: "Schura raus". Dann erst lief ich raus und versteckte mich im Speicher. Abends fand mich mit Tränen in den Augen meine Mutter. Der Bauer tat nichts mehr. Damals erlitt die deutsche Armee auf allen Fronten Niederlagen. Ich glaube, daran wurde er von seinen Leuten erinnert.

Befreit haben uns die Amerikaner in April 1945. Darüber - wie, möchte ich nicht beschreiben, es dauert lange. Alle Deutschen hingen an ihren Häusern weiße Flaggen. Ein paar Tage später haben uns die Amerikaner auf ihre riesigen Autos gesetzt und über die Elbe zu unseren russischen Truppen gebracht. Dort wurden wir in Lager verteilt und mussten dort noch lange leben. Noch im Lager schrieb meine Schwester einen Brief zur Tante nach Hause. Sie bekam ihn auch. Zu der Zeit kam unser Vater von der Front nach Hause. Er war verletzt und auf zwei Krücken. Aber das Kriegskomitee schickte ihn trotzdem zur Arbeit in die erste Abteilung der Miliz. Daneben bekam er die Wohnung. Er schrieb uns, dass er uns von der Station abholt, das machte er auch.

Zur Zeit lebe ich auf der Krim. Meine Mutter und älteste Schwester sind verstorben. Die jüngste Schwester lebt in der Stadt Odessa. Ich bin Invalide der 2. Gruppe. Höre schlecht, sehe schlecht, habe kranke Arme und Beine. Bekomme 1474 Griven Rente. Ich besitze nicht mal einen einfachen Fernseher. Ich möchte Ihnen nicht klagen, schreibe aber die Wahrheit. Das Leben ist schwer. Was Ihre Organisation in Lüneburg angeht, bitte ich Sie, dass Sie sich um uns nach Ihren Möglichkeiten kümmern, uns helfen, unsere Sachen vorantreiben. Mir wurden 766 Euro für die Arbeit in Deutschland angerechnet, 266 Euro bekam ich auch nach fast 2 Jahren noch nicht. Meine Mutter bekam für ihre Arbeit in Deutschland gar nichts. Obwohl wir ihre Kinder sind, hätten wir ja auch ein Teil bekommen können. Die älteste Schwester bekam auch nichts, obwohl sie zwei Kinder hat. Das ist ungerecht und kränkend.

Ich wünsche Ihnen vom Herzen Erfolg und gute Perspektive. Möge der Herr Ihnen bei Ihrer guten Sache helfen. Also in kürze habe ich alles beschrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Servetnik Alexandra Iwanowna

Gunko Nikolai Alexejewitsch aus Prisowez:

Ich grüße Sie, verehrte Damen und Herren aus dem Verein der Antifaschisten!

Schicke Ihnen die Antworten der angebotenen Befragung.

1. Im Juni 1942 wurde ich auf Befehl des Arbeitsamtes der Stadt Ternopol zwangsweise aus dem Dorf Korschilow, Rayon Sborowski, Gebiet Ternopol nach Deutschland mitgenommen. Mit mir zusammen wurden 15 Jugendliche von 16 Jahren und älter aus dem Dorf Korneplow mitgenommen. In der Station im Dorf Mninowzi (Bahnhofstation Stadt Sborow) waren wir sehr viele, ein ganzer Militärzug. Wir wurden in die Waggons beladen und über die Stadt Lwow nach Deutschland gefahren.

2. Mit dem Zug aus Lwow bis Peremischel, über Krakow nach Hamburg. Aus dem Lager in Hamburg wurden ein junger Mann aus meinem Dorf und ich mit dem Auto nach Lüneburg zur Sägemühlenfabrik gebracht.

3. In der Sägemühlenfabrik waren die Ältesten der Vorgesetzte Johannes Kleibin, der Buchhalter Hernobe und der Territoriumsmeister (Vorarbeiter) Fritz Bowde.

4. Gelebt haben wir im Lager Jugendherberge im zweistöckigen Gebäude, im Gebäude des Gefängnisses jeweils 2 Personen im Zimmer. Essen gab es 2 mal am Tag, morgens und abends. Der Arbeitstag dauerte 8 Stunden, wenn nötig auch länger.

5. Das Verhältnis der Vorgesetzten zu uns war menschlich, sie ärgerten sich oder misshandelten uns nicht. Bekleidung wurde uns gegeben, aber keine neue. Medizinische Versorgung am Ort gab es nicht, aber in nötigen Fällen bekamen wir Überweisung ins städtische Krankenhaus, wo uns medizinische Versorgung gewährleistet wurde. Falls nötig, wurden wir von der Arbeit befreit. Im Wohnheim gab es Wasser und eine Gemeinschaftsküche, wo wir uns etwas warm machen konnten. Brot kauften wir für uns selber 0,5 kg. pro Tag, aber Suppe wurde uns gegeben.

6. (Arbeitstätigkeit:) Wir machten Vorbereitungen zum Schneiden auf dem Sägegatter. Die Arbeit war körperlich schwer: Ausladung, Einladung, Aufbereitung des Holzes per Hand. Der Arbeitstag dauerte von 9 bis 18 Uhr mit 15 Minuten Pause für das Frühstück. Urlaub bekamen wir nicht. Nach der Arbeit und am Samstag nach dem Mittagessen hatten wir Freizeit. Wir durften frei in die Stadt und zum Geschäft gehen. Ohne Begrenzungen durften wir Briefe nach Hause schreiben.

7. Bezahlt wurde uns von 30 bis 45 RM je nach erledigten Arbeit. Es reichte zum Lebensmittelkauf und Briefe schreiben nach Hause.

8. Wir lebten sehr freundschaftlich untereinander im Lager. Die einheimische Bevölkerung war sehr gelassen zu uns. Es gab keine extremen Ausfälle gegen uns.

9. Es gab auch keine Verstöße gegen die Arbeitsdisziplin von unserer Seite.

10. Nach dem 9. Mai 1945 kamen zu uns ins Lager russische Offiziere.

Aber zur Zeit spüre ich die Folgen der schweren Arbeit und die ausgehaltene Schwerkraft der Kriegszeit - habe Probleme mit der Gesundheit und warte ungeduldig auf die versprochene Entschädigung für die Arbeit in Deutschland, damit ich meine Gesundheit verbessern kann.

11. Ich erhielt ohne Probleme im Archiv des Gebiets Ternopolski Dokumente über den Aufenthalt als Zwangsarbeiter in Deutschland. Ich würde so gerne die Entschädigung für meine Arbeit bekommen, damit ich meine Gesundheit verbessern kann.

Mit freundlichen Grüßen

Gunko N.A.

Tisük Maria Galaktionowna aus Donezk:

Sehr geehrte Damen und Herren des Vereins VVN-BdA aus Lüneburg.

Ich habe Ihren Brief erhalten und mich entschlossen, Ihnen zu antworten.

Geboren bin ich 1937 im Gebiet Wolinski in der Ukraine. Meine Eltern verstarben noch vor dem Krieg. Meine Mutter starb, als ich noch nicht mal ein Jahr alt war. Mich verpflegten meine ältere Schwester und Vater. Wir waren vier Kinder, ich die Jüngste. Vor dem Krieg starb plötzlich auch unser Vater, so blieben wir Waisen. Während des Krieges starb unser Bruder in Folge einer Erkältung. Zwei ältere Schwestern wurden vermisst. So blieben wir zwei kleinere Kinder: meine Schwester Kristina, geboren 1933, und ich. Uns nahm zu sich in die Familie unsere Tante, Mutters Schwester Oksentschuk Kristina. Und als 1944 die deutsch-faschistischen Truppen zurücktraten, wurden wir und viele andere Bewohner des Dorfes, Familien mit Kindern zur Arbeit nach Deutschland mit dem Güterzug herausgefahren. Wir wurden in die Stadt Lüneburg gebracht und im Lager für die Ostarbeiter untergebracht. Dort befanden wir uns bis zum Kriegsende. Onkel und Tante arbeiteten in der Furnierfabrik. Meine Schwester Kristina und meine Kusine arbeiteten auf dem Territorium des Lagers: pflegten die Blumen, transportierten das Essen in den Fässern und erledigten andere Arbeiten. Da ich 7 Jahre alt und ein sehr kränkliches Kind war, befand ich mich im Lager mit genauso kleinen Kindern. Über welche Stationen wir nach Lüneburg gefahren sind, kann ich nicht wissen, denn Sie verstehen, ich war noch zu klein. Gefüttert wurden wir schlecht, aber verhungern ließen sie uns nicht. Die Arbeit der Erwachsenen wurde nicht bezahlt, sie arbeiteten für das Essen und den Unterhalt im Lager. Die deutsche Bevölkerung behandelte uns loyal. Ich erinnere mich an einen Fall, der uns Kinder anging. Es war Winter, draußen lag Schnee, wir Kinder liefen barfuß im Lager herum. Dann kam eine deutsche Frau und zog mir Kinderschuhe an.

War es denn erlaubt, in der Kriegszeit zu protestieren und die Arbeit zu verweigern? Natürlich nicht, die Menschen fürchteten sich.

Briefe in die Heimat hat keiner geschrieben. Es war schon Ende des Krieges. Uns befreiten die verbündeten Truppen. Nachdem der Krieg beendet war, wurden wir den Sowjetmächten übergeben, die uns dann in die Heimat schickten. Als wir ins Dorf zurückkamen, wurde meine Schwester Kristina ins Nachbarsdorf als Dienerin in eine reiche Familie vermittelt. Mich nahm in ihre Familie unsere andere Tante väterlicherseits, die nicht in Deutschland war. Kurze Zeit später wurde diese Familie, d.h. Onkel und Tante nach Sibirien geschickt, sie nahmen mich natürlich mit. Als wir im Gebiet Kemerowski nach Kusbas kamen, gaben sie mich in ein Kinderheim ab. Nach Onkels Worten wurde mein Nachname mit einem Fehler aufgeschrieben, deshalb bin ich bei Ihnen im Archiv als Tusük Maria aufgeschrieben, und in unseren Dokumenten unter dem Namen Tisük. Das ist alles gerichtlich geregelt.

Im Kinderheim beendete ich 8 Klassen, dann das Waldtechnikum.1962 zog ich nach Donbas, wo meine Schwester Kristina lebte. Ich arbeitete 36 Jahre, ging auf Rente. Mein Privatleben ist mir nicht gelungen, so lebe ich in Einsamkeit. Die Rente ist bei uns allen miserabel und reicht nur zur Bezahlung der Kommunedienste und sehr bescheidenes Essen. An die nötigen Medikamente kann ich gar nicht denken.

Das ist die Geschichte meines Lebens.

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und dafür, dass Sie die Geschichte nicht vergessen. Ich bitte Sie um Entschuldigung, falls ich etwas nicht korrekt beschrieben habe.

Mit freundlichen Grüßen

Tisük Maria Galaktionowna

Lisük Maria Wasiljewna Winkowezki aus Sinkiw:

Etwa in Juni 1942 wurde ich ... zwangsweise von zu Hause von der deutschen Polizei abgeholt. Ich war noch sehr jung. Zusammen mit paar anderen Frauen aus dem Dorf Sinkow wurde ich in die Station Dubaiwzi, dann mit dem Güterzug fest verriegelt ohne Licht und Wasser bis Peremischl ,Polen, gefahren, von dort weiter nach Lüneburg. Ich kann mich an die Stationen nicht erinnern. Wir wurden 7 Tage gefahren. Als wir in Lüneburg angekommen waren, wurden wir in irgendeinem Raum ohne irgendwelchen Komfort untergebracht.

Etwa 2-3 Tagen nach der Ankunft in Deutschland wurden wir alle in einer Reihe aufgestellt und ein Deutscher Namens Jankel wählte 10 Frauen aus, darunter auch mich. Wir wurden in einen Bus gesetzt und zur Knäckebrotfabrik gebracht. In der Fabrik angekommen, wurden wir auf dem Gelände der Fabrik auf einer anderen Etage untergebracht. Der Aufseher des Geländes war Friz Golok, sehr streng, und genauso streng war Natalia Kubiza.

Während der gesamten Zeit in der Fabrik wurden wir sehr schlecht gefüttert, manchmal bekamen wir gar nichts, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Bekleidet wurden wir auch schlecht, einmal pro Jahr gab es ein Kleid und ein Paar Holzschuhe. Die Medizinische Versorgung war auf dem niedrigen Niveau.

Ich arbeitete 12 Stunden am Tag, backte in der Nachtschicht Brot, es war moralisch und physisch sehr schwer. Freie Tage und Urlaub hatten wir nicht. Freie Stunden verbrachten wir unter Aufsicht. Selten schrieben wir Briefe nach Hause, weil es nicht erlaubt war. Neben der Fabrik am Fluss erholten wir uns. Wir bekamen keinen Lohn und die Deutschen sagten uns, wenn der Krieg zu Ende ist, würden wir Geld bekommen.

Das Verhältnis zwischen der deutschen Bevölkerung und uns Arbeitern war normal, kann ich freundschaftlich nennen. Ich lernte in der Fabrik eine Deutsche, Elsa Fraz, kennen. Sie half mir manchmal und brachte mir manchmal Äpfel und Tomaten. Das war sehr angenehm.

Ich arbeitete sehr schwer, Arbeitsverweigerung war nicht möglich.

Anfang 1943 wurden in die Fabrik Italienerinnen gebracht. Später wurde ich zum Bauern Karl Schreud ins Dorf Barnstedt gebracht. Dort blieb ich bis zum Kriegsende. Bei ihm erledigte ich verschiedene landwirtschaftliche Arbeit. Das verdiente Geld bekam ich nicht. Nur was zum Essen. Der Umgang zu mir war sehr schlecht.

Die Befreiung verging sehr fröhlich, darauf wartete ich die ganze Zeit, war jung und vermisste meine Familie. Es war sehr angenehm.

Ich bekam keine Dokumente vom Bauer, denn er hatte noch eine Fabrik in Hamburg. Dort arbeitete ein Meister ohne Finger, seinen Namen weiß ich nicht mehr.

Ich besitze Fotos der Zwangsarbeitszeit, 2 davon schicke ich ihnen. Auf dem Foto Nr. 1 bin ich drauf, auf der Nr. 2 bekannte Mädchen. Die restlichen Fotos habe ich behalten.

Bei der Begegnung mit Ihnen könnte ich mehr interessantes erzählen und lade Sie zu mir ein. Ich würde mich über ein Treffen freuen.

Als Ergebnis schwerer Arbeit in der Fabrik in Lüneburg verlor ich mein Sehen. Ich bin Invalide II. Gruppe. Ich sehe schlecht und habe schmerzende Beine, weil ich auf dem nassen Zementboden arbeitete. Meine Gesundheit verlor ich in Deutschland.

Ich bekomme eine sehr kleine Rente, es reicht nicht mal für ärztliche Behandlungen.

Mit freundlichen Grüßen Lisük M.B.

Dombrowski Karl Lüdwigowitsch aus Sewastopol:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Sie wenden sich an die Zwangsarbeiter, die während des 2. Weltkrieges nach Deutschland verschleppt wurden. Sie wenden sich an die ehemaligen Arbeiter, die in dieser Periode arbeiteten und lebten und bitten darum, den Aufenthalt und alles was wir Arbeiter in der schweren Zeit erlebten zu beschreiben. Bevor ich anfange bitte ich um Entschuldigung für das, was ich beschreibe und wie. Da ich niemals über solche Themen geschrieben habe, schreibe ich so wie es kommt in Kürze. Sie fragen wie und auf welchen Wegen ich nach Deutschland gekommen bin. Das ist ganz einfach: Ich wurde gezwungen, und ob man will oder nicht - es war eine andere Frage. Das war im April 1942 Alle Menschen, die nach Deutschland mussten wurden gewarnt. Im Falle des Ungehorsams - drohte Bestrafung. Alle die nach Deutschland mussten, wurden auf Gefährte geladen und zur Station Sakunaja gebracht, dort umgeladen und bis Jarmolinez, dann Gretschannaja, Ternopol, Lwow, Peremischel. In Peremischel saßen wir einen Tag, gingen in die Badeanstalt. Am zweiten Tag bekamen wir Trockenbrot. Weiter ging es nach Breslaw, Magdeburg, Leipzig und gestoppt wurde in Braunschweig, dort blieben wir 2 Tage, durften baden.. Nach dem Mittagessen kamen Autos. Wir wurden eingeladen und nach Unterlüß bei Celle, Gebiet Hannover gefahren. Unterlüß empfing uns mit offenen Armen. Wir wurden im Lager in einer Art Schaubude untergebracht und mussten am zweiten Tag zur Fabrik. Auf der Fabrik bauten wir die Artilleriegeschosse und Fliegerbomben. Zum Essen gab es einfach Suppe aus der Kochstube. Wir kamen zwischen 18 und 19 Uhr von der Arbeit, bekamen einen Teller Suppe und das war´s. Morgens vor der Arbeit bekamen wir 250 gr. Brot. Das war für Frühstück als auch Abendbrot. Wir hatten keine Freizeit, durften auch nicht vom Lager rausgehen. Wir bekamen auch keinen Urlaub. Im Lager Unterlüß blieb ich bis April 1943. 11 Jungs und ich wurden nach Lüneburg zur Firma "Wilhelm Goltermann" geschickt. Dort wurde der Eisenbahnweg zur chemischen Fabrik des Konzerns "IG Farben-Industrie" gebaut im Dorf Embsen, 7 km von Lüneburg entfernt. Ich arbeitete 1 Jahr in Embsen, dann wurde unsere Firma ins Dorf Neukirchen überführt, um eine Eisenbahnlinie zu bauen. Die Firma "Wilhelm Goltermann" baute dort einen Eisenbahnzweig und einen Ausladeplatz. Wir wurden dorthin überführt, bauten für uns Holzbaracken und lebten am Arbeitsplatz im Lager Heideland. In Neukirchen wurde für uns irgendeine Suppe gekocht, in Töpfe gefüllt und ins Lager gebracht. Der Fabrikvorsitzende sorgte sich um uns.

Sie fragen, wie wir mit den Deutschen lebten. Ich kann sagen sogar ausgezeichnet. Mit uns zusammen arbeiteten meistens Männer im höheren Alter. Wir arbeiteten freundschaftlich und gerne.. Die Deutschen behandelten uns gut und wir hatten niemals einen Streit. Die Deutschen sind hochdisziplinierte Menschen und es gab kein einziges Mal etwas Unklares. Untereinander waren wir keine Feinde, obwohl unsere Staaten kämpften.

Ich erzähle Ihnen einen Fall. Als wir noch in Embsen arbeiteten, erkrankte ich und hatte ein Geschwür am Hals. Im Lager befand sich ein Roter Kreuz Punkt. Dort arbeitete als Arztgehilfe ein noch junger Mann. Als ich mich an ihn wandte, überwies er mich nach Lüneburg zum Chirurgen. Niemals vergesse ich seine menschliche Behandlung zu mir. Als ich reinkam, saßen 14 Leute und warteten, Frauen und Männer. Als die Arzthelferin meine Überweisung nahm und zum Arzt ins Zimmer ging, kam der Arzt selbst raus und nahm mich mit ins Zimmer, obwohl ich als letzter an der Reihe war und auch noch ein Russe. Niemand von den Kranken sagte auch ein Wort. Die Deutschen haben einen hohen Verstand und sind sehr kulturelle Menschen.

Sie fragen, worin meine Arbeit bestand: Ich errichtete den Erddamm, der dann als Eisenbahndamm für das Gleis/die Schienen benutzt wurde. Kurz gesagt, montierte ich den Eisenbahnzweig.

Der Arbeitstag dauerte 8 Stunden. Ich arbeitete nur in einer Schicht.

Wie ich schon schrieb, war unser Verhältnis mit den deutschen Arbeitern normal, auch mit der deutschen Bevölkerung. Es gab keine Ausgrenzungen zu uns Ostarbeitern.

Meine Rente beträgt 162 Griven im Monat.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bitte Sie darum mir zu helfen, das mir zustehende Geld von nationalen Fond "Verständigung und Aussöhnung" zu bekommen, das noch nicht ganz ausgezahlt wurde aus der versprochenen Summe. 95 % laut der zustehenden Schuld. Sehr geehrte Damen und Herren, entschuldigen Sie mich bitte, dass ich Sie mit dieser Bitte belästige, aber ich hoffe auf Ihr Mitgefühl und Ihre menschliche Teilnahme.

Ich hoffe, Sie leisten mir diese Hilfe.

Ich bedanke mich bei Ihnen im Voraus für Ihre Aufmerksamkeit! Ich werde vom ganzen Herzen für Ihre Hilfe, Ihrer Gesellschaft für die große Arbeit, die Sie erledigen dankbar sein.

Ich wünsche Ihnen allen Wohl, Gesundheit, Glück und Erfolg in Ihrer edelmütigen Arbeit!

Belij Michail Dmitrijewitsch aus Odessa:

Sehr geehrte Mitarbeiter des Vereins der Antifaschisten, Lüneburgs politisch administrative Personen!

Ich beantworte Ihren Brief, bin Ihnen dafür sehr dankbar und warte ungeduldig auf Ihre Hilfe.

1. Ich, Belij Michail Dmitrijewitsch, geboren am 17. November 1926, wurde im Oktober 1942 aus der Stadt Golaja Pristan im Gebiet Chersonski von den okkupierten Mächten ins faschistische Deutschland verschleppt, zuerst in die Stadt Cherson, dann in den Güterwaggons auf der Eisenbahn nach Deutschland unter der Begleitungsmannschaft der deutschen Soldaten.

2. Wir wurden nach Deutschland gebracht in ein Lager im Wald, daneben befand sich ein Lager für die Kriegsgefangenen. Den Namen dieser Gegend habe ich vergessen. Dort sollten wir Quarantäne bekommen. Wir lebten in den Holzbaracken auf den dreistöckigen Betten. Wir wurden nicht ernährt und nicht medizinisch behandelt.

Anfang November 1942 arbeitete ich in der Zuckerfabrik in Uelzen während der ganzen Periode der Bearbeitung der Zuckerrübe.

Im März 1943 wurde ich per Auto nach Lüneburg gebracht zur Fabrik der industriellen Isolierung.

Die Arbeiter lebten im Territorium der Fabrik in den Baracken, umgrenzt mit metallischen Gittern auf Fenstern und Türen und dem Stacheldraht. Wir arbeiteten 12 Stunden am Tag ohne Wochenenden, ohne Lohn. Die Ernährung war sehr ärmlich. Die Bedingungen waren schwer und schädlich: Der Asbeststaub setzte sich in die Lungen.

Auf der Bekleidung stand das Standardschild "OST". Arbeitsbekleidung bekamen wir nicht, mussten unsere Lumpen tragen.

Dann arbeitete ich in der Salzfabrik. Genauso 12 Stunden Tag und Nacht, machte physisch schwere Arbeit, das verlangte die Produktion. Die Arbeiter wohnten in der Nähe der Fabrik in der Stadt im ehemaligem dreistöckigen Gefängnis. Zur Arbeit gingen wir zu Fuß. Die medizinische Versorgung fehlte. Der Kommandant im ehemaligen Gefängnis, in welchem wir wohnten, war ein Belgier, und er verprügelte ohne jegliche Gründe die Arbeiter.

5. Ich wiederhole: Das Essen war ärmlich, die medizinische Versorgung fehlte, wir trugen unsere mitgebrachte Sachen, unsere Lumpen, aus denen wir rausgewachsen waren, denn als wir kamen waren wir noch Heranwachsende. Wir lebten in den Räumen ohne Betten, ohne Bettzeug, schliefen auf dem Boden hungrig, müde, eng aneinander gehäuft.

6. Die Arbeit war sehr dreckig, physisch schwer, was der Meister befahl machte ich auch, d.h. Ausladung- Einladung der Ware, Wegräumen, immer in 2 Schichten je 12 Stunden nachts oder am Tage. Wir hatten niemals Urlaub, Wochenende. Die Freizeit verbrachten wir in unseren bewohnten Räumen und durften nicht in die Stadt gehen.

Ich schrieb nach Hause Briefe, aber meine Mutter bekam nicht alle.

7. Sehr selten gab mir der Meister 3 RM in der Woche, die ich für das Brot ausgab. Die Arbeit wurde nicht bezahlt.

8. Wenn wir draußen Kabel verlegten, warf uns die deutsche Bevölkerung aus Fenstern Butterbrote. Eine deutsche Frau reichte mir ein Honigglas, aber die Wache schoss gleich und verbot uns zuzufüttern. Die deutschen Arbeiter kamen an das Territorium, wo wir lebten und sangen uns Lieder in Begleitung der Ziehharmonika. Das waren Freundschaftskonzerte.

9. Einmal empörte ich mich über die Ungerechtigkeit des Meisters, der mich ins Gesicht schlug und holte zum Schlag mit dem Spaten aus. Dann musste ich ins Lüneburger Gefängnis für 3 Monate. Dann war ich 6 Monate im Straflager in Wilhelmsburg und kam in Juni wieder zurück nach Lüneburg. Ich arbeitete bis zur Befreiung der amerikanischen Truppen auf der Eisenbahn Lüneburg-Soltau. Das war nach meiner Erinnerung von Juni 1944 bis April 1945. Mit der Reparaturmannschaft wechselte ich die Schwellen.

10. In die Heimat bin ich durch Weißrußland Stadt Wolkowsk Gebiet Grodnenski zurückgekehrt durch ein Filtrierungslager KGB-UdSSR. Ich kam in die Heimat im August 1945 und arbeitete als Heizer des harten Brennstoffs.

Im Jahre 1945 erkrankte ich an Tuberkulose und wurde intensiv 10 Jahre therapiert. Ich ertrug eine zweiseitige Tuberkulose, schon in der Phase des Zerfalls.

