NS-Zwangsarbeit in Lüneburg
Briefe aus Polen


Vorwort

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen war noch keine zwei Wochen vorbei, da lagen die Anforderungen der Bauern des Landkreises Lüneburg nach polnischen Kriegsgefangenen als billige Arbeitskräfte bereits vor und schon am 16. September 1939 konkretisierte das Lüneburger Arbeitsamt diese Planungen: 19 Lager mit je 50 polnischen Kriegsgefangenen sollten kurzfristig eingelichtet werden. Anfang Dezember 1939 waren dann 451 polnische Kriegsgefangene im Landkreis als Zwangsarbeiter beschäftigt, zuzüglich etwa 100 Personen für Tätigkeiten an den Berieselungsanlagen in Bardowick. Ab dem 26. Oktober 1939 erfolgte mit der Eroberung von weiten Gebieten Polens und der Errichtung des "Generalgouvernements" die Verschleppung und "Anwerbung" von Polinnen und Polen zum Arbeitseinsatz nach Lüneburg, die nach dem Oberfall auf die Sowjetunion 1941 auf weitere Gebiete Polens ausgedehnt wurde. Bis zur Befreiung im Apri1 1945 wurden so Hunderte von Polinnen und Polen nach Lüneburg verbracht. um hier Zwangsarbeit zu leisten vorwiegend in der Landwirtschaft und in den Fabriken, aber auch im Kleinbetrieb des Handwerks und im Privathaushalt. Wir wollten wissen: Wie erging es den polnischen Zwangsarbeitern-/innen in Lüneburg? Welche Erinnerungen haben sie an Lüneburg?

Unsere Recherchetätigkeit bei der Lüneburger Stadtverwaltung blieb erfolglos: Der Oberbürgermeister empfing uns noch nicht einmal zu einem Gespräch, das Stadtarchiv verweigerte uns den Zugang zu den notwenigen Akten.

Dass es uns schließlich doch noch möglich wurde, den Kontakt zu den wenigen noch lebenden polnischen Menschen herzustellen, die in Lüneburg Zwangarbeit leisten mussten, verdanken wir ausschließlich der Fundacja "Polsko-nlemieckie Pojednanie" (Stiftung .Polnisch-deutsche Aussöhnung") in Warschau, insbesondere Frau Magdalena Ostrowska. Die Stiftung hat auf unsere Bitte hin all jene bei ihr registrierten hochbetagten Menschen angeschrieben, die einen Antrag auf finanzielle Leistungen an die Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" gestellt hatten. Auf diesem Wege erhielten 66 Personen ein Anschreiben unserer Lüneburger VVN-BdA-Gruppe mit der Schilderung unseres Vorhabens und einen Fragebogen zugesandt.

Das Anschreiben und den Fragebogen haben wir erstellt in Anlehnung an ein ähnliches Vorhaben der Geschichtswerkstatt Herrenwyk (veröffentl. in: Christian Rathmer. "Ich erinnere mich nur an Tränen und Trauer...", Zwangsarbeit in Lübeck 1939-1945, Essen 1999). Anschreiben und Fragebogen finden Sie auf der letzten Seite abgedruckt.

33 Personen beantworteten unseren Fragebogen in sehr unterschiedlicher Form; z. T. entwickelte sich daraus eine Korrespondenz, die noch andauert.

Wir veröffentlichen hiermit alle diese Briefe in der direkten Übersetzung. Lediglich an wenigen Stellen wurden von uns Klammern eingefügt, die dem besseren Verständnis dienen sollen. An anderer Stelle wurden Auslassungskennzeichen (...) vorgenommen, wo persönliche Bemerkungen an den Adressaten enthalten waren oder aber ein Teil des Briefes schlichtweg unleserlich war. Ein kleiner Teil der zugesandten Dokumente wird ebenfalls an entsprechender Stelle abgedruckt. Auf eine Kommentierung der Briefe haben wir gänzlich verzichtet.

Wir bedanken uns recht herzlich für die sehr zeitraubende Übersetzungsarbeit bei Frau Jakopowic, Herrn Laboczinsky , Kasimir Sobzak, Ewa Ziegler und Hendrik Kuzbik.

Ein Dankeschön für ihre finanziellen Zuwendungen richten wir an Frau Hamburger und Herrn Kochowski.

Lüneburg, im November 2001

Druck: Eigendruck

Auflage: 200

Die Erstellung dieser Schrift wurde gefördert durch die NLPB - Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung


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Fragebogen

  1. Wann, wo und von wem wurden Sie aufgegriffen, bzw. für die Zwangsarbeit in Deutschland rekrutiert?

  2. Wie sind Sie nach Lüneburg gekommen (Transportmittel, Wegstrecke, welche Stationen)?

  3. Können Sie sich noch an Ihre Ankunft in Lüneburg erinnern? Wie und an wen sind Sie zur Zwangsarbeit vermittelt worden?