Zur Zeit werde ich von den Ärzten in der Antituberkulosefürsorgestelle beobachtet .

Ich gehe auf Krücken und bin Invalide II. Grades.

Sehr geehrte Herren, ich bitte Sie darum, sich bei den Organisationen, wo ich in Lüneburg arbeitete, für mich einzusetzen, dass sie mir mein Gehalt für die Überstunden, Wochenenden, Nachtschichten auszahlen in Berücksichtigung dessen, dass ich, ein Minderjähriger, wie ein Erwachsener arbeiten musste.

Ich bitte Sie darum, in Soltau wegen der Versicherung nachzufragen und zu klären, ob sie mein Gehalt in den Pensionsfond der oben genannten Organisationen überwiesen haben.

Zur Zeit bekomme ich eine Rente, die niedriger als das Existenzminimum ist und benötige eine ständige Pflege.

Mit freundlichen Grüßen

Belij M.D.

Siliwerst Antonina Grigorjewna aus Poltawa:

Guten Tag, sehr verehrte Herren in Deutschland!

Ich kann es Ihnen nicht beschreiben, mit welcher Aufregung ich Ihren Brief gelesen habe. Kaum zu glauben, dass es Menschen gibt, die sich mit der Vergangenheit Deutschlands befassen. Ich bin so aufgeregt, dass ich nicht weiß, worüber ich zu schreiben anfangen soll.

Ich beantworte in Kürze Ihre Fragen.

Vor zwei Jahren las ich in der Zeitung, dass es in einer deutschen Stadt solche Organisation "Verständigung und Aussöhnung" gibt, die ehemals Gefangenen in Deutschland befragt. Ich schrieb nach Lüneburg, weil ich dachte, dass bei Ihnen auch so eine Organisation "Verständigung und Aussöhnung" existiert, aber der Brief kam zurück.

Nun beantworte ich ihre Fragen, woran ich mich erinnern kann.

Abgeholt wurde ich von den Deutschen. Von der Station Poltawa wurden wir in die Güterwaggons beladen mit je 40 Menschen. Jeder Waggon hatte einen Aufseher. Uns wurden keine Stationsnamen genannt, und wir saßen einer neben dem anderen auf dem Boden, die Fenster waren an der Decke des Güterwaggons. Ich kann mich nur daran erinnern, dass der Zug einen ganzen Tag lang in der Stadt Warschau gestanden hat, dann wurden wir erst in Lüneburg ausgeladen. Ein Teil der Menschen wurden von den Bauern mitgenommen, wir 160 Menschen Frauen wurden zur Furnierfabrik Namens "Ibus" gebracht. Vielleicht gibt es sie auch noch heute, würde ich gerne wissen. Untergebracht wurden wir in den Holzbaracken auf zweistöckigen Holzbetten mit Spankissen und -matratzen. Jeder hatte seinen eigenes Schränkchen. Gefüttert wurden wir ganz schlecht. Für den Tag gab es 150 gr. Brot und 20 gr. Margarine, als Gekochtes gab es einmal am Tag Steckrübe, Spinat und manchmal Kartoffel mit Schale. Die Arbeit war nicht schwer. Ich arbeitete an der Drechselbank und zerschnitt das Furnierholz in verschiedene Stärken. Wenn ich zur Arbeit kam, stempelte ich die Karte und auch wenn ich ging. Urlaub hatten wir nicht, selten Wochenenden. Das Gehalt wurde uns gezahlt monatlich, aber das benötigten wir nicht, weil wir nichts für die RM kaufen konnten. Wir waren gezwungen, Kartoffeln zu stehlen. 2 mal wurde ich dabei erwischt. Einmal bin ich weggelaufen, das andere mal hat mich der Bauer verprügelt. Ich spüre es immer noch in meinem Rücken. Wir durften zu fünft in die Stadt gehen mit dem Schild "OST". Die deutsche Bevölkerung behandelte uns normal. Sie fragen, ob wir protestierten. Ich beschreibe einen Vorfall: Uns wurde Grießbrei gekocht mit ganz wenig Grieß darin, keiner wollte das essen. So hat unser gemeiner Chef eine Frau an der Kehle gefasst und fragte sie: "Was ist das?". Sie antwortete: "Wasser". Er drückte immer mehr die Kehle zu bis sie sagte "Suppe".

Ich schrieb 2 Postkarten nach Hause, bekam nur eine zurück und so wurde es beendet.

Zur Zeit bin ich krank und 78 Jahre alt. Ich würde so gerne noch mal die Orte sehen, wo meine verdorbene Jugend vergangen war. Ich wollte so gerne lernen, als ich in die Heimat zurückkehrte, aber ich wurde als Feind gezählt. So arbeitete ich 44 Jahre, bekomme eine geringe Rente und kaufe für die Hälfte Medikamente.

Ich bin Ihnen sehr für Ihren Brief dankbar und wünsche Ihnen, dass Ihre Kinder niemals in die Gefangenschaft kommen. Ich drücke Ihre Hände, liebe Freunde.

Mit herzlichen Grüßen

A. Siliwerst, Mädchenname Sidak

Kriwij Sergej Iwanowitsch aus Chmelnitzki:

Meine Eltern wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland ausgefahren. Vater Kriwij Iwan Gerasimowitsch, Mutter Tscherwenko (Kriwa) Dunja Leontjewna. Ich wurde in Deutschland geboren was ich Ihnen auch in der Geburtsurkunde bestätige.

Geburtsurkunde:

Der Bürger Kriwij Sergej Iwanowitsch wurde geboren am 28.06.1944 achtundzwanzigster Juni neunzehnhundertvierundvierzig im Ort Gienau heute Ort Dahlenburg, Gebiet Deutschland, was im Geburtsbuch des Kollektivs der bürgerlichen Organisation eingetragen ist. Am 16. September 1961 wurde das unter der Nr. 316 eingetragen.

Die Eltern:

Vater: Kriwij Iwan Gerasemowitsch, Ukrainer

Mutter: Kriwa Dunja

Ort der Registrierungsabteilung der bürgerlichen Organisation ist Rayon Chmelnitzki, Justizverwaltung.

Datum der Ausgabe ist 27. März 2001

Vorsitzende der Eintragungsabteilung des Kollektivs der bürgerlichen Organisation Katerintschuk W.S. Unterschrift Stempel

I-BW Nr. 088554

Glaskowa Smosarenko Nadeshda Pawlowna aus Kowantschik:

1.Ich ... wurde 1943 aus der Stadt Poltawa vom bewohnten Punkt Gwosdikow von den deutschen Okkupierten nach Deutschland mitgenommen.

2. Wir wurden mit dem Militärzug über die Stadt Kiew nach Lüneburg gefahren.

3. Nach der Ankunft auf der Station wurden wir auf Nachfrage der Arbeitgeber verteilt. Ich wurde vom Ältesten des Dorfs, Herrn Wendiwenz, zu sich für die landwirtschaftliche Arbeiten mitgenommen.

4. Der Hausherr hatte für die Bediensten spezielle Zimmer. Mit mir waren noch ein Arbeiter Pole und ein deutsches Dienstmädchen.

5. Gefüttert und bekleidet haben uns die Bauern, die Hygienebedingungen und die medizinische Versorgung waren befriedigend.

6. Wir erledigten alle landwirtschaftlichen Arbeiten. Der Arbeitstag war unbegrenzt. Wir hatten Wochenenden und Feiertage.

7. Die Arbeit wurde nicht bezahlt.

8. Der Bauer erlaubte mir, mich mit anderen Arbeitern, die mit mir zusammen verschleppt waren, zu verabreden. Das Verhältnis zu uns war freundschaftlich, mit der deutschen Bevölkerung befriedigend.

9. Welche Arbeitsverweigerung kann es bei der Zwangsarbeit geben? Natürlich keine.

10. Befreit haben uns die Engländer und die Amerikaner, fuhren uns mit den Autos zum Auflösungspunkt und schickten uns mit dem Militärzug nach Hause. Ich verspürte keine Folgen auf mein weiteres Leben. Aber heute ist es für mich etwas Schreckliches.

11. Ich bekam Dokumente für diese Periode. Ich hätte gerne noch mal den Ort wo ich war, besucht, aber bin schon sehr alt und krank.

Ich bedanke mich bei der deutschen Regierung für die materielle Unterstützung.

Glaskowa Nadeshda

Dubnjak, Maria Ulpovna aus Kirowe:

Ich, geboren 1925, wurde im Mai 1943 nach Deutschland verbannt. Ich wurde zur Zwangsarbeit verbannt aus Paltava, Station Paltava - Süd. Wir wurden in Güterwagons transportiert. In jedem Waggon waren zwei Polizisten, die uns bewachten. Im Zug bekamen wir nichts zum Essen, aßen nur das, was wir dabei hatten. Durch welche Stationen wir transportiert wurden, wussten wir nicht, denn wir durften aus den Waggons nicht raus. Von der Station, wo wir angekommen sind, hat uns der Fabrikbesitzer abgeholt. Wir wurden in einem Lager untergebracht. In den Baracken standen zweistöckige Schlafholzbänke. Geschlafen haben wir auf Matratzen und Kissen aus Stroh, haben uns mit dünnen Decken zugedeckt. Das Verhältnis zu mir war normal, meine Nummer war 155.

Uns wurde Essen gekocht. Pro Tag bekamen wir 100gr. Brot, morgens Kaffee, zum Mittag Suppe aus Weizenreste, manchmal mit Maden, abends Kaffee.

Am Sonntag: Kaffee; mittags: Kartoffeln mit einem kleinen Stückchen Fleisch; abends: Kaffee. Ich habe meine eigenen Sachen getragen, weil uns keine Kleidung erteilt wurde.

Bei Krankheiten wurde der Arzt gerufen. Ich hatte ein Geschwür am linken Arm, es wurde der Arzt gerufen und ich bekam drei Tage frei und Medikamente.

Ich arbeitete in einer Fabrik, wo es große Öfen gab, in dem ich Sperrholz trocknen musste. Danach haben wir das Sperrholz aus den Öfen rausgenommen, mit Leim geschmiert und unter die Presse geschoben. Diese Produktion war für Flugzeug- und Schiffsbau.

Der Arbeitstag ging von morgens bis abends. Ich habe jeden Tag Holz gepresst. Freie Tage und Urlaube hatte ich nicht. Die freie Zeit verbrachte ich meistens in der Baracke. Uns wurde erlaubt Briefe nach Hause zu schreiben. Ich habe nicht geschrieben, weil ich Analphabetin war und auch Papier zum Schreiben gab es nicht. Wir haben sehr wenig Lohn bekommen, ich weiß nicht mehr wie viel. Wenn wir in die Stadt gehen dürften, immer fünf zusammen, konnten wir für dieses Geld nur Steckrüben kaufen. Wenn jemand geklaut hat und erwischt wurde, ist dieser verschwunden und keiner wusste wohin. Ich habe nicht geklaut, denn ich hatte Angst geschlagen zu werden. Arbeitsverweigerungen gab es meinerseits nicht, denn ich hatte Angst geschlagen zu werden.

Befreit wurden wir durch die Engländer und Amerikaner am 5. Mai 1945. Wir wurden aus den Baracken abgeholt und am Fluss Elbe untergebracht. Dort lebten wir einen Monat. Nachdem ich ausgeruht habe, arbeitete ich auf den Feldern. Nach der Weizenerntezeit wurden wir zur Bahnstation gebracht und in Güterwaggons nach Hause geschickt. Geld heben wir nicht bekommen. Gekleidet war ich in den gleichen Sachen, wie auch bei der Verbannung nach Deutschland. Beweisende Dokumente, dass ich in Deutschland gewesen bin, habe ich nicht bekommen.

Ich wünsche, dass es nie wieder Krieg gibt und Frieden in der ganzen Welt herrscht. Damit wir, unsere Kinder, unsere Enkel im Frieden leben.

Ich wünsche mir Geld, damit ich das Wasser, Gas, Strom bezahlen kann.

Ich möchte eine materielle Entschädigung für die 2 Jahre der Zwangsarbeit in der Fabrik.

Auf Wiedersehen

Lagan Olga Klimiwna aus Ilnivzi:

Sehr geehrte Mitglieder des Lüneburger Vereines!

Ich wurde 1917, am 16. April geboren.

Am 24. Juni 1942 wurde ich zur Zwangsarbeit nach Deutschland verbannt. Der Vorgesetzte des Dorfes Lagan, Fjodor Antonowitsch, kam am 23. April zu mir und sagte, ich müsse nach Deutschland fahren.

An diesem Tag wurden 42 junge Menschen zusammengerufen und mit Pferdekutschen zur Bahnstation Lechowzi gebracht, wo wir 2 Tage im Gebäude der Schule festgehalten wurden und danach mit einem Güterzug nach Lüneburg gebracht wurden.

Wir wurden auf den Bahnhofsvorplatz gestellt, wo Deutsche mit Autos und Traktoren angefahren kamen und uns für ihre Arbeiten ausgesucht haben.

In das Dorf Amlenburg (Artlenburg?) kamen 8 Mädchen aus meinem Heimatdorf Ulchowzi, Rayon Teofipolski, Gebiet Chmelnizkie.

Ich kam zum Dorfpastor Otto Knorr. Er hatte eine Frau und drei Kinder (zwei Jungen, und ein Mädchen). Vom ersten Tag an bis zum letzten gab es gutes Essen, die Kleidung hat mir die Hausherrin auch gegeben.

Die Arbeit begann um 6 Uhr und endete um 20 Uhr. Es gab keine freien Tage. Nach Hause habe ich Ende 1943 drei Briefe geschrieben, vorher hatten wir keine Erlaubnis dafür. Von Zuhause habe ich auch drei Briefe erhalten.

Für die Arbeit wurde man erst ab 1943 bezahlt, 15 Mark im Monat.

Die deutsche Bevölkerung hat mich nicht beleidigt, allerdings bin ich auch nirgendwohin rausgegangen, war nur im Haushalt tätig. Gegen die Arbeit habe ich mich nicht geweigert, habe immer fleißig gearbeitet, habe es als meine Pflicht angesehen.

Befreit wurde ich durch die Engländer am 17. April 1945.

Ich kam mit meinen Freundinnen zu den russischen Soldaten, die uns nach Ostpreußen zu Helferarbeiten schickten. Nach Hause bin ich am 18. November 1945 gekommen. Ich hatte keine Beweispapiere, dass ich zwangsbeschäftigt war.

Nur das Gebietsarchiv Stadt Chmelnitzk hat mir eine Bescheinigung ausgestellt, dass ich tatsächlich zur Zwangsarbeit nach Deutschland verbannt wurde.

Jetzt bin ich eine alte Frau, meine Rente ist minimal. Wenn die politisch aktiven Leute der Stadt Lüneburg bereit wären, mir etwas Geld für die Medikamente zukommen zu lassen, wäre mir sehr geholfen. Um mehr bitte ich nicht.

Ihnen einen Dank für die Aufmerksamkeit für uns.

Seminowitsch Philipp Philippov aus Krasnij Lutsch:

1. März 1942, Gebiet Rovenskij, Radon Beresnovskij, Dorf Natalia. Wurde von der ukrainischen Polizei festgenommen.

2. Mit dem überfüllten Güterzug, dass alle stehen müssten: Stadt Kostopol - Stadt Rovno - Stadt Kovel - Stadt Brest - Stadt Warschau - Stadt Torun - Deutschland - Stadt Magdeburg.

3. In Magdeburg im Konzentrationslager - 15 Tage, danach mit Lastwagen in das Lager Lüdershausen. Vom Lager zu dem deutschen Arbeitgeber Dieter Piter.

4. Untergebracht wurden wir in den Räumen einer ehemaligen Schule. Wir schliefen auf Holzliegen, die Matratzen und Kissen waren mit Stroh gefüllt, Bettwäsche gab es keine. Wir waren 19 Personen.

5. Essen haben wir vom Arbeitgeber bekommen - in der Sommerzeit 5 Mahlzeiten, in der Winterszeit 4 Mahlzeiten. Als meine Hose abgenutzt wurde, gab der Arbeitgeber mir seine, die 8 Größen größer war. Dies war meine einzige Hose. Medizinische Versorgung: Einmal im Monat wurde uns Salbe gegen Läuse aufgetragen. Im Falle einer Krankheit ist man im Lager geblieben, bis man wieder gesund war, ohne medizinische Hilfe.

6. Landwirtschaftliche Arbeit.

Von 7.00 morgens bis 19.00 abends, am Sonntag frei. Urlaub gab es nie. In der freien Zeit durften wir im Fluss baden. Nach dem ersten Jahr der Beschäftigung durften wir manchmal Sing- und Tanzabende veranstalten.

Da man kein Geld besessen hat, konnte man keine Briefmarken kaufen. Außerdem musste man die Briefe in der Verwaltung beglaubigen lassen, was ein großes Problem war. Also konnte man Briefe nach Hause nur über die polnischen Freiwilligbeschäftigten schicken.

7. Es gab keinen Lohn für die Arbeit. Nur einmal in den 3 Jahren machte der Arbeitgeber zu Weihnachten Geschenke - 20 Mark, Wollsocken und 2 Äpfel.

8. Die Beziehung zwischen den Zwangsarbeitern und der deutschen Bevölkerung war normal.

9. Es gab keine Arbeitsverweigerungen von meiner Seite: Bestrafung - Konzentrationslager.

10. Im April 1945 haben englische Soldaten uns befreit, schickten uns über Zwischenstationen nach Hause. Sehr lange waren wir in Wesenberg, danach in Gomel, Baranowichack. Erst am 3. September kam ich nach Hause.

11. Die Unterlagen habe ich bekommen. Danke für die Aufmerksamkeit und Klärung der Frage nach meinen physischen und psychischen Schäden in der Zeit vom März 1942 bis September 1945.

Ich glaube in einer absehbaren Zeit auch eine, von Ihrem Staat festgesetzte, finanzielle Hilfe hinzuzubekommen.

Semjonowitsch, Philipp Philippovitsch

Sapisotschnij, W. I. aus Naliwajka:

Während des Krieges wurde ich, sowie weiteren 96 Personen, im Februar 1943 aus dem Dorf Mitki verschleppt. Wir wurden in der Schule versammelt, danach mit Pferdekutschen zur Bahnstation Solotonoscha gebracht. Mit dem Zug ging es nach Deutschland. Wir wussten weder welche Strecke wir fuhren, noch den Grund der Verschleppung. Klar

war nur, es geht nach Deutschland. Inzwischen weiß ich, dass wir nach Lüneburg gebracht wurden. Drei Lüneburger brachten uns, 9 Personen männlichen Geschlechtes in das Dorf Tripkau. Wohin die Frauen gekommen sind und wie, wussten wir nicht.

Wir wurden bei einem Landwirt im Kuhstall untergebracht. Da standen 3 Schlafbänke: Betten aus Brettern. Nachts wurden wir eingeschlossen, am Morgen wurden wir den Landwirten zugewiesen. Von da an wussten wir, wo wir leben und von morgens bis abends arbeiten werden. Abends wurden wir im Lager eingeschlossen, morgens aufgeschlossen, damit wir zu unseren Arbeitgebern gehen. Das Verhältnis zu uns war unterschiedlich, sowie es auch unterschiedliche Arbeitgeber - reiche, arme - und Tätigkeiten gegeben hat. Ich musste unterschiedliche Tätigkeiten ausüben. Was ich verdient habe, kann ich nicht sagen, denn oft musste ich Geldstrafen bezahlen, z.B. an die Polizei, wenn ich nach 21.00 Uhr angetroffen wurde oder an den Arbeitgeber, wenn ich während einer Nachtkontrolle nicht am Schlafplatz war. Somit hatte ich oft in einem Monat so viele Geldstrafen, dass ich überhaupt kein Geld bekam. Wir haben schwer und viel, von morgens bis abends, gearbeitet, ohne freie Zeit zu haben, um irgendwohin zu gehen. Briefe oder Postkarten durfte man nach Hause schreiben. Ich habe 3 Briefe von Zuhause bekommen. Wo wir untergebracht wurden, wurde die Befreiung durch amerikanische Soldaten vorgenommen. Die haben uns, Ausländer, zu einer Fähre gebracht, wo wir zugeordnet wurden: Polen zu den Polen, Russen zu den Russen, Franzosen zu den Franzosen.

Wir kamen zu den Russen. Wir waren jung und kamen zum Wehrdienst, demobilisiert wurden wir 1947. Als ich nach Hause kam, herrschte Hunger und ich ging in die Kolchose arbeiten.

Als ich beim Arbeitgeber arbeitete, lebte ich bei ihm in einem Zimmer im Keller. Im Winter waren die Wände mit Schnee beschlagen. Ich hatte dieselbe Decke, mit welcher auch eine Kuh gegen Frost bedeckt wurde. Zusätzlich habe ich mich mit meinem Mantel zugedeckt. Die Matratze war mit Stroh gefüllt. Ich weiß, andere hatten sogar Federbetten, aber ich hatte das nicht. Ich habe meine Füße nassgemacht und sie unter dem Körper versteckt, so sind die Socken bis zum nächsten Morgen getrocknet. Ich möchte Ihnen möglichst viel erzählen. Vielleicht kann ein Korrespondent mich besuchen und mir Fragen stellen, dann würde mir vielleicht mehr einfallen. Natürlich möchte ich auch die Plätze besuchen, wo ich mal gewesen bin, besonders "Tripkau ", aber ich habe keine Ressourcen dafür.

Schreiben Sie mir bitte, wie ich es am besten machen kann. Ich habe in Deutschland beim Arbeitgeber Wilhelm Selbing, Dorf Tripkau, Kreis Lüneburg, in der Nähe der Elbe, Bezirk Hannover gelebt. Vielleicht könnten Sie uns beweisende Papiere rausschicken, dass wir in Tripkau gewesen sind. Auf dem Foto können Sie sehen, die Nummer meines Kameraden war 96, meine war 97. Ich wünsche, Sie könnten mir eine finanzielle oder materielle Hilfe zukommen lassen, denn ich bin schon alt, möchte aber noch leben und arbeiten. Vielleicht konnten Sie mir auch einen kleinen Gartentraktor schicken, damit ich mein Gründstück mechanisch bearbeiten kann. Bitte helfen Sie mir, dem Alten.

Sapisotschnij, W. I.

Siwak Vira Timofiewna aus Ternopilsk:

1. Wurde 1942 von deutschen Eroberern, den deutschen Gemeindevorstehenden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verbannt.

2. Kam nach Lüneburg im Güterzug an. Habe keine Papiere gesehen, war im Zug eingesperrt.

3. Wurde zum Arbeiten in die Fabrik Ibus geschickt. Habe Sperrholz gepresst.

4. Haben alle in Baracken gelebt. Die Lebensbedingungen waren nicht gut, harte Disziplin, wir befanden uns unter Bewachung von bewaffneten Soldaten.

5. Die Ernährung war schlimm: Steckrüben, Grützesuppen. Wurden sehr schlecht gekleidet. Die hygienischen Verhältnisse und die medizinische Versorgung fehlten.

6. Die Arbeit bestand daraus, Sperrholz zu pressen. Der Arbeitstag: 10-12 Stunden, haben in Schichten gearbeitet. Freie Tage gab es nicht regulär. Die freie Zeit haben wir in den Baracken verbracht. Briefe nach Hause dürfe man schreiben.

7. Die Arbeit wurde zweimmal im Monat entlohnt, von 4 bis 9 Mark.

8. Die ukrainischen Arbeiter haben sich freundlich zueinander verhalten. Mit der deutschen Bevölkerung hatten wir keine Verhältnisse, obwohl die deutschen zivilen Arbeiter sich uns gegenüber positiv verhalten haben.

9. Die Arbeit wurde nicht besprochen. Seitens der Ostarbeiter gab es keine Widerstände. Nicht in der Fabrik, wo ich gearbeitet habe, für die anderen kann ich nicht sprechen.

10.Befreit haben uns die englischen Soldaten. Der Sammelpunkt war im Dorf Tespe. Wurden über den Fluss Elbe transportiert. Die Bedingungen des Gelangens in die Heimat waren sehr schlimm. Viele sind unterwegs nach Hause ums Leben gekommen.

11. Die Lebensbedingungen in der Verbannung haben sich negativ auf meine Gesundheit ausgewirkt. Bin stark herzkrank, habe Erkrankungen des Nervensystems. Ich bin fürs ganze Leben allein geblieben und Schuld daran hat die Verbannung zur Zwangsarbeit nach Deutschland.

Das Zusammensuchen der Dokumente für die Entschädigung aus Deutschland war sehr schwer. In diesem Alter in das Gebietszentrum zu fahren geht mit meiner Gesundheit nicht mehr. Niemand schenkt mir Aufmerksamkeit. Sehr schwere Zeiten herrschen in unserer Ukraine zurzeit.

Wünsche: Ich wünsche allen Menschen auf der Erde einen friedlichen und sauberen Himmel über den Kopf und das niemals die schweren Jahre des Krieges sich wiederholen.

Möchte sehr gerne nach Lüneburg kommen, um die Lebensbedingungen heute zwischen Deutschland und Ukraine zu vergleichen.

Siwak, Vira Timofiewna

Silina Natalja Awerjanow aus Donezk:

Sehr geehrte Herren!

Als Antwort auf die gestellten Fragen erläutere ich Folgendes: Im Frühjahr 1942 war ich zusammen meinen Verwandten in das Dorf Wopowo, Rayon Pokrovskij, Gebiet Orlovsk zu meiner Großmuter unterwegs. Aber ca. 50 km vom Dorf meiner Großmuter entfernt wurden wir von deutschen Soldaten angehalten. Da verlief die Frontlinie. Mir, 17-jährig, und meiner 16-jährigen Nichte riefen die Soldaten zu: "Komm! Komm!" Sie haben uns in Güterzüge gesteckt, die schon voll Menschen aus anderen Dörfern waren. Ein paar Tage wurden wir transportiert, ohne umsteigen zu müssen. Ich kann mich nur an eine Haltestelle erinnern - Stadt Lwow.

In Lüneburg wurden wir in einem ehemaligen Gefangenenlager untergebracht. Nach 2 Tagen kam der Ingenieur Michelson aus der Fabrik Leja und suchte uns, 6 Mädchen, aus, die er in die Unterkunft auf dem Gelände der Fabrik brachte. Der Meister erklärte mir die Arbeit an der Drehermaschine, außerdem musste ich Waggons mit

Metallbalken, dicken Balken, Metallstücken entladen. Wir haben in einer Schicht gearbeitet, 8 Stunden am Tag, 6 Tage in der Woche. Neben der Arbeit an der Drehmaschine haben wir auch das Gelände sauber halten müssen. In den 3 Jahren gab es (insgesamt) 2 Wochen Urlaub. Im ersten Jahr dürften wir nicht ausgehen. Danach durften wir uns in Gruppen frei in der Stadt bewegen. Das Verhältnis der Administration zu uns war gut. Außer das des Gendarmen, dieser kam aber nach 2 Jahren an die Front. Das Essen war nicht gut. Es gab einmal am Tag Suppe mit Kohlrabi und 200 gr. Brot. Wir trugen Berufsbekleidung.

Die Hygiene wurde eingehalten. Es gab Seife und individuelle Badeschüssel. Das Wasser haben wir selber mit Holz gewärmt. Es gab die Möglichkeit, Briefe nach Hause zu schreiben. Die Arbeit wurde in Mark bezahlt, leider weiß ich nicht mehr wie viel, sehr wenig!. Außer zu der Ehefrau und dem Sohn (3-4 J.) des Ingenieurs, die im selben Gebäude auf dem Gelände lebten, hatten wir keine weitere Kontakte zu anderen Arbeitern oder einheimischer Bevölkerung.

Während des Rückzuges der deutschen Truppen wurde die Brücke gesprengt über dem Fluss, der in die Elbe einmündet. Die Fabrik zündete sich an und wir, alle 6 russische Mädchen, liefen in das Feld. Das Gelände eroberten amerikanische Soldaten. Diese versammelten alle Arbeiter und schlugen vor, sie in die Heimat zurückzuschicken. In der Zeit von Mai bis September 1945 haben wir in einer Gruppe von 15 Soldaten und 20 Arbeitern eine Herde Kühe aus Deutschland durch Deutschland, Polen, westliche Ukraine bis zur Stadt Slonim getrieben. Nach dem wir das Vieh losgeworden sind, wurden wir mit dem Zug in die Stadt Maneevka, Gebiet Stalimsk/Ukraine, geschickt.

Auf das weitere Leben haben sich die Jahre der Zwangsarbeit negativ ausgewirkt. Ich konnte keinen Beruf erlernen, das bedeutet auch keine qualifizierte Tätigkeiten ausüben. Somit habe ich das ganze Leben geringbezahlte Tätigkeiten annehmen müssen. Die letzten 13 Jahre bin ich am Bett gefesselt, bin Invalide der Gruppe I, meine Rente: 124 Grivni.

Die schwere Arbeit in den jungen Jahren (17-18 Jahre) ruinierten meine Gesundheit: Hypertonie, Insult, Krampfadern an den Unterschenkeln, blutende Hämorrhoiden. Beweisende Papiere über die Zwangsarbeitszeit wurden mir nicht ausgehändigt.

Ich hoffe auf ihr Verständnis, materielle Unterstützung und dass nie wieder ein Krieg menschliche Schicksale beeinflusst. Ich schicke Ihnen ... Fotos, entschuldigen für den Zustand der Fotos.

N. Silina

Fartuch Vladimir Fjod.aus Romejkovo:

An den VVN-BdA

1. 1943, am 12. März wurde ich von dem Dorfvorsitzenden des Dorfes Romejkovo, Rajon Katarinopolskij, Gebiet Tscherkask unter Gewehrbedrohung festgenommen.

2. Transportiert wurden wir in Güterzügen bis nach Lüneburg.

3. In der Stadt nahm mich, sowie weitere 23 Arbeiter, Karl Koch zu sich.

4. Wir wurden im Lager des Dorfes Wendhausen untergebracht. Der Lager war mit Stacheldraht umzäumt. Nachts wurden wir eingeschlossen. Der Deutsche Adolf hat uns zu den Arbeitsstellen gefahren. Wir haben von 5 Uhr morgens bis in die dunkle Nacht hinein gearbeitet.

5. Zum Essen gab es gefüllte Kartoffeln, Steckrüben, entfettete Milch und 200 gr. Brot. Wir haben keine medizinische Versorgung bekommen. Kranke im Lager wurden mit Essen nicht versorgt.

6. Freie Tage und Urlaube gab es nicht. In den 2 Jahren habe ich 2 Briefe geschrieben.

7. Für die Arbeit bekamen wir kein Geld.

8. Das Verhältnis zwischen uns Arbeitern war gut, zu den Deutschen hatten wir keine Kontakte.

9. Die Arbeit zu verweigern hatten wir Angst, denn für eine beliebige Kleinigkeit konnte man gehängt werden.

10.Befreit wurden wir durch die Kanadier am 10. März 1945. Am nächsten Tag wechselten wir zu den Roten in die Stadt Magdeburg. Ich legte das Gelöbnis ab und wurde Soldat der Sowjetischen Armee.

11.Papiere über meinen Aufenthalt in Deutschland bekam ich von meinem Arbeitgeber.

Jetzt bin ich gänzlich erblindet und möchte, dass Sie mir eine Hilfe geben.

Fartuch Vladimir Fjodoseevich

Trojan Eva Timofiivna aus Tschulakivka:

Ich wurde am 4. Dezember 1920 im Dorf Kupino, Rayon Schepetovskij, Gebiet Chmelnizk in der westlichen Ukraine geboren. Vater - Trojan Timofej Timofeevitsch ist in den ersten Tagen des Vaterländischen Krieges an die Front gegangen, wo er gefallen ist, Jahr und Ort unbekannt. Mutter - Trojan Anastasia ist im Jahr 1932 verstorben. Verwandte - leibliche Schwestern Nadeschda, Eugenia und Bruder Vladimir - sind bereits verstorben.

1. Die Deutschen kamen in unser Dorf Kupino im Juni 1941. Ende März 1942, als ich 21 ½ Jahre alt war. Ich, sowie weitere junge Leute aus meinem Dorf, wurden morgens überraschend unter Gewehrbedrohung festgenommen und mit Pferdekutschen zur Bahnstation gebracht. Zusammen mit mir wurden Trojan, Oksana Fominitschna und Chlon Nikolaj Vasiljevitsch weggenommen. Einberufen und begleitet haben uns die deutschen Polizisten Michael und Arsen Chlon. Diese waren unsere Dorbewohner, die für die Deutschen gearbeitet haben. An der Bahnstation wurden wir in Güterzüge gesteckt, wo bereits schon viele Leute aus nahe liegenden Dörfern waren. Die Waggons waren stark überfüllt.

2. Wir fuhren mit dem Zug ca. 7-8 Tage, haben oft angehalten, um Züge mit Deutschen und Militärmaschinen vorbeizulassen. Ernährt haben wir uns mit dem, was wir dabei hatten, Wasser haben wir an den Bahnsteigen geholt. Alle, ohne Ausnahmen, haben gehungert.

3. Wir haben am Bahnhof gehalten und uns wurde befohlen auszusteigen. Die Bahnstation war schön, die Stadt selber auch. Wir haben uns in einer Reihe aufgestellt und wurden von den Einheimischen ausgesucht, die auf unsere Ankunft schon warteten. Zu mir und meinen Dorfbewohnern - wir standen alle zusammen - kam eine Deutscher im reifen Alter - er hieß Otto Müller - mit einer Frau. Sie wählten mich und Oksana Trojan, den Chlonja Nikolaj wählte ein anderer Mann:Sonder. Wir 10 Leute) wurden in einen Treckeranhänger gesetzt und mitgenommen. Wir sind nicht lange gefahren und kamen in ein Dorf an, dieses unterschied sich durch die Schönheit von unseren ukrainischen Dörfern. Alles war grün, schöne Häuser, überall Sauberkeit und Ordnung. Dieser Ort, wo ich auch die ganze Zeit mich befand, hieß Hohenbostel.

4. Untergebracht wurden wir im Dachgeschoss eines großen Schuppens aus Holz. Unter uns befanden sich Gänse, Hühner, Vieh. Wir schliefen auf Stroh und Heu. Ich und Oksana Trojan lebten die ganze Zeit zusammen in einem Schuppen. Frauen und Männer lebten getrennt. Nikolaj Chlon arbeitete bei einem anderen Arbeitgeber, besuchte uns aber manchmal. Unter uns Arbeitern gab es auch Polen und Slowaken. Bei Ungehorsamkeit schrie und schimpfte der Arbeitgeber, die Männer wurden manchmal mit den Händen geschlagen. Das Verhältnis des Arbeitgebers zu uns war kalt, von oben herab, wir wurden nicht für Menschen gehalten. Unsere Sprache kannten die nicht und wollten die auch nicht können. Wir haben uns Ihren Gesten und Sprache angepasst. Die Hausherrin nahm unsere Anwesenheit gleichgültig hin, fand immer viel Arbeit für uns. Über uns hatte der bucklige einheimische Deutsche Aufsicht, ein Angestellter des Arbeitgebers. Er war faktisch unser Arbeitsvorgesetzter. Sein Umgang mit uns war hart, die Männer wurden oft durch Schläge zur Arbeit gezwungen.

5. Gegessen haben wir einigermaßen normal, aber ausnahmsweise nur das, was wir uns selber vorbereitet haben. Selten gab es warmes Essen. Mehr Wurzelgemüse, Gemüse, Obst, was wir im Garten der Hausherren geklaut haben. 2-3mal die Woche haben wir aus Wasser und Roggenmehl schlechter Qualität Brot gebacken. Wir haben auch Hühner- und Enteneier geklaut, wofür wir Schimpfe bekommen haben. Fleisch aßen wir nie. Manchmal gelang es uns saure, für die Schweine vorgesehene Milch zu trinken. Anzuziehen hatten wir nur das, was wir vom Zuhause mitgebracht hatten. Ca. ein halbes Jahr nach unserer Ankunft bekamen wir vom Arbeitgeber getragene Kleidung.

6. Ich wurde bei verschiedenen landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt auch im Haushalt. Wir haben mit Hackmesser, Harke, Spaten im Feld gearbeitet und auf dem Grundstück am Haus; im Garten des Arbeitgebers. Die Männer übten schwere Arbeiten aus. Außerdem haben wir im Haus des Arbeitgebers gearbeitet, Zimmer saubergemacht, der Hausherrin beim Essenkochen geholfen, Geschirr gespült. Auch auf die Kinder der Hausherren habe ich aufgepasst, es waren drei: zwei Mädchen - Namen annähernd wie Magret (Magrik), Lotta (die Kleinste) und ein Junge Ensir. Die Kinder waren gehorsam, das Verhältnis zwischen uns war gut, deshalb dürfte ich mit ihnen im Hof und auf der Straße spazieren gehen.

Es gab immer viel Arbeit. Wir haben vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, bis es anfing dunkel zu werden, gearbeitet. Der bucklige Deutsche hat uns abends eingeschlossen und morgens aufgeschlossen, damit wir nicht weglaufen. Dieser hat den Schuppen auch während der Luftangriffe aufgeschlossen. Urlaube sowie freie Zeit im Laufe des Tages gab es nicht, freie Tage gab es praktisch auch nicht. Briefe nach Hause haben wir nicht geschrieben, denn Viele konnten nicht schreiben. Außerdem durften wir das nicht.

7. Unsere Arbeit wurde nicht bezahlt. Der Arbeitgeber bezahlte nur die Arbeit des buckligen deutschen Aufsehers.

8. Mit unseren Landsleuten lebten wir freundschaftlich zusammen, halfen einander. Die Polen und Arbeiter aus anderen Ländern blieben auch mehr unter sich. Ca. 2-3 Monate nach unseren Ankunft lernte ich im Garten bei der Arbeit den polnischen Zwangsarbeiter Deresch Ichek kennen. Wir mochten einander und haben uns oft heimlich während der Arbeit getroffen. Es war verboten, Kontakte zu knüpfen, in Cliquen sich zu versammeln, vor allem mit Arbeitern anderer Arbeitgeber, damit keine Informationen weitergegeben werden konnten.

Die Verhältnisse der einheimischen Deutschen zu uns war unterschiedlich. Einige ignorierten uns, andere betrachteten uns neugierig, weitere hatten Mitleid. Jedoch wurden wir als Eigentum der Arbeitgeber gesehen.

9. Aufstände wurden vom buckligen Deutschen und dem Arbeitgeber strengstens verboten. Wir haben schnell begriffen, dass die Aufstände nichts bringen würden. Arbeiter, die Fluchtversuche unternommen haben, wurden gefangen und wir sahen die nie wieder. Es wurde erzählt, sie sind erschossen worden. Deshalb mussten wir uns fügen und jede aufgetragene Arbeit ausführen.

10.Ich arbeitete von Anfang November 1942 bis Oktober 1944 beim Arbeitgeber Otto Müller. Mitte 1944 wussten wir bereits durch unsere Freunde, dass die Sowjetische Armee die Faschisten aus der Ukraine verdrängt. Die Treffen mit dem Polen Deresch Ichek führten im Sommer 1944 dazu, dass ich schwanger wurde. Wir haben uns verabredet nach Polen zu fliehen, um da bei seinen Verwandten unterzukommen, aber dies gelang uns wegen der verstärkten Bewachung nicht.

Schon im Oktober bemerke die Hausherrin meine Schwangerschaft und teilte diese ihrem Mann mit, der sofort entschied, mich in die Ukraine zurückzuschicken. Wer mein Mann gewesen ist, habe ich nicht zugegeben, denn ich befürchtete, Ichek könnte erschossen werden. Ihn habe ich nie wieder gesehen. Ich wurde sofort mit dem Traktor nach Lüneburg gebracht und zusammen mit weiteren Leuten mit einem Güterzug in die Ukraine geschickt. Zuhause kam ich nach 2 Wochen an. Im Dorf herrschte Zerrüttung und Hunger. Obwohl ich froh war Zuhause zu sein, müsste ich mich vor Leuten verstecken, denn die Schwangerschaft war "von drüben" und viele haben darauf misstrauisch und negativ reagiert. Natürlich hat sich mein Leben im Vergleich zum Leben in Deutschland schlagartig verändert. Da leben die Leute viel reicher und ruhiger. Nach der Geburt meiner Tochter Anna, Anfang 1945, und Ende des Krieges lernte ich einen Mann kennen, Eduard Kljuzevskij, polnischer Herkunft. Wir bekamen unseren Sohn Ivan 1947 und 1950 - Tochter Soja, die 1980 tödlich verunglückt ist. Ende des Frühjahrs 1945 kehrten Chlon Nikolaj Vasiljevitsch, Trojan Oksana Fominischna und Trojan Nikolaj Stepanovitsch und andere zurück.

Wenn es damals möglich gewesen wäre, wäre ich als gleichberechtigte Bürgerin für immer in Deutschland geblieben.

Erst nach 58 Jahren durch die Initiative und das Bemühen meines Enkels Kljuzevskij Wladimir Ivanovitsch, Sohn meines Sohnes, ist es auf die Nachfrage beim Archiv Gebiet Chmelnizk am 28. März 2002 gelungen, eine zeugengebundene Archivsbestätigung zu bekommen. Zeugen: Chlon Nikolaj Vasiljevitsch, Trojan Oksana Fominischna und Trojan Nikolaj Stepanovitsch, mit denen zusammen ich zwangsverbannt wurde. Zwei von ihnen, Trojan Oksana Fominischna und Trojan Nikolaj Stepanovitsch, waren noch am Leben und lebten in meinem Heimatdorf Kupino. Aufgrund der Zeugenaussagen und des Erlasses des Gerichtes Golopristanskij Rajon, Gebiet Khersnsk vom 12. September 2002 wurde meine Anwesenheit bei den Zwangsarbeiten in Deutschland anerkannt. Bis dahin existierten keine beweisende Papiere. Auch ich habe bis zum Schluss, bis ich erfuhr, dass mir eine Entschädigung zusteht, diese Tatsache verheimlicht aus Angst vor Verachtung. Mit dem erhaltenen Geld, auch wenn es nicht viel war, konnte ich meine Existenz verbessern.

Viele Jahre hab ich mich an mein Leben in Deutschland erinnert als an was Unvollendetes in meinem Leben, aber während des Lebens im letzten Halbjahrhundert im Süden der Ukraine, des Erziehens von Kinder, Enkel und Uhrenkel bereue ich nichts. Ich möchte Sie nur bitten, die Auszahlung der Entschädigung der täglichen Arbeit für die Deutschen fortzusetzen und Ihnen herzlichen Dankt sagen! Diese finanzielle Entschädigung haben wir Alten, die 6-7 Euro Rente im Monat beziehen, sehr nötig.

Aufgeschrieben nach Vorsagen der Trojan E.T.

Wladimir Kljuzevskij

Sehr geehrte Herren!

Wir bitten Sie, falls solche Möglichkeit besteht, uns zu helfen, Kontakt zu den Kindern vom Arbeitgeber Otto Müller (Maret, Lotta, Ensir) oder deren Enkeln, die noch am Leben sind, herzustellen. Zwecks Herstellung von Freudschaftsbeziehungen und Briefkontakte.

Ich, Kljuzevskij Wladimir Ivanovitsch, Enkel von Trojan E.T., lebe in der Stadt Kherson. Ich möchte Forschungen anstellen, ob jemand aus der Familie sich an meine Großmutter erinnern kann und Eindrücke austauschen.

Timoschtschuk, Maria Dimidivna aus Paschuki:

Ich, ..., geb. im Jahr 1923, Dorf Paschuki Schepetivskij Rayon, Gebiet Chmelnizk, Ukraine. Wurde in Frühjahr 1942 gegen meinen Willen von den Deutschen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verbannt, wo ich 3 Jahre, in einem Ort bei einem Arbeitgeber verbracht habe. Eigentlich wurde unsere ganze Familie verbannt: Mutter und fünf Kinder. Ich war die Älteste und deshalb getrennt von den anderen weggenommen, natürlich gegen meinen Willen.

Ich wurde aus meinem Heimatdorf abgeholt. Mit Autos wurden wir zur Bahnstation der Stadt Schepetovsk gebracht. Wir wurden in Güterwaggons gesteckt und so bis nach Lüneburg transportiert. Zwei Wochen sind wir eingeschlossen bis nach Lüneburg gefahren. Unterwegs bekamen wir nur aufgekochtes Wasser. Am Bahnhof im Lüneburg wartete auf uns ein Traktor mit Anhänger, auf den ich mit anderen Mädchen umgeladen wurde und nach Melbeck transportiert, wo auf uns die einheimische Bauern warteten. Mich nahm der Bauer Namens Willi Maja zu sich. Er hatte einen großen landwirtschaftlichen Betrieb: Pferde; Geflügel; Kühe. Ich habe Kühe gemolken, Im Feld gearbeitet und alles gemacht, was der Arbeitgeber mir befohlen hat.

Obwohl es Krieg und eine schreckliche Zeit war, habe ich wie zum Verwundern großes Glück gehabt, bei einem guten Arbeitgeber zu landen, der mich menschenwürdig behandelt hat.

Ich habe zusammen mit ihnen gegessen, habe ihre Kleidung bekommen, dürfte in einem Zimmer im Haus schlafen. Der Arbeitgeber und seine Familie haben zusammen mit mir gearbeitet. Sie hatten eine Tochter Matrit, ungefähr 13-14 Jahre alt, die genauso mitgearbeitet hat. Obwohl ich kaum freie Zeit hatte, habe ich Briefe nach Hause geschrieben. Für die Arbeit bekam ich 26 Mark im Monat. Aber dafür konnte man nur eine Flasche Limonade kaufen.

Das Verhältnis der einheimischen Deutschen zu mir war nicht schlecht.

Im Mai 1945 haben uns die amerikanischen Truppen befreit. Dies erfuhr ich von unseren Mädchen, die bei anderen Arbeitgebern im Dorf beschäftigt waren.

Wir wurden mit Lastwagen durch Polen bis nach Weißrussland gebracht und von da aus mit dem Zug direkt bis nach Schepetovka. Der Weg war lang und anstrengend.Nach der Ankunft Zuhause habe ich das ganze Leben in der Heimatkolchose gearbeitet.

Ich habe zwei Kinder, die weit weg von mir leben.

Jetzt bin ich eine 90 Jahre alte Frau, ganz ohne Gesundheit und bekomme eine Rente von 18 Dollar im Monat. Die Kinder können mir nur wenig helfen, denn sie haben auch ein schweres Leben. Ich schicke Ihnen Fotos aus der Zeit meines Lebens in Deutschland. Auf einem Foto ist die Tochter meines Arbeitgebers - Matrit.

Somit habe ich alles, wonach Sie mich gefragt haben, kurz beschrieben.

Auf Wiedersehen., Ehemalige Gefangene

Timoschtschuk, Maria Demidovna

Duma, Maria Michalivna aus Korelitschi:

Dank Jesus Christus!

Sehr geehrte Damen und Herren aus Lüneburg. Ich habe Ihren Fragebogen erhalten, auf den ich jetzt Antworten geben werde.

Ich wurde im Mai 1942, das genau Datum weiß ich nicht mehr, vielleicht war es nach den großen Feiertagen, denn Mama hat mir einen Osterkuchen für unterwegs mitgegeben, aus dem Dorf vom Dorfoberhaupt Mathis weggenommen. Wir wurden nach Lwow zum Bahnhof, zu einem Zug gebracht, welchen ich zum ersten mal gesehen habe. Wir wurden in einen Zug gesteckt, wo es schon viele Leute gab. Wohin wir transportiert wurden, wusste ich nicht. Habe Leute sagen hören, wir sind in Krakau, wo die Grenze verlief. Danach sind wir weiter gefahren. Vielleicht gab es auch irgendwelche Stationen, ich weiß es nicht mehr. Es wurde Berlin verkündet, vielleicht mussten Leute aussteigen, ich habe es nicht gesehen. Wir wurden weiter bis nach Lüneburg transportiert.

Dort müssten wir aussteigen. Ich weiß nicht mehr, wer uns führte, aber wir sind in das Arbeitsamt gegangen. Hier wurden die Leute aufgeteilt. Am meisten waren die gesunden und kräftigen Leute gefragt. Mich wollte keiner haben, den ich war klein und jung. Dann kam eine Herrin, die mich mitnahm. Nahm mich zum Haus mit dem Schild "Hotel - Restaurante Schtapenberk" mit. Am nächsten Tag nahm sie mich am Arm und führte mich auf den Hof, da gab es einen Abstellraum. Sie hat mir einen Besen gegeben und gesagt, dass ich fegen muss. Ich habe den Hof gefegt und fing an sehr zu weinen. Wie lange es dauerte, weiß ich nicht, dann hat mich die Herrin gerufen und ich arbeitete in der Küche. Ich habe Geschirr gewaschen von morgens um 8 Uhr bis zur Schließung des Restaurants. Wie viel Stunden - weiß ich nicht. So habe ich da gelebt und mich ernährt.

Die Herrin hat mir ein kleines Zimmer zugeteilt, wo es ein Bett, einen Stuhl und einen Sessel gab. Gearbeitet habe ich jeden Tag, sogar am Sonntag. Jede zweite Woche habe ich am Sonntag frei gehabt. Kleidung habe ich keine gestellt bekommen. Einen ganzen Monat war ich in meiner Kleidung, in der ich aus Ukraine gekommen bin.

Nach einem Monat hat die Hausherrin gesagt, ich habe 30 Mark verdient und ich soll mir was kaufen. Sie ist mit mir mitgefahren und kaufte mit einen Pullover, Hausschuhe und Schuhe. Wie viel es gekostet hat, weiß ich nicht. Am freien Wochenende bin ich in die Kirche gegangen, denn ich hatte schon was anzuziehen. Die Kirche befand sich gegenüber, auf der anderen Straßenseite. Ich bin manchmal in anderes Restaurant gegangen, hieß Schulz. Dort arbeitete ein anderes ukrainisches Mädchen.

Sie fragen, ob ich in Schichten gearbeitet habe. Es gab keine Schichten. Ich habe von morgens früh bis zur Restaurantschließung gearbeitet. Briefe habe ich abends spät geschrieben. In Lüneburg war eine Truppeneinheit stationiert. Zu den Vorgesetzten kamen die Frauen und übernachteten in unserem Hotel. Man musste jeden Abend irgendwelche Dokumente zur Polizei bringen. Die Deutschen hatten ein sehr freundliches Verhältnis zu mir. Zu der Zeit gab es das Brot und Fleisch gegen Bezugscheine, ich weiß nicht mehr, wie die hießen. Ich habe diese in das Geschäft gebracht. Ich konnte schon etwas Deutsch verstehen. Alle mochten mich. Einige Leute haben mich gebeten, die Arbeitstelle zu ihnen zu wechseln. Es gab auch Kinderlose. Sie haben Mitleid gezeigt, haben gesagt, dass ich bei ihnen nicht so schwer arbeiten müsste. Aber mir tat meine alte Herrin leid, sie war damals 62 Jahre alt. Sie hat alles selber im Restaurant gemacht,

ich habe ihr nur geholfen. Ich schicke Ihnen ein Foto, auf dem die Herrin Maria mit ihrer ältesten Tochter, kann mich nicht erinnern wie sie hieß, abgebildet sind. Die jüngere hieß Lisabeth.

Die Älteste hatte eine Tochter, die damals fünf Jahre alt war. Sie hieß Barbara. Der Mann der ältesten Tochter war Berufssoldat und diente in Berlin. Solange ich da gewesen bin, kam er einmal nach Hause. Der Mann der Herrin war verstorben. Lisabeth war nicht verheiratet.

Nun möchte ich beschreiben, wie wir zu besonderen Anlässen in die Kirche nach Hamburg gefahren sind. Einmal im Monat am Sonntag. Es war dort sehr schön. Dorthin sind wir über eine lange Brücke gegangen, ich weiß noch, unter der Brücke gab es Wasser. Die Kirche leuchtete von weiter Ferne, ich weiß nicht, ob sie vergoldet war. Nach dem Gottesdienst wurden 15 junge Paare getraut. Dort war es sehr schön.

Über meine Arbeit: Ich habe in der Küche gearbeitet von morgens bis abends, bis ich nach Hause gefahren bin. Es gab keine Schichtarbeit, keine Urlaube. Außer dem freien Tag jede zweite Woche, gab es nichts. Eine Deutsche ist mit dem Fahrrad gekommen, arbeitete im Hotel, wo übernachtet wurde, ist aber immer nach Hause gefahren. Und ich arbeitete immer von morgens bis abends. Für welchen Hungerlohn weiß ich gar nicht. Sie hat mir die Groschen nicht gegeben. Sie gab mir irgendwelche Kleidung.

In einem Brief hat meine Mutter geschrieben, ich soll nach Hause kommen. Die Herrin hat nachgefragt, was meine Mutter schreibt. Ich konnte schon etwas verstehen und habe ihr gesagt, dass Mutter will, dass ich nach Hause zurückkomme.

Sie hat gesagt: "Gut, geh, aber dass du zu mir zurückkommst". Sie hat mir eine Fahrkarte für den Zug gekauft, hat mich begleitet, hat aber kein Geld, keine Kleidung mitgegeben, denn sie hat gesagt, ich werde nicht zurückkommen.

Ich bin Zuhause angekommen. Es war Anfang Herbst 1943. Einem Monat zuvor hat man begonnen Gräben zu graben. In unserer Gegend war der Krieg ausgebrochen und ich blieb zu Hause.

Danach habe ich in der Kolchose gearbeitet. Mein Vater ist gefallen, mein Bruder wurde zur Front geschickt und ist nicht zurückgekehrt. Zuhause sind geblieben: Mama, ich und meine jüngere Schwester, 1930 geboren. Meine Schwester hat geheiratet, Mama ist verstorben und ich bin alleine geblieben. Ich habe sehr bereut, dass ich nicht zurückgefahren bin. Aber nichts lässt sich zurückdrehen.

1962 habe ich meinen Sohn Wladimir geboren, habe ihn alleine großgezogen, es war schwer. Er hat in Lwow gelernt, wo er ein Mädchen kennerlernte. Hat geheiratet, zwei Kinder erzogen, ein Mädchen Marjanka, geb. 1982 und einen Jungen Ivanka, geb. 1983. Es ist ihm nicht beschieden gewesen auf dieser Welt zu leben. Er ist sehr krank geworden, Magenkrebs, und ist am 28. Januar 2000 verstorben, im Alter von erst 38 Jahre. Hinterlies eine junge Witwe und 2 Kinder. Sie haben ein schweres Leben, es gibt keine Arbeit. Die Enkelin wollte sehr gerne an dem medizinischen Kollege studieren, hatte aber kein Geld. Ich habe zu der Zeit gerade meine Entschädigung für die Zwangsarbeit in Deutschland bekommen, habe ihr das Geld für die Ausbildung gegeben. Jetzt arbeitet sie in der Schule für 180 Grivin. Der Enkelsohn Ivan macht eine Ausbildung.

Ich bin nach dem Tod des Sohnes allein geblieben. Ich bin sehr krank, bin erblindet. Ich habe Glaukom. Ich habe kein Geld für Medikamente, für eine Operation werden 500 Dollar verlangt. Ich habe niemanden, der mir helfen konnte. Einen landwirtschaftlichen Betrieb habe ich nicht, die Augen können nicht sehen. Früher hatte ich eine Kuh. Jetzt erlaubt es die Gesundheit nicht. Ich habe die Kuh verkaufen müssen und habe einen Grabstein für den Sohn Wladimir gekauft...

Hiermit beende ich meinen Brief. Bereue sehr, dass ich nach Hause gefahren bin, denn ich habe alles verloren. Noch heute, wo ich nicht mehr sehen kann, kann ich mich aber an das Haus, wo ich gearbeitet habe gut erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Es steht mir immer vor den Augen.

Jetzt warte ich auf die 35 % der Entschädigung, damit ich Geld um Holz zu kaufen habe, dieses ist sehr teuer. Eine Autoladung Holz kostet 200-300 Grivni. Über das Essen möchte ich gar nicht sprechen. Mit 91 Grivni Rente komme ich kaum aus. Vielleicht habe ich mit meinen 79 Jahren nicht mehr lange zu leben. Ich bitte Sie, helfen Sie mir, falls es möglich ist, denn ich möchte so gerne in meinem Alter noch das Tageslicht sehen können.

Mit Achtung

DUMA, MARIA MICHALIVNA

Lavrenjuk, M. M. aus Schepetivka:

Antwort auf die Fragen aus Deutschland. Ich, ..., lebte damals im Dorf Scharlajevka, Teofipolskij Rajon. Ich lebte mit der Mutter ohne Vater. Am 3. Juni 1942 sind in unser Dorf deutsche Autos angekommen und fingen an uns abzuholen. Sie ließen nur ältere Menschen und Invaliden zurück.

Meine Mutter war damals jung, ich war klein, 12 Jahre alt). Wir wurden auch mitgenommen. Wir wurden in einen Güterzug gesteckt und zur Bahnstation Ravaruska gebracht. Dort wurden wir in einen anderen Zug gesteckt und nach Deutschland transportiert, den Namen der Stadt habe ich vergessen. Da wurden wir aufgeteilt. Meine Mutter und ich sind nach Lüneburg gekommen.

Insgesamt wurden 37 Personen, (meine Mutter und ich einschließlich, bei der Fabrik Keneks Brod (Knäckebrotfabrik) abgesetzt, 100 Meter von der Fabrik gab es einen Fluss Ilmenau,

Über den Fluss wurde Rohmaterial mit Schleppkähnen geliefert, wie auch mit der Eisenbahn. In der Umgebung waren Militärfabriken. Wir wurden im Wohnheim der Fabrik im zweiten Stock untergebracht. Mir wurde die Arbeit als Maschinenschmierer, für die Maschinen, mit denen Brot für die Soldaten verpackt wurde, zugeteilt. Wir haben 12 bis 14 Stunden am Tag gearbeitet. Das Essen war nicht so gut, das Verhältnis der Administration zu uns war duldsam. Wir hatten Berufsbekleidung, Kombianzüge. Die Schuhe hießen Pantaloni, mit Holzsohlen. Als wir zur Arbeit gingen, hörte man das Klopfen der Sohlen aus weiter Entfernung. Urlaub hatten wir keinen, aber wenn man krank wurde, wurde man behandelt. In der freien Zeit wurden wir in die Stadt ausgeführt. Da gab es ein Berg, 2000 Meter hoch, von der Höhe konnte man die ganze Stadt betrachten, den Bahnhof, den Flugplatz, den Fluss, wo die Schiffe und Schleppkähne fuhren.

Die Arbeit wurde schlecht bezahlt, 10-20 Mark im Monat. Gearbeitet haben wir nur in der Nacht, tagsüber haben Ausländer gearbeitet: Franzosen, Polen, Holländer, usw., denen wurde mehr bezahlt.

Wir alle haben Abzeichen getragen: die Ukrainer "Ost", die Polen "P", Franzosen ein gelbes Dreieck. In Ihrer Freizeit konnten die sich frei in der Stadt bewegen und wir nur unter Bewachung.

Das Verhältnis zwischen uns und den deutschen Arbeitern war gut. Arbeitsverweigerungen gab es nicht, auch keine Streiks, weil wir alle Polizeiaufseher hatten, vor denen sich alle fürchteten.

Wir wurden von der amerikanischen Armee befreit, im Frühjahr 1945, und lebten einen Monat unter deren Gewalt. Am 27. Juni kamen amerikanische Laster und transportierten uns in die Stadt Statin, wo wir nach Herkunft sortiert wurden. Meine Mutter und ich sind im Personenzug bis nach Weißrussland gefahren, wo wir nach Gebieten sortiert wurden. Im September 1945 sind wir mit meiner Mutter Zuhause angekommen.

Für meine Mutter wurden die Papiere ausgestellt, für mich nicht - ich war minderjährig. Meine Mutter ist verstorben, die Papiere sind während eines Brandes verloren gegangen.

Glauben Sie mir tadellos auf Wort, ich bin schon 75 Jahre alt. Deshalb bitte ich Sie, teilen Sie mir Entschädigungshilfe für die Arbeitsjahre in Deutschland zu.

Mit Achtung

Lavrenjuk Nikolaj Michajlovitsch.

Levtschuk Timofii Mironovitsch aus Lanivzi:

Fragebogen von Levtschuk, Timofij Mironovitsch, geb. 1923, in den zwanzigsten Tagen des Monats Juni 1942 nach Deutschland verschleppt aus dem Gebiet Chmelnizk, Dorf Schibeno. Anhand der Verwaltungslisten wurde ich, sowie meine Freunde aus meinem Dorf, unter Aufsicht der Dorfpolizei zur Bahnhofsstation Lepesovka gebracht, in Güterzüge gesteckt und bis nach Hamburg transportiert. Dort wurden wir aus den Waggons geholt und wir sahen Kriegsgefangene aus verschiedenen Ländern: SU, P, F. Dies war ein sehr großes Lager. In Hamburg wurden wir 34 Tage festgehalten, mit einem Autolaster wurden wir, mehrere hundert Menschen, nach Lüneburg geschickt.

Wir wurden aufgestellt und es kam ein in Uniform gekleideter Mensch und suchte sich Arbeiter aus. Dies war der Bürgermeister des Dorfes Vastorf, über Dahlenburg, Kreis Lüneburg, Familienname: Bruns, Wilhelm - der Inhaber von unserem Lager. Von Lüneburg bis nach Vastorf, Entfernung 8-10 km, fuhren wir mit dem Zug, über unsere Bahnstation fuhren oft Züge. Wir wurden auf dem Hof des Bürgermeisters untergebracht, umzäumt mit Stacheldraht. Im Lager gab es Zweietagenbretterliegen, im Winter wurde mit Metallheizlüfter gewärmt. Die Frau des Bürgermeisters kochte uns Essen, wir nannten Sie Mamka, Sohn Willi, Tochter Erika. Der Sohn kam öfters zu uns in das Lager.

Zu Essen gab es wenig. Zur Arbeit sind wir in unserer Kleidung gegangen. Wir bekamen nur Schuhe - mit Sohlen aus Holz. Wir hatten eine sehr schwere Arbeit, hatten mit schwersten Schienen und Schwellen aus Metall zu tun - Reparatur und Bau von Eisenbahnstraßen nach Luftangriffen.

Als die zweite Frontlinie von den Amerikanern geöffnet wurde, waren wir in allen Städten unterwegs; waren in der Stadt Wesermünde, eine große Stadt mit vielen Schiffen auf dem Meer. In der Stadt hatten wir 15 Tage Reparaturarbeiten an der Bahnlinie, wir lebten genau so im Lager, es fuhr unser Bürgermeister Bruns und ein anderer Aufseher Henry Schulz.

Der Arbeitstag bestand aus 8-10 Stunden, dies war, wenn die Züge in die Richtung des Lagers des Dorfes Vastorf fuhren. Frei hatten wir nur am Sonntag, Urlaub bekamen wir nie. Briefe nach Hause schrieben wir 3-4 mal im Jahr. Die Umschläge konnte nur ich beschriften, denn ich habe vor dem Krieg im Juni die 10. Klasse der Mittelschule abgeschlossen, wir hatte in der Schule Deutschunterricht. Unser Arbeitslohn betrug 8-10 Mark im Monat. Unser Bruns ist regelmäßig am Anfang des Monats nach Lüneburg gefahren und hat das Geld für den gelaufenen Monat gebracht, während wir bei der Arbeit mit unserem Aufseher Henry Schulz waren.

1944 fuhren wir zur Reparaturarbeiten der Bahnlinie hinter Dahlenburg, Richtung Halle. Eine amerikanische Bombe traf zwei unserer Leute: Woronjuk Stepan und Chomiga Sergej. Der Woronjuk wurde in Stücke zerrissen und die Därme wurden im Wald zerstreut. Wir haben ein Grab ausgegraben und als wir ihre Körper in das Grab gelegt haben, hat unser Aufseher, der Deutsche Henry Schulz - ein älterer und harter Mensch- die Tragödie beobachtet, hat ein Taschentuch aus der Tasche genommen und weinte um die durch den Krieg umgebrachten SU-Arbeiter.

Unser ukrainisches Volk ist sehr, sehr gutmütig und gehorsam. Verweigerungen gab es keine.

Unser Lager in Vastorf wurde durch die amerikanische Truppen am 4., 5. Mai befreit, vor dem Tag des Sieges, den 9. Mai. Nach dem Tag des Sieges brachten unsere sowjetische Truppen uns Arbeiter aus dem Lager in das Repatriierungslager 219 unter, wo nur unsere Repatriierten untergebracht waren, in der Nähe von Lüneburg. Dort wurde auch unsere Identität und Lebenslauf überprüft, es wurden Anfragen in der Heimat gemacht. Unsere Arbeitskarten hatten wir bei uns, aber nach den Untersuchungen im Lager 219 wurde ich sowie andere, denen nichts nachzutragen war, in die Armee einberufen, Minenwerferkompanie 139. Die Arbeitskarten wurden uns weggenommen und wir bekamen Bücher der Roten Armee. Bei der Armee diente ich im Stab als Schreiber, im Lebensmittellager.

Demobilisiert wurde ich am 18. März 1947. Nach Hause, in mein Dorf Schubino, kam ich im April 1947. Zuhause traf ich nur meine Mutter, die sehr froh war, dass ich gekommen bin. Mein älterer Bruder (1912) war noch nicht da, er diente in der Armee Rava Russkaja.

Das Verhältnis zu den zurückkehrenden Ostarbeitern war nicht sehr streng, denn der Vaterländische Krieg hat uns mehrere Millionen junge Leben weggenommen.

Im April 1993 habe ich einen sehr, sehr schweren chirurgischen Magen-Darm Eingriff durchgemacht, es wurde der Darm operiert. Seitdem benutze ich Ihre medizinischen Präparate, bei Ihnen heißen die STROMINAL Größe 45-50 mm sowie COLOPLAST auch 45-50 mm. Unsere Pharmaindustrie stellt diese nicht her, sogar Russland stellt die nicht her. Ich benutze deutsche und kriege die sehr schwer besorgt. Ich bitte sehr, sehr die Rayonvereinigung der Stadt Lüneburg ihrem ehemaligen Arbeiter, Invalide Gruppe I, welche zu schicken.

Levtschuk, Timofii Mironovitsch

Oksentschuk Adam Markovitsch aus Gluchi:

Sehr geehrte Mitglieder der Lüneburger Abteilung!

Ich versuche auf Ihre Fragen zu antworten, obwohl ich mich nicht an alle Einzelheiten erinnern kann, denn ich war damals erst 9 Jahre alt.

Im August 1944 verlief durch unser Dorfes die Frontlinie. Es kamen die Deutschen, nahmen uns Menschen mit und brachten uns zu Fuß 10 km bis zur Bahnstation Krimno zum Zug. Unsere ganze Familie wurde mitgenommen: Mutter, Vater und 3 Kinder. Sie steckten uns in einen Güterzug und fuhren uns weg. An andere Bahnstationen kann ich mich nicht erinnern. In Warschau wurde unser Zug aufgelöst und so kam es dazu, dass unsere Familie nach Lüneburg kam. An die Einzelheiten der Ankunft kann ich mich nicht erinnern. Unterwegs wurden wir sehr schlecht ernährt und ich war sehr geschwächt. Das nächste, woran ich mich erinnern kann ist, dass wir in eine Holzbaracke eingewiesen wurden, da lebten ein paar Familien. Die Eltern wurden sofort zum Arbeiten eingeteilt, der Vater: in die Holzfabrik "Ibus", die Mutter: verschiedene Arbeitsaufgaben. Auf dem Gelände der Baracken gab es eine Kantine. Das Essen war schlecht, irgendeine "gewöhnliche Suppe". Uns wurden gefrorene Steckrüben gegeben, von denen wir Kinder Magenschmerzen bekamen. Der Vater hat, um irgendwie die Familie zu unterstützen, beim Arbeitgeber Kartoffeln gestohlen, die er heimlich nachts gekocht hat und die wir mit der Schale gegessen haben. Denn wenn die Deutschen die Schalen gefunden hätten, gäbe es gnadenlose Schläge. Es wurde keine Kleidung erteilt. Es gab auch keinerlei medizinische Versorgung. Da ich minderjährig gewesen bin, wurde ich gezwungen auf dem Gelände Papier aufzusammeln, Müll zu fegen. Mein Vater hat im Schichtdienst in der Fabrik gearbeitet, Urlaub gab es keinen. Ich wurde ab und zu mal bei der Pförtnerloge durchgelassen. In der Fabrik gab es Mengen an Maschinen. An einigen wurde Sperrholz geschnitten, an anderen wurden Läufe für Waffen gemacht. Freie Zeit gab es wenig, oft gab es Luftangriffe und wir wurden in die Steppe rausgejagt. Briefe nach Hause zu schreiben war verboten.

Seitens der deutschen Bevölkerung waren die Verhältnisse zu uns unterschiedlich. Die, bei denen Männer und Söhne an der Front kämpften, hatten Mitleid, die anderen - Hass.

Befreit wurden wir von den Amerikanern. An dem Fluss Elbe wurden wir einige Tage festgehalten, gelebt haben wir in deutschen Häusern. Danach wurden wir über die Elbe überführt. Der nächste Punkt war der Fluss Wisla, danach wurden wir durch Polen mit Autos nach Hause gebracht.

Sie fragen, ob die Jahre der Zwangsarbeit einen Einfluss auf das darauf folgende Leben hatten? Ja, natürlich. In der erste Linie auf die Gesundheit. Ich bin Invalide der Gruppe II.

Leider sind Fotos und Papiere aus der Zeit nicht erhalten worden. Alles was für die Beantragung von Entschädigung notwendig war, wurde mir im Kreisarchiv ausgestellt.

Wir danken den Mitgliedern und der Führung der Lüneburger Abteilung dafür, dass sie an die Opfer des Naziregimes denken. Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Briefe erhalten, falls die Möglichkeit besteht - geben Sie eine Antwort.

Oksentschuk, Adam Markovitsch

Gelmantschuk Serafima Markivna aus Malinki:

Guten Tag, liebe Damen und Herren.

Habe Ihren Brief erhalten und gebe eine Antwort. Ich danke Ihnen für Ihr Bemühen. Über Lüneburg weiß ich nichts, es war 30 km von mir entfernt. Ich war einmal in Lüneburg, bin zur Taufe des Kindes von Gevatter gefahren. Dies war am Stadtrand in einer Schule. Aber wir haben Briefe nach Hause geschrieben. Ich war im Kreis Lüneburg, über Dahlenburg, Dorf Suschendorf, Ram Adolf.

Ich habe beim Bauern gearbeitet. Der hatte 20 Kühe, Stiere, 50 Kälber, 50 Schweine und Pferde, Traktoren und 1000 ha. Land. Dies waren einzelnstehende Gehöfte, der Bauer hat 40 km entfernt gelebt. Wer weiß, wie viele einzelnstehende Gehöfte er noch hatte. Bei Ihm Zuhause arbeiteten 40 unserer Gefangenen. Die Bäuerin ist zu uns gekommen und ich habe ihr für die Gefangenen Briefe mitgegeben. Sie war eine sehr gute, ältere Frau und sie hat uns immer gefragt, ob wir gut ernährt werden. Aber konnten wir ihr erzählen, dass der Arbeitgeber uns schlägt? Dann hätte er uns noch doller geschlagen. Er hat mir befohlen eine Arbeit zu machen und ich habe nicht verstanden, wohin er mich schickt. Da hat er sich umgedreht und mit dem Stiel der Harke geschlagen.

Ich habe Angina bekommen, so dass der Hals dermaßen geschwollen war, dass keine Spucke mehr da war. Ich habe 2 Monate Getreide gemahlen. Um durchzuhalten wollte ich meinen Hals mit einem Lappen umwickeln. Dafür wurde ich im Flur zusammengeschlagen und abends musste ein Arzt gerufen werden. In dem Wörterbuch, dass ich von Zuhause mitgebracht habe, habe ich das Wort "krank" gefunden, dass es mir nicht gut geht. Als sie mit der Herrin meinen Hals sahen, schüttelten sie die Köpfe. Aber niemand gab mir eine Tablette.

Ich bin früh aufgestanden und zur Arbeit. Wir haben im Flur Möhren sauber gemacht. Er ist mit einem dicken Stock rausgekommen und begann, eine Frau zu schlagen. Der Stock ist zerbrochen, ich habe da gesessen und gezittert. Er hat zu mir gesagt, mich werde er nicht schlagen. Die Frau wurde zum anderen Arbeitgeber gegeben. Sehr selten, vielleicht dreimal im Jahr hat er uns 15 Mark gegeben. Da hat es eine Frau gegeben, die uns Sachen herausgegeben hat: Kleider, Tücher, Unterhosen. In 3 Jahren, die ich da gewesen bin, habe ich ein Sommerkleid bekommen. Dieses war schon ziemlich abgenutzt. Für einen Mantel 60 Mark, für ein Kleid 30 Mark, manchmal noch mehr.

Im Herbst waren wir gezwungen zu unterschreiben, dass wir schnell arbeiten werden und 60 Säcke schaffen werden. Ich habe Kartoffeln gesammelt. Nachts habe ich die Hände ins kalten Wasser gehalten. Wir hatten keine Schuhe, sind barfuss gelaufen. Uns wurden Schuhe mit Holzsohlen gestellt. Sobald man auf nasse Erde gekommen ist, sind die stecken geblieben. Im Winter im Schnee. Er hat gesagt, wir müssten uns nicht anziehen, die Arbeit soll uns wärmen. Zum Essen gab es ein kleines Brötchen und 2 Stück Butter, so klein wie eine Schachtel mit Streichhölzern. In der Woche wurden Steckrüben mit Kartoffeln gekocht, Erbsensuppe, Haferflockensuppe. Wir haben alles ohne Brot gegessen. Man kann nicht sagen, dass wir gehungert haben, weil die überlegt haben, dass wir ohne Essen nicht arbeiten können. Im Lager sind wir nicht gewesen. Im anderen Dorf gab es ein Lager, aber wir wurden dorthin nicht geschickt.

Kaufen? Uns hat niemand etwas verkauft.

Die Jungs hatten ihre Zimmer im Schweinestall. Unsere waren neben den Pferden. 5 Mädchen im Zimmer, Fußboden aus Zement. Wir hatten was zum Unterlegen und Zudecken, denn die Zimmer wurden nicht beheizt. Wir haben 12 Stunden gearbeitet. Die Arbeit war sehr schwer. Er hat uns in der Mitternacht in das Feld gefahren, ohne Schuhe, in Jäckchen aus leichtem Stoff. Wer noch Sachen von Zuhause hatte, in Kleidchen. Es war so kalt und dunkel. Wir haben auf das Tageslicht gewartet. Wir haben uns mit Säcken bedeckt und haben bis in die Dunkelheit gearbeitet. Ich war 16 Jahre. Ich habe in den zweiten Stock Säcke mit Ölkuchen geschleppt, habe Mist gefahren und zerstreut, haben Moos im Wald gepflückt und mit Ästen abgedeckt, habe Holz gehackt, getragen und eingelagert. Ich alleine habe 15 Kühe gemolken. Die Hände waren geschwollen. Während des Rückzuges sind die Polizisten gekommen und haben gefragt, ob sie uns totschlagen dürfen. Unser Arbeitgeber hatte sich inzwischen versteckt und die Herrin hat einen anderen sehr strengen geschickt, dieser war noch vor dem 1. Weltkrieg beschäftigt. Er hat gesagt:" Ich erlaube es nicht. Wenn ihr sie tötet dann kommen ihre Leute und töten uns." Aber sie haben eine Mine im Flur aufgestellt, die nach einer bestimmten Zeit explodieren sollte. Der Herr hat sie aber weit in den Wald getragen und eingegraben. Währen des Rückzuges haben die Deutschen unser Haus angezündet. Aber ich hatte ein Kind, welches ich dort geboren habe. Ich habe das Kind gefüttert und gesehen, dass das Haus brennt. Ich habe angefangen zu schreien, die Jungs sind zusammengekommen. Ich habe es geschafft mit dem Kind in den Flur zu rennen, die anderen alle durch die Fenster. Bei uns gab es ein Frau, eine deutsche, die mit 6 Kindern angereist war. Die Jungs haben die Kinder auch durch die Fenster gerettet. Wir haben die Herrschaften geweckt, die Pferde losgebunden. Ich habe mein Kind in die Sträucher im Wald gelegt und habe 50 Kälber befreit, weil es im Wald einen Hausanbau gab.

Sie fragen, wie wir mit den Nachbarn klar gekommen sind. Gut. Als ich entbunden habe, hat die Nachbarin mir alles für das Kind gegeben. Die andere Nachbarin ist zu mir gekommen und wollte, dass ich ihr das Kind abgebe, hat mir Geld angeboten und Besuchstermine. Weil sie keine eigene Kinder hatte. Ich wollte es nicht und habe ihr das Kind nicht gegeben. Unsere Kinder wurde in die Krippe ca. 12 km entfernt gefahren. Gleich nach der Geburt. Mein Kind wurde nicht mitgenommen, denn es war klar, dass wir bald befreit werden. Urlaub hat uns niemand gegeben. Ich habe die Wehen im Feld bekommen, aber nicht weit vom Haus entfernt. Und ich bin nach Hause gegangen und habe mich noch 4 Tage bis zu der Geburt gequält. Mir wurde versprochen, ich werde nach Lüneburg zum Kaiserschnitt gefahren, aber das wurde nicht gemacht. Die Hebamme hat neben mir gesessen, ist nicht nach Hause gegangen. Sie ist auch 9 Tage nach der Geburt gekommen, hat das Kind gefüttert, mich gewaschen, gekämmt. Sie hat gesagt, dass ich nicht aufstehen soll. Einmal hat der Herr uns 15 Mark gegeben. Ich wollte ihr dieses Geld geben, aber sie hat es nicht genommen. Hat gesagt, dass sie vom Staat bezahlt wird. Nach einer Woche ist sie gekommen und hat gesagt, dass das Kind getauft werden muss, weil ich über die Grenze nach Hause fahren werde, das Kind darf nicht ungetauft mitfahren. Der Herr hat eine Kutsche und Pateneltern bereit gestellt und wir sind in die Kirche gefahren, haben das Kind getauft. Ich habe Dokumente darüber gehabt. Meine Tochter hatte einen deutschen Namen Anni - Marie. Ich bin mit ihr nach Hause gekommen, habe die Dokumente im Standesamt abgegeben. Zurück habe ich andere bekommen, wo sie Ljuba hieß. 1992 ist meine Tochter verstorben, hat 2 Söhne hinterlassen. Sie ist zu mir gekommen und hat mich zu sich nach Chmelnizk mitgenommen, ist aber nach 3 Tagen verstorben. Sie war zuckerkrank. So bin ich, Invalide Gruppe I, allein im Haus geblieben. Ich habe noch einen Sohn in Chmelnizk, geb. 1949, er ist schon Rentner und pflegt seine kranke Frau, die Invalide ist.

Anscheinend wurde mir dieses Schicksal erteilt. Ich besitze keine weiteren Dokumente. Es hat keine medizinische Untersuchungen gegeben. Auch Fotos besitze ich keine. Auch die Geburtsurkunde meiner Tochter existiert vielleicht nicht mehr, es sind so viele Jahre vergangen.

Sie fragen, wer uns nach Deutschland verbannt hat. Der älteste Sowjetvorsitzende des Dorfes. Damals hat es solche kriecherischen Polizisten gegeben. Sie haben benannt, wer fahren soll und haben uns befohlen, sich vorzubereiten. Am selben Tag ist es noch losgegangen. Wir haben mitgemacht, uns blieb nichts anderes übrig. Wir haben nicht gewusst, wohin wir fahren oder ob wir nicht wie die Juden erschossen werden. Am Morgen kamen die Kutschen, nahmen uns mit und fuhren uns zur Station. Dort sind wir in Güterzüge gekommen und abtransportiert. Sie fragen, über welche Stationen, Städte wir transportiert wurden. Es hat niemand Stationen oder Städte angesagt. Wir wurden nach Permischel gebracht in das Lager. Es erfolge eine Untersuchung. Nur ein Taubstummer aus meinem Dorf wurde zurückgebracht. Ich wurde zweimal untersucht, habe gehofft zurückzukommen. Wir wurden noch einmal vom Zug geholt, ich weis nicht wo, wurden zu einem Dampfbad gezwungen. Nach dem Waschen durften wir uns nicht anziehen, wurden im Flur ohne Fenster, nur eine Beleuchtung von oben, aufgestellt. Gegenüber befanden sich Gaskammern, wir hatten große Angst verbrannt zu werden. Ich war dünn und klein. Aber wir wurden nur begutachtet und durften uns anziehen. Wir wurden weiter transportiert. Wir waren einen Tag unterwegs. Zurück war es so: Der Sohn des Arbeitgebers, 15 Jahre, hat uns mit der Kutsche zum Sammelpunkt nach Dahlenburg gefahren. Weiter haben uns die englische Soldaten gefahren, wir bekamen gut zum Essen: eingewecktes geschmortes Fleisch und weißes Brot. Außerdem haben wir ein Laib Brot und 2 Löffel Zucker für uns zwei bekommen, für mich und mein Kind. Morgens haben wir 6 Kinder im Waggon tot gefunden. Meine hat die Brust genommen und deshalb überlebt. Ich habe eine kleine Badewanne für das Kind gekauft. Wir haben im März draußen gebadet. Wir sind am 12. März losgefahren und am 20. August angekommen. Nachts sind wir immer gefahren, am Morgen waren wir aber auch oft an der selben Station.

Die Herrin hat mich gebeten zu bleiben. Sie hat gesehen, dass ich nichts mitnehmen werde. Weil da, wo das abgebrannte Haus gestanden hat, gab es einen Keller. Sie hat eingewecktes, geschmortes Fleisch nach oben gebracht. Unsere haben sofort zugegriffen und ich stand mit dem Kind entfernt und habe nichts genommen. Sie hat gesehen, das ich nichts genommen habe. Als wir zum Mittagessen gesessen haben, saß sie da, wo der Forstwart gesessen hat. Sie ist aufgestanden und hat gesagt: was soll ich euch geben, ihr habt bei mir alles geplündert, aber Serafima hat nichts genommen. Ich werde nur ihr Mittagessen geben. Und ich habe sehr gutes Essen bekommen. Einmal hat der Vater drei große Truhen mit verschiedenen Kostbarkeiten gebracht. Sie haben alles zerstört und auseinandergenommen, ich bin nicht dabei gegangen. Sie hat ihre Kostbarkeiten im Wald eingegraben. Sie wurden ausgegraben und geplündert. Ich bin mittags nach draußen gegangen und sie auch nach mir, wahrscheinlich hat sie alles durch das Fenster beobachtet. Sie hat gesagt:"Laufe und nimm für dich auch etwas, für dich ist es mir nicht zu schade." Aber ich habe gesagt, dass ich nichts möchte und bin zum Kind gegangen. Mich hat meine Mutter so erzogen: Nimm nichts Fremdes, es bringt kein Glück. Und das stimmt auch. Eine hat mir geschrieben, dass bei ihr alles geklaut wurde. Und ich habe meine Windeln, Kissen vom Kind mitgebracht, niemand hat es mir weggenommen, weil ich fremde Sachen nie genommen habe. Als wir weggefahren sind, stand der ältere Arbeitgeber und war sehr traurig, dass wir fahren. Und ich wusste, mein Seele ahnt, was mich erwartet. Ich habe solche Hungersnot erlebt. Es ist einer gekommen, der meiner Mutter die Jacke weggenommen hat und er schrie in meine Richtung: "Du deutsches Balg." Weil ich in Deutschland gewesen bin. Mein Vater wurde nach Sibirien verbannt, als ich 4 Jahre alt war. Ich bin ohne Vater groß geworden. Alles, was wir im Garten ernteten, wurde uns weggenommen. 19 Jahre war der Vater in Sibirien. Ihn hat seine Intelligenz gerettet, solche brauchte man nicht. Er kam ohne einzigen Zahn nach Hause. Sie fragen, wie ich jetzt lebe. In Deutschland wurde meine Gesundheit geschädigt. Als ich nach Hause gekommen bin und der Arzt mich untersucht hat, Diagnose: Darmgeschwür. Er hat gesagt, ich habe keinen Monat mehr zu leben. Ich habe angefangen, Fett vom Dachs zu trinken und habe überlebt. Es ist geheilt. Die Beine schmerzen genau so wie damals, ich bewege mich mit zwei Stöcken. Ich kann in den Hof nach draußen nur, nachdem ich 3 schmerzlindernde Tabletten genommen habe, schreie im Haus und draußen. Zuerst wurde mir Krankenrente gezahlt, jetzt eine Rente von der Kolchose. Ich habe 29 Jahre gearbeitet. Ich habe 86 Grivni bekommen, jetzt 91. Es reicht für Medikamente nicht aus. Auf mich passt eine Nonne auf. Zuerst habe ich für die Pflege bezahlen müssen, jetzt nicht. Um etwas zu kaufen reicht es nicht. Wir wurden bezüglich Deutschland sehr verletzt. Wir haben mehr arbeiten müssen als die in den Fabriken. Die hatten Schichtarbeit und haben Arbeitslohn bekommen. Es gab auch ein Geschäft, um was zu kaufen. Sie haben Geld bekommen. Und wir haben nur so wenig bekommen. In der Zeitung wurde geschrieben, dass wir zusätzlich 400 Euro bekommen, jetzt wird geschrieben nur 250 Euro. Und wir können die nicht erleben. In den Banken steigen die Prozente, aber nicht für uns. Dies verletzt sehr. Ich möchte mir was zum Essen kaufen und Medikamente. Entschuldigung, dass ich so viel geschrieben habe. Wenn ich was vergessen haben sollte, schreiben Sie mir. Ich werde antworten. Ich bin 78 Jahre alt. Vielleicht habe ich auch was vergessen.

Ich wünsche Ihnen Glück, Gesundheit und alles Gute Ihren Familien.

Mein Sohn ist gekommen, er wird den Brief nach Chmelnizk mitnehmen, einen Umschlag kaufen und wegschicken. Auf Wiedersehen.

Gelmantschuk, Serafima Markivna

Galanjuk, Vera Iv. aus Odessa:

Ich lebte in der Zeit des Krieges mit der Mutter, Popolitova Fewronja Dmitrievna, und zwei Schwestern, Maria und Alexandra, in der Stadt Permomojsk, Ponosnjanskij Rayon, Gebiet Woroschilovgrag, in der heutigen Zeit Gebiet Lugansk.

1942 wurde unsere Stadt von den deutschen Truppen okkupiert. Der Vater befand sich an der Front von Anfang bis zum Schluss des Krieges. 1943 wurde die Mutter mit den 3 Kindern zwangsverbannt nach Deutschland. Es war so, in der Stadt Verfall, Hunger und es wurde in das Gebiet Paltava für landwirtschaftliche Arbeiten geworben. Mutter hatte eingewilligt. Aber anstelle nach Paltava wurden wir in die Stadt Donezk, Gebiet Woroschilovgrad gebracht. Dort wurden wir in den Lager-Sammelpunkt eingewiesen, wo wir uns schon unter der Eskorte der deutschen Truppen befanden. Diejenigen, die versucht haben zu fliehen, wurden ohne Vorwarnung erschossen. Viele junge Leute kamen ums Leben. Nach einiger Zeit wurden wir in Güterzüge gesteckt und unter Eskorte ohne Haltestellen, wenn es welche gab, dann nur ganz kurz irgendwo im Feld unter freiem Himmel, transportiert. Wir wurden nach Lüneburg gebracht, zur Stelle der Aufteilung. Dort hat uns der Arbeitgeber Schmeckman zu sich zum Arbeiten in die Stadt Vastorf genommen. Er arbeitete als Polizist und hatte einen großen landwirtschaftlichen Betrieb. Bei ihm arbeiteten noch weitere 3 Gefangene - Andrej, Kostja, Vasilij und die Polin Helja. Untergebracht wurden wir beim Arbeitgeber im Haus. Wir bekamen zu Essen, wurden gekleidet. Die Mutter und die älteste Schwester arbeiteten zusammen mit den Gefangenen von morgens bis abends im Feld. Ich und die Schwester Alexandra arbeiteten neben dem Haus. Ich hütete im Feld Schafe und half der Schwester im Haushalt. Ich kann mich an sehr große Zimmer erinnern. Meine Schwester und ich stiegen hoch und schrubbten, arbeiteten von morgens bis abends.

Die Arbeit wurde niemandem bezahlt. Wir verkehrten nur unter uns. Mutter und Alexandra fuhren zum Arbeitsamt, um sich über die die Kräfte übersteigende Arbeit zu beschwerden. Dafür holte der Arbeitgeber die Pistole raus und wollte Alexandra erschießen, seine Frau, Frau Schmeckman, hielt ihn davon ab.

Es war eine schwierige und schreckliche Zeit. Befreit wurden wir im Mai 1945 und die ganze Familie wurde nach Hause geschickt.

Die Untersuchung hatten wir im Lager Nr. 219 Stadt Witschmock. Nachweisende Dokumente über unsere Zwangsverbannung nach Deutschland stellte uns das Staatsarchiv Gebier Lugansk aus.

Folgen des Krieges sind: Mutter starb im Alter von 67 Jahren, Maria mit 62 Jahren.Noch lebe ich und Alexandra, die wohnt in Ukraine, Krim.

Eine Entschädigung haben wir bekommen als gefangene Kinder: I. Rate: 600 DM, II. Rate: 498 Euro.

Für die Mutter und Schwester Maria haben wir keine Entschädigung bekommen.

Ich bedanke mich für den Brief und die Marken.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrer Arbeit.

Galanjuk, Vera Iv.

Lasarenko P. M. aus Didkowni:

Mich, einen 17-jährigen Jungen, haben die deutschen Gendarmen zusammen mit unseren kriecherischen Polizisten weggenommen. An das Datum erinnere ich mich nicht mehr genau, es war ungefähr Ende Juni oder Anfang Juli. Wir wurden nicht anhand von Listen abgeholt, sondern einfach der, den sie erwischten. Unter Schutzgeleit wurden wir zu Fuß in die Stadt Owrutsch, 30 km, geschickt, wo wir unter verstärktem Schutzgeleit in Güterwaggons gesteckt wurden. Wohin und über welche Stationen wir gefahren sind, wussten wir nicht. Ich weiß noch, in Peremischel fand eine Umsetzung auf ein anderes Gleis statt, wieder in einen Güterzug. So wurden wir einige Tage transportiert. Durch welche Bahnstationen, wussten wir nicht und konnten es auch nicht sehen. Die Waggons waren abgeschlossen und bewacht.

So wurden wir nach Lüneburg gebracht, übernachteten dort auf Stroh in einem Pferdestall, der mit Stacheldraht umzäunt war. Das Verhältnis der Deutschen und der Polizei zu uns war wie zum Vieh. Wir wurden Schweine genannt und geschlagen. Am Morgen sind die Käufer gekommen und wir, 10-15 Mann, wurden in einem geschlossenen Laster mitgenommen. Wohin es gehen sollte, wussten wir nicht. Abgesetzt wurden wir paarweise. So bin ich nach Kolngagen (Kolkhagen?) zur Hausherrin Ritter gekommen. Da waren schon unsere Mädchen aus Ukraine, ein Weißrusse und fünf Kriegsgefangene. Ich wurde mit keiner Freude empfangen, sondern mit Mitleid, dass ich in die Gefangenschaft geraten bin. Die Hausherrin war in schwarzer Trauerkleidung gekleidet. Ihr Mann ist an der Front in Stalingrad gefallen. Die Hausherrin hat mich nicht persönlich empfangen. Ich wurde mit dem Weißrussen im Kuhstall im der kleinen Butze untergebracht. Zum Abendessen haben wir eine Suppe aus Kohlrabi ohne Brot, Kaffee ohne Zucker bekommen. Am Morgen Arbeit im Feld. Die deutschen Arbeiter hatten ein unfreundliches Verhältnis zu uns. Sie wollten mit uns nicht mal sprechen, nur der Befehl "Arbeite schnell ohne Pausen!". Ohne Erlaubnis dürften wir nicht einmal Wassertrinken gehen.

Uns wurden keine Schuhe, keine Kleidung gestellt. Alles, was wir von Zuhause mitgebracht hatten, war abgenutzt, zerrissen und voll von Läusen. Wir haben ohne Gespür für die Zeit gearbeitet vom Morgen bis Abend und in der Nacht. Tagsüber haben wir auf dem Feld gearbeitet, nach dem Abendessen mussten wir auf der Schweinefarm zwei große Kessel Kartoffeln für die Schweine kochen. Hier gab es auch den Zusatz zu unserem Abendessen.

Von Urlaub und Freizeit war keine Rede, dies gab es nicht. Über eine Bezahlung wurde auch nicht gesprochen. Briefe nach Hause haben wir nicht geschrieben.

Im Winter 1943/44 wurde ich mit meinen Kameraden nach Lüneburg gebracht. Weiter unter strenger Bewachung nach Süddeutschland in die Stadt Lauterbach in eine Fabrik . Untergebracht wurden wir in ein Lager oder Knast umzäunt mit Stacheldraht. Als Bett - Holzbänke ohne jeglichen Lumpen. Zu Essen gab es Kohlrabi, ein Glas kalten Kaffee ohne Zucker, zum Mittagessen 750 gr. von derselben Suppe aus Kohlrabi, zum Abend 250 gr. Brot - kein Brot sondern ein "Stück Ziegelstein" -, 15 gr. Margarine, 15 gr. Zucker und erneut 0,5 l. Kohlrabisuppe. Mit den Deutschen hatten wir keine Gemeinsamkeiten, dafür aber mit den Franzosen. Es gab bei uns in der Werkabteilung 5 Personen, die waren sehr freundlich zu uns. Sie sahen unseren Hunger und Elend und halfen uns, womit sie nur konnten, baten in ihrer Kantine um die Reste von Brot und Suppe, brachten uns alte Kleidung und Schuhe. Und unterstützten uns auch in unserer kräfteübersteigenden Zwangsarbeit. Es gab Vorfälle, dass jemand auf den Befehl des Kommandanten morgens keine Kraft hatte, sofort aufzustehen. Mittags gab es den nicht mehr. Er lebte noch, wurde aber in die Totengrube geschleppt. Solche Vorfälle gab es oft. Nach einem halben Jahr wurden wir unter Schutzgeleit wieder zurück zu unseren Arbeitgebern geschickt. Und da haben wir bis zum April 1945 gearbeitet.

Die Deutschen sahen ihre Katastrophe und wurden immer böser uns gegenüber. Uns war der Grund ihrer Wut nicht bekannt.Wir bekamen keine Informationen über die Lage an der Front und haben alles aushalten und ertragen müssen.

Befreit haben uns die Alliierten am 19. April 1945. Danach mit Autos zum Sammelpunkt eines mir unbekannten Lagers gebracht und danach die Überführung in die sowjetische Zone, in das Reserveschützenregiment. Hier die medizinische Untersuchung, Kriegskommissariat und Wehrdienst in 1214. Schützenregiment - 33. Panzerregiment - 3. Schlagarmee. Demobilisiert wurde ich Ende 1950.

Alles damals Erlebte ist mit schrecklichen Erinnerungen verbunden. Gott beschütze unsere Kinder, Enkel, Urenkel und alle auf der Welt vor solchen Erlebnissen.

Ich habe nach der Demobilisation die Fachschule für Landwirtschaft, Fachrichtung Veterinärmedizin in Nelischajevsk absolviert und habe bis zum Rentenalter in meiner Heimatkolchose gearbeitet. Jetzt bin ich 77 Jahre alt, die Gesundheit ist nicht gut. Ich hoffe noch bei lebendigem Leibe Ihre Entschädigung für unsere Zwangsarbeit zu bekommen.

Lasarenko

Olejnik Maria Grigorivna aus Matusiv:

Liebe Damen! Liebe Herren!

Mitglieder der Lüneburger Abteilung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes der Stadt Lüneburg!

Ich, ..., gebe Antworten auf Ihren Fragebogen.

1. Zur Zwangsarbeit wurde ich durch die deutsche Behörde von 25. April 1943 bis 28. April 1945 verbannt.

2. Nach Deutschland wurden die Gefangenen in Güterzügen, in dreckigen, überfüllten Waggons transportiert. In die Stadt Lüneburg in einem deutschen Zug. Über welche Stationen, kann ich mich nicht mehr erinnern, war in einem sehr schlechten Gesundheitszustand.

3. Von Lüneburg wurden wir mit deutschen Zügen nach Bleckede/Elbe gebracht. Dort kamen die Arbeitgeber und suchten uns wie Vieh auf dem Marktplatz aus.

4. Mein Arbeitgeber brachte mich in einem kleinen Zimmer unter. Die Verhältnisse uns gegenüber waren unterschiedlich. Mein Arbeitgeber verhielt sich mir gegenüber schlecht.

5. Das Essen war sehr schlecht. Obwohl ich Kühe gemolken habe, durfte ich die Milch nicht berühren. Ich habe vom Schluck Milch geträumt. Mich hat faktisch niemand gekleidet. In den drei Jahren bekam ich ein Gefängniskleid und ein Hemd. Die hygienischen Verhältnisse und die medizinische Versorgung fehlten. Man war gezwungen auszuhalten und zu überleben. Geholfen hat wahrscheinlich die Jugend.

6. Der Arbeitstag ging von 6 Uhr morgens bis 7-8 Uhr abends. Über Urlaub, freie Zeit wurde nicht gesprochen. Richtige Sklaverei. Briefe habe ich geschrieben.

7. Meine Arbeit wurde nicht entlohnt.

8. Das Verhältnis zu uns war verschieden. Aber sogar in der Kriegszeit gab es unter der deutschen Bevölkerung Menschen, die uns Sklaven verstehen konnten. Ich werde mich an den Namen Heinrich Schutte - er war ein Vorgesetzter - bis zum Tode erinnern und niemals vergessen. Er war ein sehr gutherziger Mensch. Ich habe ihn persönlich nicht gekannt, aber bei Begegnungen mit uns Sklaven hat er uns immer sehr freundlich gegrüßt und in den Augen sah man den Schmerz für uns und die Scham für die, die uns dorthin verbannt haben.

9. Der Arbeit habe ich mich nicht widersetzt. Ich hatte große Angst und den starken Wunsch, in die Heimat zurückzukehren.

10.Mit der Ankunft der amerikanischen Armee wurden alle aus Bleckede in den Wald gebracht und von dort aus sind wir zu Fuß zum Sammelpunkt nach Lüneburg gegangen.

Was bedeutet diese Zeit für mich heute? Ich bin schon eine 80 Jahre alte Frau, verfolge aber sehr aufmerksam Informationen über das internationale Leben von Staaten. Freue mich, einen Brief-Fragebogen von Ihnen erhalten zu haben, dass es eine Organisation gibt wie Ihre, der Schicksale von Leuten wie ich nicht gleichgültig sind. Die beweisenden Dokumente über die Zeit in Deutschland habe ich rechtzeitig erhalten.

Sie fragen, welche Erwartungen und Wünsche habe ich von den verantwortlichen politischen Personen in Lüneburg? Ich wünsche allen Frieden, Freude, Gottes Segen!

Doch...ich habe eine kleine Bitte, wenn es möglich ist. Fragen Sie bitte bei den Abgeordneten der ukrainischen nationalen Stiftung "Verständigung und Versöhnung" im Kabinett I des ukrainischen Ministeriums nach, wann werde ich den ersten Teil der mir zustehender Entschädigung bekommen? Wo ist das Geld, das die deutsche Regierung für mich überwiesen hat? Alle, wie ich Betroffene, haben das Geld schon längst bekommen. Als ich mich zwecks der Bescheinigung an die Stiftung "Verständigung und Versöhnung" der Stadt Tscherkassi wandte, wurde mir geantwortet, es sei ein Computerabsturz passiert und dadurch bin ich nach ihren Angaben bereits verstorben. Dies war für mich ein schwerster Schlag. Verstehen Sie mich richtig. Mich interessiert inzwischen nicht die materielle Frage, sondern die moralische. Es hat sich niemand bei mir entschuldigt. Ich wurde in einer sehr unfreundlichen Form aufgefordert, erneut die Dokumente zusammenzustellen, was meine Tochter bereits getan hat. Sie haben versprochen bis zum Silvester mir das Geld auszuzahlen, noch ist es nicht passiert. Ich glaube nicht daran.

Ich bedanke mich noch einmal vom ganzen Herzen dafür, dass Sie an Leuten wie ich denken und sich Sorgen machen!

Mit Achtung - Olejnik, Maria Grigorivna

Perebojtschuk Mikola aus Wolinsk:

1. Ich, ..., wurde Anfang Juni 1942 aus dem Dorf Baikivzi, Kovelskij Rayon, Gebiet Wolinsk, Ukraine weggenommen.

2. Bin nach Lüneburg mit dem Zug über Lodz, Berlin, Hannover angekommen.

3. Habe in der Fabrik Faserwerk gearbeitet, habe 5 Monate gearbeitet.

4. Habe im Lager gelebt, wurden unter Schutzgeleit zur Arbeit geführt, das Verhältnis zu uns Arbeitern war schlimm.

5. Das Essen war schlecht. Wir sind barfuß rumgelaufen. Die medizinische Versorgung und die Hygiene waren schlimm.

6. Ich habe verschiedene Arbeitstätigkeiten ausgeführt. Der Arbeitstag war 10-12 Stunden, manchmal vielleicht noch länger, ich weiß es nicht mehr. Ich habe eine Woche in der Nachtschicht gearbeitet, die darauf folgende Woche am Tag. Urlaub hat es nicht gegeben. In der freien Zeit habe ich überlegt, woher ich Essen bekommen könnte. Briefe nach Hause haben wir geschrieben, aber der Inhalt der Briefe wurde kontrolliert und was nicht passte, wurde durchgestrichen.

7. Wir haben einen geringen Arbeitslohn erhalten, für den man nichts kaufen konnte.

8. Zwischen den Arbeitern bestanden keine Verhältnisse, jeder arbeitete für sich hin. Manchmal, wenn wir draußen waren, hat die einheimische Bevölkerung uns Stückchen Brot gegeben.

9. Einmal wollte ich nicht arbeiten gehen, denn ich habe nach den Schlägen ein geschwollenes Bein gehabt, aber ich wurde noch doller geschlagen und musste doch arbeiten gehen.

10. Nach 5 Monaten des Aufenthaltes in Lüneburg wurde ich in die Zuckerfabrik in den Landkreis Braunschweig geschickt, wo ich 3 Monate gewesen bin. Danach wieder nach Lüneburg in die Fabrik, wo ich vorher gewesen bin und habe bis Juli 1945 dort gearbeitet.

Den Weg nach Hause bin ich größtenteils zu Fuß gegangen, eine kleine Strecke mit dem Zug. Nach Wolkowisk angekommen, Weißrussland, wurden ich und die anderen bis Juli 1945 festgehalten und erst danach kamen wir nach Hause.

Diese Zeit war für mich Plackerei. Manchmal danke ich Gott dafür, dass ich verbannt wurde und am Leben geblieben bin, ansonsten wäre ich an die Front gekommen und gefallen.

11. Ich habe irgend ein Dokument besessen, aber es sind so viele Jahre vergangen und ich kann es nicht finden.

Perebojtschuk, Mikola

Dubkova Tamara Alexandrowna aus Konstantinovka:

Guten Tag liebe Herrschaften!

Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass es Sie gibt, das Sie an uns denken, Mitleid mit uns haben. Ein bisschen über mich:

Im frühen Frühjahr 1942 wurden ich und andere Kinder aus dem Weisenhaus Krementschutschsk nach Deutschland weggenommen. Damals war ich 14 Jahre, Vollweise, besaß keinerlei Dokumente. Wir wurden im Güterzug ca. 2 Wochen transportiert. Zuerst kamen wir in ein polnisches Lager, danach in ein nächstes, drittes. Welche Lager es gewesen sind, weiß ich nicht mehr. Vom Lager wurden wir mit einem Bus in ein Dorf, ca. 5 km. von Lüneburg entfernt, gebracht. Da sind wir auf Höfe aufgeteilt worden, nach kurzer Zeit wurden wir wieder eingesammelt und nach Lüneburg gefahren, um alle aufzunehmen und Fingerabdrücke anzufertigen. Wie meine Hausherrin hieß, kann ich mich nicht mehr genau erinnern, vielleicht. "Frau Rade.." Ich weiß, sie hatte 3 Kinder: zwei Mädchen - Magri und Gertrud, und einen Sohn Adolf. Der Mann war an der Front. Außer mich hatte sie noch zwei weitere Arbeiter: Eine Polin und einen Franzosen.

Wir haben im Haus der Herrin gelebt, haben in normalen Betten geschlafen. Die Lebensbedingungen waren für die Kriegszeit befriedigend. Auch die hygienischen Verhältnisse und die medizinische Versorgung waren in Ordnung.

Da Essen war in Ordnung, wir haben aus "einem Kessel" gegessen. Was die Hausherrin gegessen hat, bekamen wir auch zum Essen.

Kleidung bekamen wir vom Arbeitsamt. Ich war vom Anfang an ein schwaches, dünnes Mädchen und ich hatte keine Kraft Männerarbeit auszuführen, dafür hat die Hausherrin mich immer auf den Kopf geschlagen. Die Polin hat mir zugeraten, an den Polizisten mich zu wenden. Er ist zu uns gekommen, hat über die Hausherrin geschimpft und angedroht, ihr die Arbeiter wegzunehmen. Nach diesem Vorfall hat sie mich nicht mehr geschlagen und ich habe langsam Kräfte geschöpft, wurde gesünder. Mit der Zeit habe ich auch meine Arbeit geschafft. Im Sommer haben wir im Garten gearbeitet: umgegraben, gepflanzt, den Garten von Unkraut gesäubert, geerntet, Humus in den Garten gefahren. Wir erledigten, so zu sagen, die anfallende landwirtschaftliche Arbeit. Wir haben schwere Säcke mit Gemüse gehoben und geschleppt, abends konnten wir uns kaum auf den Beinen halten. Im Winter bin ich nach Holz in den Wald gefahren. Ich habe selber Bäume gefällt und gehackt, zum Hof gebracht und eingelagert. Es war physisch sehr schwer. Der Arbeitstag war im Sommer 15-16 Stunden, im Winter 14 Stunden. Ich habe vom frühen Morgen bis zum späten Abend gearbeitet. Urlaub gab es nicht. Für eine so anstrengende Arbeit wurde sehr schlecht bezahlt: 18 Mark im Monat. Die Höhe des Arbeitslohnes hing vom Alter ab. Je jünger, umso weniger der Arbeitslohn. Mehr als 20 Mark hat keiner bekommen. Für dieses Geld konnte man nichts kaufen, denn es ist sehr wenig Geld gewesen. Aber auch dieses armselige Geld bekam man nicht immer, außerdem wurde mir mein Geld geklaut.

Die Verhältnisse zu anderen Arbeitern und der einheimischen Bevölkerung war normal. Ich habe mich nicht geweigert zu arbeiten und habe auch keine Widerstände geäußert. Das Verhältnis zur Hausherrin war entsprechend der von der Kommandantur aufgestellten Regeln gewesen. Sonntagnachmittags durfte ich freimachen. Ich durfte meine Freundin besuchen, die in der Nachbarschaft arbeitete. Um 20 Uhr abends musste ich Zuhause sein. Briefe zu schreiben war mir erlaubt, aber wohin sollte ich schreiben?

Befreit wurden wir durch die amerikanischen Truppen. Zuerst haben die uns in einheimischen Häusern untergebracht, gaben uns zu Essen, zu Trinken. Danach haben Sie uns zu den Russen überführt.

Die Jahre in Deutschland sind Vergangenheit, aber sie haben in der Seele Spuren von Schmerz und Kränkung hinterlassen. Ich, wie auch alle Kinder der Kriegszeit, wurde der Kindheit beraubt. Wir lernten das Leben von der schrecklichen, grausamen Seite kennen, lernten Hunger und Kälte kennen, Unglück und Elend. Wer gewagt hat negative Kritik zu äußern, wurde in ein Konzentrationslager geschickt. Wir wussten nur eins: arbeite und schweige. Ich bin der Meinung, dass die Politik, welche Deutschland mit Verständigung und Versöhnung führt, richtig ist. Das den ehemaligen Zwangsarbeitern eine Entschädigung ausgezahlt wird, ist sehr gerecht. Ich hoffe noch einen Zusatz zu bekommen, denn ich arbeitete als Minderjährige.

Zum Schluss möchte ich eins sagen: Faschismus - ein schreckliches Ungeheuer, Gott bewahre, dass es nicht noch einmal seinen Kopf hebt.

Mein Mädchenname: Newidoma, Tamara

W. Ganonjuk aus Komarno:

1943 wurde ich mit Zwang von deutsche Truppen aus dem Dorf Bilitsche, Gebiet Wolinsk, Matziiwskij Rayon zur Bahnhofsstation Matziiw gebracht, wo ich zusammen mit anderen aus der zivilen Bevölkerung im Güterzug durch Warschau, Berlin bis nach Lüneburg transportiert wurde. Wir wurden zum Arbeitsamt gefahren, dort haben auf uns Bauern gewartet, die uns ausgesucht und in ihre Betriebe mitgenommen haben. Mich hat der Bauer Schulz zu sich genommen, hat mich mit einem Trecker in seinen Betrieb in das Dorf Dumdorf gefahren. Ich habe ein Zimmer im Dachgeschoss über dem Vieh bekommen, dort hat ein Bett gestanden. Auf dem Bett haben zwei Federdecken gelegen, weil es keine Heizung gegeben hat. Gearbeitet haben wir von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Ab 6 Uhr morgens habe ich bei den Pferden sauber machen und sie füttern müssen. Danach hat es das Frühstück gegeben und danach die Arbeit im Feld. Im Feld haben wir bis abends gearbeitet, abends noch mal im Schuppen saubergemacht, danach Abendbrot und Schlafengehen. Am Sonntag sind wir nicht in das Feld arbeiten gegangen, haben nur das Vieh gefüttert. Das Essen war sehr schlecht. Oft hat es gekochtes Essen gegeben in dem oben Würmer geschwommen haben. Und im Sirup, den wir auf Brot zum Kaffe geschmiert haben, gab es lebende Würmer. Der Herr hatte kein schlechtes Verhältnis zu uns, aber die Herrin war ein sehr böser Mensch. Ich habe bei dem Herren bis zum Winter gearbeitet, dann hat er mich nach Lüneburg in das Arbeitsamt gefahren. Das Arbeitsamt hat mich in die Fabrik Kalkwerk in die Bardowicker Str. 1 geschickt. Dort wurde ich zum Arbeiten in den Steinbruch geschickt. Ich habe Steine ausgehöhlt und sie mit der Karre zum Ausgang gefahren. Hier wurde ich sehr schlecht ernährt. Der Arbeitslohn ist ein Paar Mark im Monat gewesen. Für dieses Geld konnte man Brot und Bier am Wochenende kaufen. Die einfachen Deutschen haben ein gutes Verhältnis zu uns gehabt. Es hat keinen Urlaub gegeben. Am Wochenende bin ich spazieren gegangen und habe die Schaufenster der Geschäfte besichtigt.

Ein paar Mal gab es in unserer Gegend Luftangriffe. Auf unsere Straße sind keine Bomben gefallen. Ich bin dabei gewesen, als eine Bombe am Bahnhof auf den Ausgang des Luftschutzkellers gefallen ist. In diesen Luftschutzkeller hatte die Polizei die angekommenen Passante bei Alarmauslösung geschickt. Alle Passanten sind durch die Schlagwelle getötet worden. Von oben haben wir eine Spalte in den Luftschutzraum durchgeschlagen und haben diese abgedeckt. Wir haben die ganze Nacht gearbeitet. Alles ringsherum wurde durch Fackeln beleuchtet. In den Luftschutzraum wurde ich mit einer Fackel durch die Spalte hinuntergelassen. Ich habe die Schlinge um die Hände des Toten festgemacht und er wurde hach oben gezogen. Alle Getöteten haben ausgesehen, als ob sie gerade eingeschlafen wären. Ich erinnere mich an eine junge Frau mit einem Kind auf dem Arm. Es war sehr schwer mit der Schlinge beide zu fassen. Dann wurden Kisten anstatt der Särge gebracht und wir haben die Menschen in die Kisten gelegt und die Kisten auf Autos geladen. Eine ganze Kolonne von Autos ist entlang des Rathauses gefahren und wieder gab es einen Luftangriff. Einige Autos wurden zerstört, die Toten auseinander geschmissen. Wir haben sie erneut auf die Autos geladen und zum Friedhof gefahren. Da gab es schon große Gräber, in die wir sie beerdigt haben.

In unseren Ort sind die englischen-amerikanischen Truppen gekommen und die Fabrik hat aufgehört zu arbeiten. Dann habe ich einige Zeit in einem Klärwerk gearbeitet. Danach habe auch ich den Wunsch gehabt nach Hause zu fahren. Zusammen mit anderen wurde ich über die Elbe geschickt. Dokumente über meinen Aufenthalt in Lüneburg habe ich sehr schnell erhalten.

Ich möchte gerne noch ein mal Lüneburg auf dem Foto oder mit eigenen Augen sehen wollen.

W. Ganonjuk

Sonina Proskowia Prokopiwna aus Novograd:

1. Am 22. Juni 1942 wurde ich, Choma, Proskowia Prokopiwna - jetzt Sanina, im Umgang wurde ich Chomowa Pascha genannt -, aus dem Dorf Karisen, Satonskie Rayon, Gebiet Kalijanez - Podilsk, jetzt Winkowezkij Rayon, Gebiet Chmelnizk, nach Deutschland weggenommen. Abgeholt wurde ich von der Polizei und 3 deutschen Soldaten. Aus dem Dorf wurden 70 Menschen mitgenommen.

2. Bis zum Dorf Dukaivzi sind wir mit der Kutsche gefahren von da an mit dem Güterzug bis nach Deutschland. Über welche Stationen wir gefahren sind weiß ich nicht mehr, aber der Zug hat mehrmals gehalten.

3. Alle sind wir in Hannover angekommen, wo wir an der Bahnstation ausgestiegen sind und in das Lager geführt wurden. Dieses war sehr groß, es waren viele Gefangene, die da gelebt haben. Ich erinnere mich, dass sie sehr geschlagen wurden.

Wir wurden da untergebracht. Ich erinnere mich an Holzbänke, auf denen wir gesessen haben und unsere Sachen in den Armen gehalten haben.

Am selben Tag noch ist ein Bus gekommen und hat 22 Frauen und junge Mädchen mitgenommen. Wohin wir gebracht werden, haben wir nicht gewusst. Von den 70 Menschen aus meinem Dorf war ich die einzige, die mitgenommen wurde. Unterwegs sind 2 Mädchen ausgestiegen und wir, die anderen, wurden nach Lüneburg in die Backfabrik gebracht.

4. Hier haben wir übernachtet. Nachts hat es einen Luftangriff gegeben und wir haben uns im Keller versteckt. Morgens haben wir ein Dampfbad bekommen, danach wurden wir in das Arbeitsamt geführt, wo Fingerabdrücke gemacht wurden, wir haben uns zu zweit aufstellen müssen. Es sind ein Deutscher und eine Deutsche gekommen und haben uns ausgesucht. Nur ich bin nach Heiligenteil zu Frau von Meller gekommen.

5. Mich hat die Arbeiterin Ingrid abgeholt, die mit dem Fahrrad gekommen war und auch mit dem Fahrrad zurückgefahren ist. Ich bin 8 km bis zum Dorf zu Fuß gelaufen, denn ich konnte nicht Fahrradfahren.

Ich wurde ich einem großen Schuppen - Mühle - untergebracht, wo sich befanden: abgesondert 2 kleine Zimmer. In einem Zimmer haben 3 junge polnische Männer gelebt und im anderem ein Mädchen aus dem Gebiet Leningrad, Gegend Pskov: Nikandrowa, Antonina Kidratiwna. Zu der bin ich gekommen. Sie hatte schon einen Monat hier gearbeitet.

Im Zimmer standen zwei Betten, ein kleiner Kanonenofen, auf dem wir uns selber Wasser zum Waschen gewärmt haben.

Essen bekamen wir aus der Küche, dreimal am Tag: morgens - Aufstrich mit Brot, mittags - erster Gang, den zweiten Gang für den Abend. Die Ernährung war nicht schlecht.

Wir haben unsere mitgebrachte Kleidung getragen. Wenn sie kaputt ging, hat die Herrin uns andere gekauft, dies ist aber äußerst selten passiert. Auf der Kleidung haben wir das Zeichen "OST" getragen.

6. Ich habe verschiedene Tätigkeiten ausgeführt, habe im Haus gearbeitet, auf dem Feld, an der Mühle. Der Arbeitstag war von morgens bis abends, aber es gab eine Mittagspause.

Einmal in der Woche gab es einen freien Tag. Ich bin in das Nachbardorf Rettmer gegangen, wo viele unserer Ukrainer arbeiteten.

Briefe nach Hause konnte ich anfangs nicht schreiben, danach schon. Aber diese sind selten Zuhause angekommen.

7. Für die Arbeit haben wir im Monat 12 Mark bekommen. Für dieses Geld haben wir uns notwendige Sachen gekauft: Kleidung, Schuhe.

8. Die Verhältnisse mit anderen Arbeitern, sowie zu den Deutschen, waren gut. Es waren auch einfache Deutsche da, die für die Herrin gearbeitet haben. Sie hat ihnen Häuser gebaut ,in denen sie gelebt haben und dafür haben sie bei ihr gearbeitet. Die Herrin hatte eine eigene Kirche, einen Friedhof, einen Viehzuchtbetrieb. Sie war reich, hatte aber ein menschenwürdiges Verhältnis zu uns. Ihr Mann war verstorben und sie hatte einen Mann eingestellt, der wie ein Herr war und hat alles geleitet. Die Herrin hat nur Befehle erteilt. Sie hatte 2 Mädchen - Helga und Wajbuj und 3 Söhne, die zu der Zeit bei der Armee waren.

9. Arbeitsverweigerungen gab es keine, aber die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung waren auch in Ordnung.

10. Befreit wurden wir durch die amerikanischen Truppen im April im Jahr 1945. Sie haben den Herrenhof besetzt, das zweistöckige Haus besetzt und haben dort einen Stab eingerichtet. Die Herrin wurde in der Kirche angesiedelt.

Die Amerikaner haben sich zu uns nicht schlecht verhalten. Dann sind die sowjetischen Truppen gekommen, haben uns zusammengerufen und gesagt, dass wir nichts plündern sollen. Nach ungefähr einer Woche hat irgendein Herr uns nach Lüneburg gefahren, wo sich alle zur Ausreise versammelten. Ich habe nichts mitgenommen, aber die Herrin hat mir ein Kleid und ein Paar Schuhe mitgegeben.

Aber sofort wurden wir nicht wegtransportiert, zuerst sind wir noch durch die Ortschaften, wo wir gelebt haben, gefahren.

Danach sind wir zu einer Stelle angekommen, wo sich das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten befand. Dort haben wir Dokumente bekommen, wurden nach dem Lebenslauf gefragt, wohin wir fahren wollen und erst danach wurden wir im Güterzug nach Hause geschickt.

Meine ganze Jugend ist in der Gefangenschaft verlaufen. Ich habe in der Fremde gearbeitet und bin mit Nichts nach Hause gekommen.

Aber da hat es noch etwas andere gegeben. Ich habe dort einen jungen ukrainischen Mann aus Charkow getroffen. Wir haben uns befreundet, haben uns in einander verliebt. Das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten hat uns erlaubt zusammen nach Hause zu fahren. Dort haben wir unsere Familie gegründet. Nach einem halben Jahr, schon Zuhause, haben wir eine Tochter bekommen.

Mein Mann war auch zwangsverbannt nach Deutschland gewesen. Er hat auch in einer Fabrik gearbeitet, wurde gedemütigt, daraufhin ist er geflüchtet, danach in ein Konzentrationslager gekommen bis zur Befreiung. Er ist am 12. Juni 1991 verstorben. Für sein Leben hat sich niemand interessiert.

11. Die mir wichtigen Dokumente über den Lebensabschnitt habe ich ohne große Probleme erhalten.

Der Erhalt der ersten Entschädigung hat sich problemlos gestaltet, aber jetzt sind Probleme aufgetaucht. Diese Probleme sind dadurch entstanden, weil ich nach einer Bescheinigung über die Arbeit in der Backfabrik gefragt wurde. Dort war ich zwar registriert, aber ich habe dort nicht gearbeitet, bin gleich zur Herrin gekommen. Ich habe alles dem nationalen Fond des Gebietes Schitomer "Verständigung und Versöhnung" mitgeteilt. Ob ich eine Unterstützung bekommen werde, weiß ich nicht. Es gab auch Probleme mit dem Nachnahmen, mein Mädchennahme, Choma, Proskowia, im Umgang wurde ich Chomowa, Pascha genannt.

Meine Wünsche sind folgende:

Ich bin jetzt 82 Jahre, bin schon alt. An die deutsche Frau, an das Leben in Deutschland und an die Leute, mit denen mich das Schicksal zusammengeführt hat erinnere ich mich gerne. Möchte gerne über das weitere Schicksal meiner Freundin, der Nikandrowa, Antonina Kidratiwna erfahren wollen, sowie darüber, wie die Familie von Frau von Meller lebt.

Jetzt ist das Leben besonders für alte Leute schwierig. Ich möchte gerne noch die versprochene Entschädigung erleben wollen oder erfahren, ob ich eine bekommen werde.

Bitte um Verzeihung, falls Sie Ungenauigkeiten entdecken sollten. Es kann sein, dass ich nicht mehr an alles mich genau erinnern kann.

In Ehren

Sanina - Choma - Chomowa Proskowia Prokopivna

Ich warte auf eine Antwort und werde Ihnen helfen, womit ich nur kann.

Nikolischena Olga Grigorjevna aus Kosogirka:

Ich beschreibe, wie ich nach Deutschland verbannt wurde: Es kam ein Befehl vom Dorfsowjet, dass viele Menschen nach Deutschland fahren müssen. Die für den Dorfssowjet gearbeitet haben, haben ausgewählt, wer fahren soll. Ob du wolltest oder nicht, du bist gezwungen worden zu fahren. Wen die "Schutzmani" (Schutzmänner?) fangen konnten, haben sie in der Rajon gefahren, dort in Autos gesteckt und über Stationen transportiert. Wie die Stationen geheißen haben, weiß ich nicht. Hier wurde uns ein Dampfbad vorbereitet. Wir sind alle vier zu Bauern gekommen. Nicht alle zu einem, aber in ein Dorf. Habe alle Arbeiten erledigt, die mir zugeteilt wurden sind. Was ich bezahlt bekommen habe, weiß ich nicht. Ich habe dafür nichts kaufen können. Die Hausherrin hat mir irgendeine Weste, einen Anzug zur Verfügung gestellt und ich hatte ein Kleid noch von Zuhause. So war ich gekleidet. Wir haben das gegessen, was wir bekommen haben. Der Arbeitstag war von morgens bis abends. Ich habe keine Briefe nach Hause geschrieben.

Ich habe mich - nach der Befreiung - an ältere Leute gehalten und bin mit ihnen zusammen gefahren. So bin ich irgendwie Zuhause angekommen, bin in die Kolchose arbeiten gegangen. Und jetzt kann ich nicht laufen, die Füße können nicht mehr.

Mein Dorf: Aklenburg (Artlenburg?). Mehr weiß ich nicht, denn ich bin Analphabetin.

Vielleicht denken Sie, dass ich von mir aus gefahren bin? Von meinen Eltern weg?

Wir haben uns lange bei Nachbarn versteckt. Aber es gab keinen Ausweg, wir müssten (nach Deutschland) fahren.

Und jetzt die andere Plackerei - das hohe Alter.

Nikolischena, Olga Grigorjevna

Mischuk Wladimir Maksimiwitsch aus Oserjani:

Ich, ... , geb. 1925, Bürger der Ukraine, Bewohner der Dorfes Oserjani, Tupieskij Rayon, Gebiet Wolinsk, gebe Antworten auf die Fragen in dem erhaltenen Fragebogen:

1. Wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland aus dem Dorf Tscherniew, Rayon Turgejskij, Gebiet Wolinsk verbannt Anfang 1942 durch die deutsche Polizei.

2. Bis zur Bahnhofsstation Kowel wurden wir aus Tscherniew mit der Pferdekutsche transportiert und von Kowel nach Lüneburg in geschlossenen Güterwaggons. An die Stationen kann ich mich nicht erinnern, weil ich die nicht gesehen habe. Essen haben wir unterwegs nicht bekommen. Haben uns vom dem, was wir mithatten, ernährt.

Ich war hungernd unterwegs, denn als wir in Kowel über die Brücke zum Bahnhof gegangen sind, habe ich meinen Koffer mit Essen und Kleidung fallen lassen. Als ich mich gebückt habe, um ihn aufzunehmen, hat der Polizist mich geschlagen und den Koffer mit dem Fuß in den Fluss gestoßen und ich bin ohne Kleidung und Essen geblieben.

3. In Lüneburg wurden wir aufgeteilt und ich bin nach Hannover in die Fabrik "Fesewerk" gekommen. Habe Arbeitsbekleidung und Schuhe aus Holz bekommen, sowie die Nr. 19.

4. Wir wurden im Lager mit Stacheldraht untergebracht, haben auf Holzschlafbänken geschlafen, es waren schreckliche Wohnumstände.

5. Wir haben einmal am Tag Essen bekommen: 1 Liter gekochten Kohl und Steckrüben und 200 gr. schlechtes Brot mit Zutaten, damit es schwer wurde. Es hat keine medizinische Versorgung gegeben. Waren oft an Ruhr und anderen Erkrankungen erkrankt, aber darauf wurde keine Rücksicht genommen. Die, die nachts gestorben sind, wurden morgens mit einem zweirädrigen Wagen abgeholt und in die vorbereiteten Laufgräben gebracht. Die Toten wurden mit Kalk zugeschüttet.

6. Meine Arbeit bestand darin, aus den Brettern Büscheln zu machen. Dafür wurden die Bretter in eine Lösung kaustischer Soda eingeweicht. Die Büschel wurden gepresst und in die Fabrik geschickt. Haben 12 Stunden in zwei Schichten gearbeitet. Urlaube und freie Tage gab es nicht.

Einmal im Monat dürfte man Briefe nach Hause schreiben.

7. Unsere Arbeit wurde lange Zeit gar nicht entlohnt. Später haben wir 20 Mark im Monat bekommen.

8. Mit der deutschen Bevölkerung dürften wir keine Kontakte aufnehmen. Mit anderen Arbeitern haben wir uns während der Arbeit und im Lager unterhalten.

9. In unserem Lager gab es keine Aufstände. Aber es gab einzelne Fluchtversuche, nach welchen die Leute gefangen wurden und in Konzentrationslagern geschickt wurden. Ich bin zu meinem Bruder, der in Deutschland bei einem Bauern gearbeitet hat, geflüchtet. Nach meiner Rückkehr bin ich ins Gefängnis gekommen.

Aber bei der Auszahlung der Entschädigung für die Zwangsarbeit in Deutschland wurde dies nicht berücksichtigt.

10. Befreit wurde ich im Mai 1945 durch englische Truppen. Erinnere mich mit Schrecken an die Zeit. Die schwere Arbeit und der Hunger haben sich auf meine Gesundheit niedergeschlagen und ich wurde Invalide der Arbeit.

11. Ich habe bei der Arbeit in Deutschland mit kaustischer Soda und anderen giftigen Stoffen zu tun gehabt. Aber diese Tatsache wurde bei der Entschädigung nicht berücksichtigt sowie auch meine Zeit im Gefängnis. Meine Entschädigung beträgt 2198 Euro, die ich noch nicht gänzlich bekommen habe. Möchte gerne noch zu Lebzeiten diese bekommen.

Ich schicke mein Foto mit Nr. 19. Das andere Foto ist ein gemeinsames Foto nach der Befreiung, neben dem alten Gefängnis...

Das dritte Foto ist von meinem deutschen Meister aus der Fabrik, wo ich gearbeitet habe. Er ist ein guter Mensch gewesen. Wenn er gesehen hat, dass ich erschöpft, hungrig und ganz ohne Kräfte gewesen bin, hat er mich heimlich zu sich gerufen und hat mir ein Stück von seinem Butterbrot abgeschnitten. Es reichte, um 1-2 mal abzubeißen. Vielleicht ist er noch am Leben. Ich bedanke mich bei ihm und seiner Familie. Er hat eine Frau und ich glaube einen Sohn gehabt. Und er hat Willi geheißen, den Nachnamen weiß ich nicht mehr.

Mit den besten Wünschen

Wladimir Maksimowitssch Mischuk.

Karpa Ganna Ivanivna aus Satnilivka:

Ich... wurde nach Deutschland im Frühjahr 1942 weggenommen. Wir wurden mit dem Zug bis nach Krokowo ,Polen, transportiert, dort wurden wir medizinisch begutachtet. Von da aus wurden wir nach Hamburg transportiert. Dort an dem Bahnhof sind Bauern zu uns gekommen und haben uns zu sich zum Arbeiten mitgenommen.

Mein Arbeitgeber, Fritz Wilkens, ist mit einem Auto gekommen und hat mich und einen jungen Mann aus meinem Nachbarsdorf mitgenommen. Wir sind im Lüberstedt angekommen. Ich habe in einem Zimmer mit der Polin Juseja, in einem Haus mit den Herrschaften gelebt. Mit uns haben noch 3 Franzosen gearbeitet und eine slowakische Familie. Sie alle haben im Haus nebenan gelebt. Wir haben alles, was uns der Arbeitgeber gesagt hat, im Haushalt gemacht. Im Haushalt haben die Tochter Alma und Elsa, die Tochter vom Bruder gelebt. Die eigene Tochter und die Tochter vom Bruder haben mit uns zusammen gearbeitet.

Außer der Arbeit haben sie der Reihe nach wöchentlich Essen gekocht. Ernährt wurden wir, für die Zeit gesehen, normal.

Für die Arbeit haben wir 20 Mark im Monat bekommen. Mit den Arbeitern habe ich ein gutes Verhältnis gehabt.

Uns haben die Amerikaner befreit. Und ich bin nach Hause gefahren. Ich möchte gern wissen, ob jemand aus der Familie noch lebt.

Ich habe keine Anforderungen an sie.

Karpa, Ganna Ivanivna

Sharko Pötr Michajlowitsch aus Alexandrija:

Guten Tag, sehr geehrte Menschen der Stadt Lüneburg. Ich möchte Ihnen meinen Aufenthalt in Ihrer Stadt beschreiben, liebe Leute. Geboren bin ich im Dorf Kuzewolka, Rayon Onufrijewski, Gebiet Kirowogradski.

Wir waren beim Schulunterricht. Die Deutschen kamen mit den Autos, luden uns ein und brachten uns in die Stadt Alexandria zur pädagogischen Fachschule. Wir mussten dort unter Bewachung eine Nacht bleiben, uns morgens in einer Reihe aufstellen und wurden zum Bahnhof geschickt. Auf dem Bahnhof wurden wir in die Güterwaggons beladen, die Türen verriegelt und wir fuhren - keiner wusste wohin. Der Zug hielt in der Stadt Lwow an, die Türen gingen auf, aber keiner durfte rausgehen. Wir bekamen Wasser zum Trinken und erneut wurden die Türen verriegelt, der Zug fuhr weiter. Paar Stunden später hielt der Zug erneut in Polen in der Stadt Warschau kurz an und fuhr mit der Ampel (?) bis zur Stadt Posnan weiter. Die Türen wurden erst in Berlin geöffnet. Wir wurden ausgeladen und in 2 Reihen aufgestellt. Irgendein geschlossenes Auto in Waggonart kam angefahren. Wir mussten uns nackig ausziehen und unsere Sachen wurden im Auto desinfiziert. Dann musste jeder zu irgendeinem Gerät rangehen und auf unser Körper wurde irgendein Pulver gepustet. Danach durften wir uns wieder anziehen. Dann wurden wir in eine Reihe gestellt, registriert und unsere Adresse mit Geburtsdatum wurde aufgeschrieben. Zu uns kamen Deutsche und suchten sich Frauen und Männer aus. Uns sechs Männer suchte ein älterer Mann aus, brachte uns zum anderen Platz, in einem Personenwaggon. Wir kamen in die Stadt Hannover an und von dort nach Lüneburg. Als wir am Bahnhof ankamen, befahl uns der Chef, aufzustehen. Auf uns kamen zwei Bewaffnete in der Kriegsuniform zu und führte uns durch die ganze Stadt zum Stadtrand. An der rechten Seite war eine Kirche und hinter der Biegung links ein Gefängnis. Dort wurden wir auch untergebracht. Über dem hohen Zaun befand sich irgendeine Fachschule und gegenüber der Fachschule ein nicht hoher Berg. Wir wurden in einen großen Saal auf der linken Seite geführt. Dort standen zweistöckige Betten ohne Matratzen und Kissen und wir übernachteten auf den Panzernetzen. Am Morgen wurden wir zu den Zellen gebracht. Meine war die vierte am Ende des Flurs auf der linken Seite. Wir bekamen nichts zu Essen. Erst am dritten Tag gab es Spinatsuppe mit einem kleinen Stückchen Brot. Danach brachten uns zwei Deutsche zu den Eisenbahnschienen in der Nähe des Bahnhofs. Dort wurden wir in ein Heft mit Hausadresse und Name eingetragen, jeder bekam Kleidung und Instrumente. Dazu wurden uns zwei ältere Männer gegeben, der dritte war jünger, der Meister, und kommandierte rum. Den ganzen Tag schrie er:"Schnell! Schnell!". Die Norm war: 10 Schwellen für zwei, alte rausnehmen, neue reinsetzen. Mit dem Arbeitsumfang fertig zu werden mit dem hungrigen Magen war nicht leicht. So ging das jeden Tag. Wir mussten jeden Tag bei jedem Wetter arbeiten und durften am Sonntag uns ausruhen. Zum Essen bekamen wir morgens und abends Steckrübensuppe mit einem Stückchen Brot, am Mittag blieben wir hungrig.

Die Menschen behandelten uns mitfühlend, besonders deutsche Frauen brachten Brot, Kartoffeln und gaben uns die Möglichkeit zu überleben. Ich hatte Glück, weil ich etwas Deutsch aus der Schule kannte. Wir hatten eine deutsche Lehrerin aus Rostock. Sie kannte viele Sprachen und war sehr fordernd und streng. Wir hatten vor ihr Angst und waren in ihrem Fach gut oder super. Ich war sehr gut.

Manchmal nahm ich das Schild "Ost" ab und ging in die Geschäfte, besorgte Brot und Kartoffeln. Das war gefährlich, aber sie riskierten selber etwas und hatten Mitleid mit mir.

Medizinische Versorgung hatten wir nicht: Wer konnte, heilte er sich selber. Einmal war ich stark erkältet, mein Körper war übersät mit Pickeln....

Eine Deutsche gab mir ein Medikament und ich wurde wieder gesund. Ich bin ihr sehr, sehr dankbar.

Ich arbeitete vom 27.9.1941 bis Mai 1945. Befreit haben uns die Amerikaner und die Engländer. Als die Amerikaner in die Stadt reinmarschierten, lag ich im städtischen Krankenhaus. Nach der Flugzeugbombardierung wurde ich verletzt. Neben zwei Häusern über die Straße gab es ein großes Loch. Dort holten die Deutschen Sand für irgendwelche Zwecke. Ich wurde vom Sand zugeschüttet. Daneben explodierte eine Bombe und durchbrach die Wasserleitung. Ich wurde rausgespült durch das Wasser. Ich versuchte aufzustehen, aber es gelang mir nicht. Trotzdem stand ich auf und ging in die Richtung des Bahnhofs. Im rechten Bein über dem Knie steckte ein Splitter und die rechte Hand war verletzt. Mir lief eine Deutsche entgegen und half mir, ins Krankenhaus in der Nähe des Bahnhofs zu gehen. Ich wurde dort medizinisch versorgt. Die Splitter aus dem Bein und aus der Hand wurden entfernt und ich wurde ins Zimmer gebracht. Sie retteten mir das Leben. Ich bin dafür sehr, sehr dankbar auch dafür, dass mir mein Bein und meine Hand nicht entfernt wurden. Ich wurde in ein Zimmer auf der vierten Etage gebracht, neben dem Fenster ins Bett. Im Zimmer waren viele verletzte Offiziere und ich hatte Angst, dass sie mich erschießen. Auf ihre Fragen antwortete ich auf Deutsch. Paar Tage später kamen ins Zimmer zwei Amerikaner in der Offiziersuniform. Sie fragten, ob hier jemand aus Ukraine oder Rußland ist. Ich sagte, dass ich aus Ukraine bin. Sie nahmen mich mit und wir gingen schnellen Schrittes runter. Neben dem Eingang stand ein Auto, ich wurde in irgendein Dorf gebracht, entweder Launau oder Dergiliesen. Dort waren schon viele Landsleute. Wir bekamen ein ordentliches Essen. Danach wurden wir über den Fluss Elbe in irgend einen Wald gebracht. Im Wald befanden sich schon viele Ostarbeiter. Dort war eine Arztkommission, die uns durch ein dickes Sieb filtrierte (in bestimmte Gruppen einteilte) und ich als Invalide wurde in die Gruppe geschickt, die in die Heimat fahren sollte. Wir wurden in einem Auto nach Polen gefahren und in einer Kaserne am Abhang untergebracht, darunter floss ein Fluss.

Dort blieben wir paar Tage und mussten zu Fuß unter Begleitung - weiß nicht wohin. Wir kamen in einen Wald und per Lastwagen wurden wir zu irgend einem Bahnhof gebracht. Mit dem Güterwaggon wurden wir in die Ukraine gebracht. Der Zug stoppte auf der Station Koristawka. Ich stieg aus und ging zur Station. Dort stand ein Waggon nach Krementschuk durch Pawligi. Der Zug hielt in Pawligi und ich ging zu Fuß nach Onufriejewka. Ich ging durch ganz Pawligi auf die gerade Staße zur Onufrijewka. Von Pawligi bis Onufrijewka sind es 9 km, von Onufrijewka bis Kuzewolowka 45 km. Plötzlich hörte ich ein Gefährt hinter mir. Ich machte Platz, damit er vorbeifährt.

Aber er fragte wohin ich gehe. Ich antwortete: "Nach Kuzewolowka". Er nahm mich mit und fragte, von wo ich komme: aus Deutschland , zu wem ich möchte - zu Sharko Michail Sinowitsch. So traf ich meinen Vater. Als wir zu Hause ankamen, ging ich rein und sah meine älteste Schwester Wasilina mit ihren Mädchen sticken. Der jüngste Bruder Kolja saß auf dem Ofen. Alle sahen mich an und erkannten mich nicht sofort. Als Kolja mich erkannte, rief er: "Das ist ja Petja, unser!". Alle warfen sich auf mich. Sie bekamen eine Nachricht, dass ich nach einer Bombardierung erlegen bin, aber ich war am Leben.

Sie zeigten mir den Brief, wo drin stand, dass ich tot bin. Diesen Brief schrieb mein Chef, aber er wusste nicht, ob ich noch am Leben bin oder nicht. Ich blieb 2 Wochen zu Hause und wurde in die Stadt Olexandria für den Bau angeworben. Wir bauten eine Elektrostation. Als wir fertig waren, wurde ich zu den Kursen der Lokführer für die Dampfturbine geschickt. Ich schloss die Kurse ab, bekam nach den Prüfungen eine Bescheinigung zum Lokführer der Dampfturbine. Dann gab es eine Ausstattungsmontage. Zuerst arbeitete ich als Helfer des Lokführers, dann als Lockführer. Ich fand eine Freundin Galja und 1947 heirateten wir, bauten ein Haus, bekamen zwei Töchter und einen Sohn. Die Töchter haben die Namen Disja und Vera.

Der Sohn heißt Kolja. Unsere Kinder sind verheiratet, haben Kinder und Enkelkinder. Meine Frau und ich leben in unserem Haus zu zweit, sind auf Rente. Unsere Kinder sind lieb, besuchen uns und helfen im Haushalt. Wir sind schon alt.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Wohlergehen in Ihren Familien.

Auf Wiedersehen

Sharko Pötr (Michajlowitsch)

Korsowa Fedosia Pimenowna aus Sewastopol:

Ich ... wurde im Jahr 1929 am 11. Juni geboren. Am 8. Dezember 1942 wurde ich gefangen und in einen Güterwaggon gesteckt, in dem eigentlich Vieh transportiert wird. Wir wurden in geschlossenen Waggons mit Maschinengewehrbewachung transportiert, damit wir nicht flüchten. Ein paar Stunden hinter Berlin haben wir aussteigen müssen. Hier war der Punkt, wo wir aufgeteilt wurden, wie Hunde, sogar die Zähne wurden begutachtet. Ich bin zum ... gekommen, habe aber nicht lange dort gearbeitet. Die Herrin hat versucht mich zu schlagen, aber ich habe ihren Arm festgehalten und gesagt, dass ich nicht erlauben werde, mich zu schlagen. Ich bin ins Gefängnis gekommen, habe ca. 2 Monate abgesessen. Danach bin ich zum Arbeitgeber Namens Bauer gekommen, habe im Haushalt gearbeitet und abends nach Schließung des Geschäftes die Böden gewischt. Im Geschäft wurden Fliesen, Badewannen und alles andere für das Badezimmer verkauft. Ich habe bis 10 Uhr abends gearbeitet. AmSonntag dürfte ich manchmal für ca. 3 Stunden nach draußen.

Zum Essen habe ich die Essensreste von den Mahlzeiten der Herrschaften bekommen. Ich habe die Kleidung von Zuhause getragen. Geld wurde mir nicht gegeben. Nach Hause Briefe zu schreiben, durfte man nicht. Habe die Hygiene, soweit ich konnte, selber eingehalten. Habe mich in der kleinen Wanne bei mir im Zimmer auf dem Dach gewaschen. Die Russen haben das Zeichen "Ost" tragen müssen. Welchen Urlaub kann ein Sklave haben?

Dokumente wurden keine ausgestellt. Lüneburg ist eine englische Zone gewesen. Uns haben die Engländer mit Autos zu der Brücke über die Elbe gefahren und den Russen übergeben. Ich habe im Lazarett in der Stadt Eberswald gearbeitet.

1947 bin ich nach Sewastopol zurückgekehrt. Habe die Arbeit als Normensachbearbeiterin in einem Bauunternehmen, das die Stadt wiederaufgebaut hat, aufgenommen.

Vor dem Krieg habe ich im zweiten Jahr an der Bauuniversität studiert. Unser Sewastopol war ab 21. Juni 1941 an der vordersten Frontlinie: Es wurden Schützengräben gegraben, Munition hergestellt, Kanonen und Schiffe repariert. Die Belagerung der Stadt dauerte 265 Tage. Wir hatten Tag und Nacht Luftangriffe und standen unter Beschuss. Sewastopol wurde in 3 Jahren wiederaufgebaut. Jetzt bin ich Rentnerin und bekomme 92 Grivni - das ist die ukrainische Geldwährung - Rente. Lebe mit meinem Sohn und Enkelkind in einer Einzimmerwohnung.

Von der Stiftung habe ich 550 Mark und zweimal 550 Euro bekommen. Es wurde versprochen, dass ich noch mehr erhalten werde, aber wann?

Ich schicke Ihnen 2 Fotos...Das alles schenke ich Ihnen, Sie müssen es mir nicht zurückschicken.

Ich erwarte Sie zu Besuch bei uns in Sewastopol.

Korsowa, Fedosia Pimenowna

Prjadkin Leonid P. aus Donezk:

Sehr geehrter Herr P. Asmussen!

Habe Ihren Brief-Fragebogen erhalten. Möchte gerne Ihrer Organisation mit Erinnerungen an die Zeit meiner Zwangsarbeit in Deutschland Unterstützung anbieten.

Kurz über mich: Ich wurde am 05.09.1925 in dem Ort - Station Ust - Labinskij, Gegend Krasnodar geboren. Meine Nationalität ist Ukrainer. Als in der ehemaligen Sowjetunion die Liquidation der Großbauernbetriebe einsetzte - den Bauern wurden Gebäude, Vieh, Land weggenommen -, sind meine Eltern nach Dombas, Stadt Tschistikovo, Stadt Tores, umgezogen. Das ist eine Gegend der Grubenarbeiter. Dies ist im Jahr 1931 gewesen. Hier bin ich zur Schule gegangen. Am 22. Juni 1941 hat der Krieg begonnen. Als Minderjährige musste ich nicht in die Armee. Im Oktober 1941 wurde die Stadt Tschistiukovo von den Deutschen okkupiert. Ich bin zusammen mit meinen Eltern somit in die okkupierte Zone geraten. Weiter werde ich auf Ihre Fragen antworten.

1. Durch die Polizei der Stadt Tschistikovo und dem Arbeitsamt wurde ich am 12. April 1942 zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt.

2. Bin nach Lüneburg mit einem Güterzug gekommen. Über welche Stationen weiß ich nicht mehr. Ich weiß noch, in der polnischen Stadt Peremischel hat eine sanitäre Bearbeitung und eine medizinische Begutachtung stattgefunden.

3. Ja, erinnere mich genau. Das ist der Geburtstag von Hitler gewesen, die Stadt Lüneburg war voll von Plakaten und Parolen. Drumherum sind viele Leute gewesen. Es ist ein sonniger, warmer Tag gewesen. Hier hat es erneut eine sanitäre Bearbeitung und eine medizinische Begutachtung gegeben. Mich und meinem Freund Spirite Alexander Michailowitsch - bereits verstorben - und noch ca. 15 Personen aus Donezk haben sie in das Dorf Horndorf geschickt. Ich bin zum Bauer Heinrich Fertein gekommen. Weiß noch, wir wurden im Anhänger eines Traktors transportiert.

4. Alle wurden in einer geräumten Wohnung, Typ Wohnheim, in Horndorf untergebracht. Alle wurden gewarnt, dass auf Eigeninitiative in die andere Dörfer nicht gegangen werden darf. An die Kleidung wurde das Zeichen "Ost" angenäht.

5. Das Essen ist aus der Küche des Arbeitgebers gekommen. Das Essen ist ziemlich anständig gewesen. Die Kleidung ist die, in der wir gekommen sind, gewesen. Die Lebensumstände und die medizinische Versorgung sind in Ordnung gewesen.

6. Bei den landwirtschaftlichen Arbeiten müsste man immer das machen, was der Arbeitgeber befohlen hat. Nach einem Monat konnte ich mit den Pferden fahren und sie pflegen. Mein Arbeitstag ist von 4 Uhr morgens bis 5-6 Uhr abends gewesen. Urlaube hat es nicht gegeben. Die freie Zeit habe ich mit meinen Landsmännern verbracht. Man durfte Briefe nach Hause schreiben.

7. Ein paar mal habe ich vom Arbeitgeber Arbeitslohn in Mark erhalten

8. Die Verhältnisse waren freundliche und ehrliche.

9. Es gab keine Arbeitsverweigerungen.

10. Im November/Dezember 1942 habe ich begonnen meinen Freund zu überreden, eine Flucht nach Ukraine anzutreten und sich einer Partisaneneinheit anzuschließen, denn ich konnte in meiner Seele den Faschismus nicht ertragen. Mir hat sich niemand angeschlossen und die Flucht habe ich alleine begangen. Auf dem polnischen Gebiet wurde ich von der Polizei gestoppt und in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht, wo ich 1 1/2 Jahre verbracht habe. Meine Nummer im Lager: 97079. 1944 wurde ich in das Konzentrationslager Buchenwald geschickt, die Nummer im Lager: 59942.

Wurde am 15. April 1945 durch englische Truppen im Konzentrationslager Bergen -Belsen befreit.

Abgesehen davon, dass ich so viel überleben musste, schätze ich das deutsche Volk und bewundere ihre Arbeitstüchtigkeit und Ehrlichkeit.

11. Besitze alle nötigen Dokumente über meinen Aufenthalt in den Konzentrationslagern.

Ich wünsche, dass es in Deutschland nie wieder Faschismus gibt.

Ich träume davon, nach Lüneburg, Horndorf zu kommen und mich an die Plätze, wo meine Jugend vergangen, zu erinnern.

Ich gratuliere zu den anstehenden Weihnachtsfeiertagen, zu dem neuen Jahr.

Mit Achtung zu Ihnen. Wenn sie den Brief erhalten, antworten Sie mir bitte.

Prjadkin, Leonid P.

Siliwerst Antonia Grigorjewna aus Moltawa:

Liebe Freunde! Mit dem neuen Jahr!

Es schreibt Ihnen Siliwerst Antonina Grigorjewna. Ich habe Ihnen vor längerer Zeit schon geschrieben...Ich bin sehr krank, habe Steine in der Leber, schwere Anfälle, es ist eine OP notwendig, die aber 1.600 Griuni kostet. Die Entschädigung (65%) , die ich bereits bekommen habe, habe ich schon ausgegeben. Es war vor 2 Jahren. Die 35%, die versprochen wurden, habe ich noch nicht bekommen. Ich bitte sehr, helfen Sie mir materiell, wenn nicht, geben Sie mir eine Antwort.

Mit Grüßen...zu Ihnen.

Siliwerst, Antonia Grigorjewna

Mit Weihnachtskarte: Zum neuen Jahr!

Gandsjuk Olga Emeljanowna aus Otrokow:

Sehr geehrter Herr Asmussen.

Ich, ehemalige Zwangsarbeiterin in Deutschland, antworte auf Ihre Anfrage .Da schon mehr als 60 Jahre vergangen sind, ist nicht alles in meinem Gedächtnis geblieben. Aber woran ich mich noch erinnern kann, schildere ich in meinem Brief.

Nach der Okkupierung unserer Gegend durch die deutschen Truppen wurde in unserem Dorf eine sogenannte Verwaltung - Uprawa - eingerichtet, deren Aufgabe die Verbannung von jungen Leuten zur Zwangsarbeit nach Deutschland gewesen ist. Am Anfang wurden zumeist die volljährigen Männer und Frauen verbannt, später auch die minderjährigen. Ich wurde mit einer Gruppe aus meinem Dorf, Alter 16-17 Jahre, im Juni 1942 verbannt.

In Pferdefuhrwerke haben wir unsere Sachen geladen, selber sind wir zu Fuß 45 km. bis zur Bahnstation Dunajevzi. gelaufen. Begleitet wurden wir durch die örtlichen Polizisten, bei uns nannte man die "Sutschmaneri". An der Bahnstation Dunajevzi wurden wir in Güterzüge mit Stroh gesteckt und nach Schepetowka transportiert, wo sich der Sammeltreffpunkt befand.

In Schepetowka wurden wir gründlich untersucht, ob wir auch keine Krankheiten und physische Behinderungen haben und wurden erneut in Güterzüge gesteckt und so unter strenger Bewachung durch Polizisten und deutsche Soldaten nach Deutschland transportiert. Vor der Abfuhr wurden Lunchpakete und Zucker verteilt.

Der Zug hat ab und zu in den Feldern gehalten und wir wurden in kleinen Gruppen rausgelassen, um den natürlichen menschlichen Bedürfnissen nachgehen zu können. Durch welche Städte und Stationen wir gefahren sind, weiß ich nicht, denn der Waggon hatte keine Fenster und die Türen sind fest verschlossen gewesen.

Nach der Ankunft in Lüneburg wurden wir auf dem Bahnhofsplatz aufgestellt. Zu uns sind irgendwelche Leute gekommen und haben für sich Arbeiter ausgesucht. Wir, 10 Mädchen, wurden für die Arbeit in die Fabrik Kenecke-Brot (Knäckebrotfabrik) ausgesucht. Untergebracht wurden wir im Wohnheim, im zweiten Stock über der Fabrik. Für die Ordnung im Wohnheim war eine deutsche Kommandantin zuständig, die uns auch geweckt, zur Arbeit geschickt und uns von der Arbeit abgeholt hat.

In der Fabrik gab es einen Feldscher, der bei Bedarf Kranke behandelt hat. Gekleidet wurden wir in gebrauchter Kleidung. Es wurden ganze Ladungen an solchen Sachen gebracht und jeder konnte Sachen in seiner Größe und seinem Geschmack aussuchen. In der ersten Zeit haben wir in der Frühschicht gearbeitet, bis wir gelernt haben selbstständig Brotbackwaren zu backen - Galeti. Später und bis zu unserer Befreiung haben wir von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens, mit einer Pause von einer Stunde nachts, gearbeitet. Ich habe meistens Mehl gesiebt und Teig zum Backen angefertigt. Die Verpackung der fertigen Backware war Aufgabe der einheimischen Deutschen. Am Sonntag dürften wir in Gruppen mit fünf Personen in die Stadt gehen. Anstatt eines Urlaubsschein haben wir das Zeichen "OST" tragen müssen.

Briefe in die Heimat haben wir kaum geschrieben, denn diese sind Zuhause nicht angekommen.

Unsere Arbeit wurde nicht bezahlt und Urlaub haben wir auch keinen bekommen. Dies wurde damit rechtfertigt, dass wir mit Brot arbeiten und keinen Hunger haben können. Von irgendeiner Küche wurde zu uns Suppe aus Steckrüben geliefert. Da wir jung waren und aus Dörfern gekommen sind, haben wir gut gearbeitet und die deutschen Arbeiter hatten ein gutes Verhältnis zu uns. Ich habe mich sogar mit einer deutschen Arbeiterin, Elsa, meiner Altersgenossin, befreundet. Sie hat oft für mich zur Arbeit Butterbrote mitgebracht, wofür ich ihr sehr dankbar gewesen bin. Ich denke noch heute oft an sie. Aus meinem Hausalbum schicke ich das Foto von Elsa, welches sie mir geschenkt hat.

Es hat aber auch Vorfälle gegeben, wo einzelne Personen die aufgestellten Regeln der Arbeit und des Benehmens verletzt haben. Dann wurden alle vor der Fabrik aufgestellt, und wir haben zusehen müssen, wie der Störer stark geschlagen und in ein Konzentrationslager geschickt wurde. Nach solcher "Vorbeugung" haben wir nicht nur Angst vor Verweigerungen gehabt, sondern sogar, daran zu denken.

Befreit wurden wir durch amerikanische Truppen, die uns sofort an die Russen weitergegeben haben. Dort wurden wir angehört, nach dem Grund des Aufenthaltes in Deutschland gefragt. Auch nach dem wir schon Zuhause gewesen sind, wurden wir oft zum KGB aufgefordert und haben immer wieder Erklärungen zu unserem Aufenthalt in Deutschland abgeben müssen.

Jetzt ist alles vorbei. Wir sind schon 78-80 Jahre alte Greise, viele leben nicht mehr.

Wir hatten in unserem Leben keine erfreuliche Kindheit, keine normale Jugend und erwachsenes Leben. Wir sind oft krank gewesen und sind pflegebedürftig.

Wir sind dem Verbund der Antifaschisten (VVN-BdA), der Lüneburger Organisation und persönlich dem Herren Asmussen sowie dem Ukrainischen Fond "Verständigung und Versöhnung" für die Fürsorge, die Sie für die Ostarbeiter tragen, innig dankbar. Gott soll Sie schützen und für immer soll Frieden und Ruhe in Ihren Familien herrschen....

Ehemalige Ostarbeiterin

Gandsjuk, O. E. (Lisitschuk)

Kinjak Olga Jakowlewna aus Sokoltscha:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich entschuldige mich bei Ihnen für die große Verzögerung bei der Beantwortung Ihres Briefes. Aber wie man sagt, lieber später als niemals. Ich beschreibe das, woran ich mich erinnern kann. Es sind schon Jahrzehnte seit damals vergangen. Es ist gut, dass Sie die Sachen aufarbeiten. Die Geschichte der Ereignisse muss wahrhaftig sein, nicht gelogen.

Abgeholt wurden aus unserem Dorf Wojtowzi, heute: Mostowoje, Ravon Andruschewski, Gebiet Schitomirski, 3 Frauen und ich, aber 7 oder mehr junge Männer. Aus umliegenden Dörfern wurden Menschen auf Gefährten in die Stadt Berditschew gebracht und weiter mit der Eisenbahn nach Deutschland. Wir fuhren über Polen, über Warschau. Noch lange konnte ich mich an die einzelnen Städte und Stationen erinnern, habe sie aber doch vergessen. Wir fuhren über Berlin und kamen an in einem großen Lager. Noch 2 oder 3 Tage später kamen Menschen aus verschiedenen Richtungen dort an. Am vierten Tag wurden eine sanitäre Bearbeitung und medizinische Kommission organisiert. Es war eine große Menschenmenge, viertausend oder noch mehr. Auf dem Territorium des Lagers waren viele Baracken zum Übernachten, das Essen war schlecht. Eine Baracke mit einem kleinen Grundstück dabei war umzäunt mit Stacheldraht und dort waren viele Menschen. Als die gefragt wurden, warum sie dort sind, antworteten sie, weil sie für untauglich von früheren Transporten erklärt wurden und schon seit einem Monat dort sind. Für sie gab es keinen Transport nach Hause in die Ukraine. Weil das Essen schlecht war, waren sie schon sehr abgemagert und unglücklich. Ich war schwanger und dachte, dass ich deshalb zurück geschickt werde. Aber als ich diese Menschen sah, habe ich mich erschrocken und dachte, dass ich dort nicht überlebe. Deshalb erzählte ich nichts (von meiner Schwangerschaft) den Ärzten. Ich dachte, dass es vielleicht später möglich wird - die Zukunft kann man nicht vorhersehen.

Am fünften Tag morgens wurden wir in eine sehr lange Reihe mit 5 oder mehr Menschen in der Breite und unendlich in der Länge aufgestellt. Als erstes erschien ein junger Mann und suchte aus, stellte zur Seite 25 Menschen. Nicht alle hintereinander, sondern aus einer Reihe 2-3, aus anderen Reihen genauso viele, insgesamt 25. Er brachte uns in ein Gebäude und befahl zu warten. Wir saßen 3 Stunden. Zu der Zeit kamen Herren aus Fabriken, von Bauernhöfen und anderswo und alle wurden verteilt.

Uns holte ein Lastwagen ab. Wir fuhren 2 ½ bis 3 Stunden und kamen nach Lüneburg zum Arbeitsamt. Wir wurden fotografiert und von uns wurden Fingerabdrücke gemacht. Nun kamen die Herrschaften. Es kamen 2 Frauen, die eine zu mir, die andere zu den anderen Frauen. Eine dicke ältere Frau nahm mich als erste mit in ihr Haus, das an der Ecke der Schröderstraße 1 stand. Der Inhaber dieses dreistöckigen Hauses war Wilhelm Sander, seine Frau Emma und Tochter Ilse, dazu noch eine Arbeiterin, eine Deutsche Namens Luisa.

Eine Frau aus meinem Dorf, Maria, arbeitete im Nachbarort im Restaurant in der Küche. Am Sonntag ging ich sie besuchen. Sie musste viel arbeiten, aber lobte sehr ihren Chef. Noch 2 andere Frauen kamen in ein großes Restaurant, Kintschuk Pawlina und Jazenko Nina. Außer ihnen waren dort noch 10 Polinnen, Französinnen und andere. Sie waren gekränkt, der Chef war zu ihnen ungerecht und grob.

Über der Eingangstür zum Haus der Herren hing das Schild Gasthaus "Zur Sonne". Noch eine andere Frau aus dem Dorf Chutorna, Anna N., kam in ein Dorf bei Lüneburg. Sie musste sehr viel arbeiten, aber die Herren waren nett zu ihr. Manchmal kam sie nach Lüneburg und wir verabredeten uns.

Meine Herrschaften zahlten mir 15 DM im Monat, schenkten mir Kleider und Unterwäsche. Ihre Tochter Ilse war in der 9. Klasse und 16 Jahre alt. Sie bat mich, ihr Ukrainisch beizubringen, lud mich zum ukrainischen Essen ein. Die Herrschaften waren lieb. Schade war mir, dass ich ihnen nicht meine Schwangerschaft beichtete. Am 8. Dezember 1942 bekam ich meine Tochter Kathrin.

Das Essen war gut, wir aßen alle zusammen im Speisesaal. Ich hatte es gut bei ihnen.

Im Heimatdorf blieben meine 2 verheirateten Brüder. Die Eltern, 3 Schwestern und ein Bruder starben in der Hungersnot 1933 am hungrigen Tod. Ich blieb alleine, meine Brüder waren in der Stadt Leningrad, überlebten dort und kamen zurück in die Ukraine.

Eine Woche blieb ich im Krankenhaus und am 16. Dezember wurde ich mit dem Kind mit noch 8 Kranken zum Sammelpunkt für Kranke gebracht. Wir kamen nach Magdeburg und wenn ich mich richtig erinnere, gingen wir aus den Waggons raus und zu Fuß zum Sammellager. Er war leer, ohne auch nur eine Person. Von dort aus sollten wir in die Ukraine geschickt werden.

Für mich fingen schwere Tage an, schlechtes Essen zweimal am Tag, Steckrüben-, Möhren- oder Weißkohlsuppe mit 300 gr. Brot. Ich verlor die Milch, das Kind schrie. Ich magerte sehr ab, verlor Kraft und fiel oft hin. Aber der Transporter kam nicht. Das Lager wurde voll, es kamen immer mehr Menschen. Der Kommandant des Lagers war böse. In einer Baracke war medizinischer Punkt. Viele kamen mit verschiedenen Krankheiten. Es gab Fälle, wo Menschen sich selbst mit irgendwelchen Chemikalien am Körper Geschwülste machten, um schneller nach Hause zu kommen. Sie gingen zur Behandlung, wurden gesund und mussten wieder zurück zur Arbeit. Oft kamen die Herrschaften und holten sich Menschen ab. Es kamen auch Frauen mit neugeborenen Kindern, manche bekamen im Lager Kinder. Außer mir waren noch 7 andere Frauen mit Kindern dort. Diese (Frauen) nahm ein Herr mit zur Arbeit. Eine Mutter kümmerte sich um die Kinder, andere arbeiteten. Es gab viele ältere Menschen, 55, 60 oder über 60-jährige. (Weil) ihre Kinder nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland wollten und wegliefen und sich versteckten, ... wurden die Eltern mitgenommen. Der Lagerführer machte eine Regel, jeden Tag alle Menschen zum Spaziergang zu führen, damit sie gesund werden und wieder zur Arbeit können. Wenn bloß das Essen besser wäre.

Ich erinnere mich an einen Fall, es war am 5. Mai, Frühling, kalter Wind, alle wurden rausgepfiffen. Der Kommandant befahl allen Frauen, ihre Kopftücher auszuziehen. Alle fingen an zu weinen. (Er) schüttelte den Arm und ging weg.

Der Winter war ohne Schnee, aber unangenehm mit öfteren Regenfällen und starken Winden. Am Badetag befahl uns der Mann nach dem Baden ganz nackt zu den Baracken zu laufen, 80-100 m.

Regelmäßig wurden aus den Konzentrationslagern in geschlossenen Autos junge Leute gebracht. Was die Ungeheuer aus den Menschen machten, es schmerzte schon beim Anschauen, wie lebendige Tote, ganz verprügelt innen und außen. Die Mehrheit starb, ein Pole musste mit ihnen Turnübungen machen und sie spazieren führen. Wer es nicht schaffte, wurde mit Gummischlauch verprügelt, diese Unglücklichen. So vergingen Tage und Monate, aber der Transporter kam nicht.

Im Lager war eine Ärztin/Chirurgin, die Kriegsgefangene Belowa Natalja Nikolajewna aus Leningrad. Eine sehr liebe, herzliche Frau. Sie stritt oft mit dem Kommandanten. Wenn sie nur konnte, vertrat sie die Rechte der Menschen. Er schrie sie an: "Du Spionin, du Bolschewikin!", aber sie hatte vor ihm keine Angst.

Es gab noch einen Übersetzer, ich kann mich nicht mehr an seinen Namen erinnern, weiß nur, er war aus der Stadt Luzka. Ein sehr lieber Mensch. Wenn ich sie nicht hätte, hätte ich mit meiner Tochter nicht überlebt unter diesen Bedingungen. Sie retteten unser Leben. Ich erinnere mich oft an sie. Sie beide verliebten sich und blieben zusammen. Natalja wurde schwanger. Was aus ihnen geworden ist? Alles ist bedeckt mit dem Nebel des Nichtwissens. Natalja Nikolajewna war wie meine Schwester. Uns führte noch mehr zusammen (die Stadt Leningrad), weil ich nach dem Beenden der 7. Klasse nach Leningrad zu meinen Brüdern fuhr und dort 1 Jahr lebte.

Der älteste Bruder, Jefim, fuhr in die Ukraine, und Grigorij musste zur Armee 1937. Im gleichen Jahr kam ich in die Pelzfabrik "Rot-Front" für 2 Jahre zur Ausbildung. Danach arbeitete ich in der Werkhalle. Das Gehalt war gering, ich hungerte oft, fror, schlief mich nicht aus und holte noch meine 8. und 9. Schulklasse nach an den geraden Tagen. Der Winter war kalt, frostig, bis 40 Grad Minus, besonders im Jahr 40, als Krieg mit Finnland war. Als Folge all dessen erkrankte ich an Blutarmut und Erkältung. Die Ärzte empfahlen mir, in die Ukraine zu fahren. So fuhr ich im Mai 1941, im Juni kam der Krieg.

Entschuldigen Sie mich bitte, dass ich vom Thema abgekommen bin, aber ich wollte es Ihnen schreiben.

Nun wieder zurück zum Lager. Irgend jemand schrieb über das Lagerleben an das Rote Kreuz. Es kam eine Kommission, befragte, schrieb auf und so wurde dem Lagerführer gekündigt. Der neue Kommandant war ein guter Mensch. Vieles änderte sich zum Besten. Irgendwelche Leute kamen und machten von uns Fotos. Sie schickten für Natalja Nikolajewna und ihren Mann und mir mit der Tochter diese Fotos. Ich schicke Ihnen Kopien. Sie brauchen sie mir nicht zurückschicken.

Etwa einen Monat war der neue Kommandant im Lager, dann kam im August oder Anfang September der Transporter. Viele dachten, sie werden in irgendein Lager gebracht und dort umgebracht. Die Sowjetarmee nahm schon Kiew ein, die Deutschen marschierten zurück, aber Gott sei Dank, es passierte nichts Schlimmes. Wir wurden in den Passagierwaggons gefahren. Für unterwegs bekamen wir Brot, Wurst und emaillierte Teller. Auf dem Fahrtweg standen auf den Stationen große Thermoskannen mit warmem Essen für jeden Waggon. Wir kamen nach Polen in die Stadt Peremischl, von dort in die verschiedenen Richtungen, wohin jeder musste. Ich kam mit meiner Tochter zur Station Popelnja, von dort 10 km mit dem Gefährt bis Sokolga, von dort 3 km bis Wojtowez. Der Vater meines Kindes erfuhr davon und kam am zweiten Tag angelaufen. Am 7. November heirateten wir und ich zog in sein Haus. Am 6. Dezember zogen die Deutschen weg und die russische Armee kam in unser Territorium. Ich habe keine Dokumente erhalten, sogar keine Geburtsbescheinigung meiner Tochter. Meine Tochter musste schon zur Schule, aber die Geburtsbescheinigung fehlte. Ich bat den Vorsitzenden des Dorfsowjets und den Sekretär, sie stellten mir eine aus, dass sie im Dorf Sokolga geboren ist. Den Familiennamen und das Geburtsdatum wurden per Gericht festgestellt aufgrund der Kopie aus Lüneburg. Ich danke dafür, schon 2 Wochen nach der Anfrage bekam ich Antwort.

Ich schrieb nach Lüneburg. Die Stadt antwortete, dass ich dort nicht gemeldet war. Laut des Beschlusses über die Auszahlung der Entschädigung gab es einen Punkt, dass wer weniger als 6 Monate auf der Arbeit war, bekam kein Geld. Ich schrieb nach Magdeburg, bekam die Antwort, dass in Hannover angefragt wurde - nichts kam zurück.

Eine Organisation Rotes Kreuz beschäftigte sich mit den Nachforschungen. Sie schrieben, ich solle warten, doch nichts kam. Gott sei dank durfte ich mir selbst die Bescheinigung ausstellen. Sie wurde von Chutorna Anna N. bezeugt. In Rayonzentrum Andruschewka gab es im Archiv eine Liste derjenigen, die nach Deutschland geschickt wurden, mich eingeschlossen. Mein Name damals war Olga (Jakowlewna Kolesnitschenko).

Ich möchte Ihnen gern noch über mein weiteres Leben schreiben. Mein Mann Wladimir ist umgekommen beim ersten Kampf auf Tscherkaschino Anfang 1944.

Vor dem Krieg gab es Kolchosen, (die) während des Krieges ...(von den Deutschen) vernichtet (wurden). Sobald das Territorium von den Deutschen befreit wurde, wurden erneut die Kolchosen organisiert - von Null auf. Wir freuten uns auf das Kriegsende und arbeiteten wie besessen und bekamen nichts dafür. Uns wurden die Arbeitstage aufgeschrieben, sozusagen "Stöckchen". Sobald das Jahr zu Ende war, wurden die Endergebnisse zusammengezählt. Für einen Arbeitstag wurden 20-30 Kopejek angerechnet, für Brot 200, 300 Gramm. Wenn jemand vorschussweise etwas aufschrieb, blieb er oft auch noch in Schulden. Industrieware fehlte, auf den Basaren war ein Menschengedränge, überteuert, so gingen wir vom frühen Frühling bis zu den herbstlichen Frösten barfuß. Alle Arbeiten erledigten wir größtenteils per Hand. Im Jahr 1947 war es sehr schwer. Die Menschen hungerten, es war Trockenheit, es gab wenig Brot und Gemüse. Viele fuhren in die westliche Ukraine und kauften Brot und Lebensmittel. Irgendwie haben wir überlebt. In den nächsten Jahren war es schon etwas leichter. Von 1944 bis 1952 arbeitete ich im Kolchos als Springerin auf verschiedenen Arbeiten. Von 15. April 1952 wurde ich Abteilungsleiterin im Dorf. 14 Jahre arbeitete ich im Amt und bekam miserablen Lohn. Dann sind wir in das Rayonzentrum umgezogen und dort arbeitete ich 7 ½ Jahre in der Postzentrale.

1950 heiratete ich ein zweites Mal, Kinjak G.N. Auf Rente ging ich 1979, bekam 50 Rubel Pension. Mein Mann Grigorij kämpfte an der Front, diente der Armee, arbeitete im Kolchos und auf anderen Betrieben, bekam einen Orden "Roter Stern", eine Medaille für Tapferkeit, einen Orden "Krieg für Vaterland", insgesamt hatte er 40 Jahre Dienstalter, bekam aber nur 52 Rubel Rente.

1992 starb mein Mann Grigorij, wir lebten zusammen 42 Jahre, hatten keine gemeinsamen Kinder.

Meine Tochter Katerina, die in Deutschland geboren war, lebt in Kiew in einer 2-Zimmerwohnung. Sie hat mit ihrem Mann Walentin 2 Töchter, Galina und Irina , beide sind verheiratet. Galina hat eine Tochter Diana, 2 Jahre 11 Monate alt, Irina einen Sohn Denis, 1 Jahr 2 Monate alt.

Ich bin gläubig "evangelistisch-baptistisch". Die Tochter Galina und ihr Ehemann Roman sind beide Missionare. Der evangelistische Glaube ist gleich Ihrem lutherischen.

Ich bin schon 82 Jahre alt, wegen verschiedener Krankheiten abgemagert. Eine davon ist die gefährlichste onkologische - Hautkrebs seit 1990, aber noch lebe ich so Gottes Wille. Wiege nur 40 kg, bin aber 150 cm groß.

Damit beende ich meinen langen Brief. Ich wünsche Ihnen alles Gute, vor allem Gesundheit, Glück und irdisches Heil. Möge Gott Sie segnen.

Meine Tochter Katerina bekam von Ihnen den gleichen Brief, aber sie kann Ihnen ja nichts schreiben, denn sie wohnte in Deutschland nur 9 Monate. Ich schrieb Ihnen kurz über ihre Familie. Ich befinde mich zur Zeit bei ihr in Kiew.

Kinjak Olga Jakowlewna

Osej Opanasowitsch Rojuk aus Selikirawokil:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich bin der ehemalige Ostarbeiter Rojuk, Oseij Opanasowitsch.

Ich habe Ihren Brief bekommen vom Ukrainischen Nationalen Fonds "Verständigung und Versöhnung". Die Antworten auf ihre Fragen schreibt meine Tochter auf, weil ich mit meinen 80 Jahren schlecht sehen und schreiben kann.

1. Ich wurde am 22. Juni 1942 zur Zwangsarbeit abgeholt von der deutschen Polizei, die mit dem Dorfältesten zusammengearbeitet hat im Dorf Gravuten.

2. Die Fahrt zur Zwangsarbeit wurde per Eisenbahntransport gemacht in geschlossenen Güterwaggons. Die Türen wurden während der ganzen Fahrt von der Station Wlawuta... bis Deutschland nicht geöffnet. Wir hörten nur die Stimmen von draußen.

Es ist sehr bedrückend sich zu erinnern, unter welchen schweren Bedingungen wir ins fremde Land fahren mussten. Wir entfernten im Waggon das ganz unterste Brett, wo wir unsere Geschäfte erledigten. (Wir waren) hungrig, dreckig. Wirklich, es ist schmerzhaft, sich an diese Fahrt zu erinnern.

3. Nach 15-18 Tagen wurden wir in das Lager Wietzertorf gebracht. Dort befanden sich viele russische Gefangene. Nach der Kommissionsverteilung wurden wir in das Lager Lüneburg geschickt. Dorthin kamen die Herren Bauern, suchten sich 6 Menschen aus und nahmen uns mit zur Arbeit in das Dorf Melbeck zum Bauern Adolf Furgon.

4. Am Anfang wurden wir in einer Baracke untergebracht, wo wir in einer Art Isolierung leben mussten. Am Tage arbeiteten wir für den Bauern und in der Nacht wurden wir in der Baracke eingeschlossen. Die Arbeit war sehr schwer. Wir bearbeiteten die Erde, ...und beluden die Waggons. Der Arbeitstag dauerte 10 Stunden und mehr, den ganzen hellen Tag lang.

Das Essen war schlecht. Ich habe sogar Angst mich daran zu erinnern.

Die medizinische Versorgung fehlte ganz. In der Ecke stand ein Waschbecken, wo wir unsere Hände und unser Gesicht waschen konnten.

5. Nach zwei Monaten der (Isolierung) wurden wir - 2 Menschen - zum Bauern nach Hause abgeholt. Er hat uns in einem Stall untergebracht, in einer kleinen Kammer. Die Arbeit war die gleiche.

6. Das Essen war schlecht. Fleisch hatten wir nur am Sonntag. Wir durften uns nicht (vom Hof) entfernen und Urlaub hatten wir auch nicht. Nach Hause durften wir Briefe schreiben.

7. Der Arbeitslohn war 10 Mark im Monat. Wir konnten aber für das Geld nichts kaufen.

8. Mit mir zusammen arbeiteten Polen, Tataren und ein Deutscher. Der durfte etwas leichtere Arbeit erledigen. Der Umgang zwischen den Arbeitern war normal. Mit den Deutschen hatten wir keinen Kontakt. Ihr Verhältnis zu uns war erniedrigend. Der Bauer selbst war ein böser und (unzufriedener) Mensch. Für jeden Ungehorsam rief er die Polizei.

9. Wir hatten keine Möglichkeit, die Arbeit zu verweigern und es gab keine Proteste - dafür gab es die Polizei.

10. Die Befreiung kam Anfang Mai 1945 von den englischen und amerikanischen Truppen. Sie brachten uns über den Fluss Elbe zum Sammelpunkt. Den Namen habe ich vergessen. Dort lebten wir zehn Tage. Dann holten sie uns per Lastwagen zu den Russen zum anderen Lager, noch auf deutschem Gebiet. Von dort gingen wir zu Fuß drei Wochen lang. Ermüdet und erschöpft wurden wir von den Amerikanern aufgesammelt und auf ihren Autos zur Grenze nach Polen gebracht. Dort wurden wir in die Güterwaggons geladen und im Juni durften wir in die Heimat.

10. Die Folgen der Zwangsarbeit sind fürs ganze Leben geblieben. Es tut weh, sich daran zu erinnern. In der Heimat galten wir lange Zeit als Verräter, uns wurden Vorwürfe gemacht und wir wurden als Faschisten bezeichnet. Eine gut bezahlte Arbeit bekamen wir nicht. Wir waren befleckt fürs ganze Leben. Die ersten 5 Jahre wurden wir jede Woche zum Verhör zum KGB vorbestellt. Jedes Mal mussten wir einen Fragebogen ausfüllen. Aber eine Aussiedlung über die Grenze kam nicht in Frage.

11. Zuerst bekamen wir keine Dokumente über diese Periode. Erst nach 12 Jahren durfte ich aufschreiben, dass ich zur Zwangsarbeit nach Deutschland ausgefahren bin. Heute habe ich einen großen Wunsch, in den Orten noch einmal zu sein, wo ich zur Zwangsarbeit war. Aber ich habe dafür keine Möglichkeit und kein Geld.

Ich möchte allen Menschen in Deutschland und der Ukraine wünschen, dass sich niemals diese Geschichte wiederholt. Es soll zwischen unseren Völkern immer Respekt und Verständigung herrschen.

Mit großen Grüßen

Osej Opanasowitsch Rojuk

Maria Dudok aus Dowbuscha:

Ich gebe Ihnen Antwort auf Ihre Anfragen:

Im Jahre 1942 wurde ich aus dem Dorf Birsanka vom Vorsitzenden des Dorfes nach Deutschland zur Zwangsarbeit zu einem Sammelpunkt geschickt.

Nach Lüneburg kam ich mit dem Zug. Dort wurde ich zur Arbeit abgeholt von der Frau Amanda D. Katze. Sie war sehr lieb zu mir. Ich arbeitete bei ihr in der Küche zusammen mit ihr und mit anderen. Zum Anziehen bekam ich einen Arbeitsanzug. Gehalt bekam ich gar nicht. Aber für das Geld konnte man sowieso nichts kaufen. Der Arbeitstag dauerte 12 Stunden. Freizeit hatten wir nicht, aber Briefe durften wir nach Hause schreiben. Mit drei Arbeitern, darunter Ukrainer und Deutschen, hatten wir ein normales Verhältnis. Wir gingen zusammen in die Kirche und zur Vorführung.

Heute kann ich nur sagen: Ich habe meine jungen Jahre bei der schweren Arbeit verloren. Ich bitte Sie, mir im Alltag mit Griven zu helfen. Ich brauche das zum Überleben.

Dudok Maria Ilkiwna


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