  4. Wo waren Sie untergebracht und wie waren ihre Lebensverhältnisse (Wohnheim, Lager, Verhältnis zur Lagerverwaltung, wie hat man sich dort Ihnen gegenüber verhalten)?

  5. Wie wurden Sie ernährt, bzw. mussten Sie für Ihre Ernährung selbst sorgen?

  6. Wie wurden Sie gekleidet und wie waren die hygienischen Verhältnisse bzw. die medizinische Versorgung?

  7. Worin bestand Ihre Arbeit? Wie lang war Ihr Arbeitstag? Hatten Sie eine regeImäßige Arbeitszeit oder haben sie Schichtarbeit geleistet? Wie haben Sie Ihre Freizeit verbracht? Hatten Sie die Möglichkeit, Briefe nach Hause zu schreiben?

  8. Wie wurden Sie für Ihre Arbeit entlohnt?

  9. Wie war Ihr Verhältnis zu den anderen ausländischen Arbeitern und zu den Deutschen? Können Sie sich noch an bestimmte Personen erinnern?

  10. Gab es irgendeine Form von Widerstand (z. B. Arbeitsverweigerung)?

  11. Wie verlief die Befreiung und die Rückkehr in die Heimat? Welche Folgen hatten die Jahre der Zwangsarbeit für Ihr weiteres Leben? Was bedeutet diese Zeit für Sie heute?

Wladislawa B. aus Lodz:

Wir wohnten in Lodz am Stadtrand. Ich und meine Schwester Maja und mein Bruden wollten in die Stadtmitte gehen. Wir gerieten dann in eine Razzia. Anfang und Ende der Straße und alle Nebenstraßen wurden mit Lastautos und Gendarmen zugestellt. Augenblicklich war die Straße leer. Alle versteckten sich in den Toreinfahrten, aber alle wurden durch die Gendarmen rausgeholt und auf die Lastwagen geladen.

Wir kamen nach Lüneburg mit Güterwaggons, zugeschlossen von den Gendarmen. Wir konnten nicht sehen, durch welche Orte wir fuhren, weil die Öffnungen geschlossen waren.

In Lüneburg haben sie uns in ein großes Haus gebracht, das sah aus wie ein großes Gefängnis, man nannte es aber Herberge. Oben waren lange Korridore, man konnte bis nach unten gucken. An den Seiten befanden sich Zellen in kurzen Abständen. Eheleute haben eine Zelle für sich gehabt, aber ich musste mit zwei anderen zusammen wohnen.

Man hat uns zur Leimfabrik Scheidemandel gebracht. Dort wurden in großen Kesseln Knochen gekocht. Wir Frauen mussten mit großen "Bratpfannen" erst mal Fett abschöpfen, daraus wurde Seife gemacht. Das Fett wurde in Blöcke gegossen. Ich habe es plombiert mit einem kleinen Gerät, das wurde Dreja (Dreher?) genannt. Wir arbeiteten in unserer Kleidung. Bei der Arbeit habe ich nur eine große Schürze bekommen, das nannte man Kittel.

Gewohnt haben wir in diesem Gefängnis. Gesorgt hat für uns ein Vorgesetzter. Das Essen war fatal, Suppe wie für Schweine. Bis heute erinnere ich mich, dass eine dieser Suppen aus Porree war. Diese Suppe aus Porree hat sich bis zu einem halben Meter auf dem Löffel gezogen. Ich hasse Porree und werde nie wieder welchen essen. Nur das Brot war essbar. In dieser Herberge gab es überhaupt keine hygienische Betreuung. Mir kam es vor, als ob wir im Gefängnis saßen. Nach der Arbeit konnten wir uns waschen und duschen, denn wir waren schmutzig und wir stanken. Manch eine ist bei der Arbeit ohnmächtig geworden.

Die Arbeit war nur für eine Schicht, ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden. Von einem Urlaub konnte man nur träumen, es gab keinen Urlaub. Briefe schreiben war nicht verboten, wir konnten schreiben und Briefe empfangen.

Das Essen war schweinisch. Für die Arbeit haben wir keinen Lohn bekommen.

Unser Verhältnis zu den anderen war gut. In unserer Fabrik waren viele Männer: Polen, Franzosen und Russen. Zu den Deutschen war das Verhältnis wie das eines Dieners zur Herrschaft. Wir wurden von den Deutschen "Schweinepolen" und "Banditen" genannt. Ich antwortete ihnen nur:"Polen sind nicht so schlecht.

Widerstand oder Arbeitsverweigerung wagte keiner von uns, denn wir wussten, was uns blühen würde. Einmal bat ich den Meister weggehen zu dürfen, ich fühlte mich schlecht. Als Antwort bekam ich eine ins Gesicht.

Meine Befreiung verdanke ich der Schwangerschaft. Als ich schwanger wurde, wurde ich durch einen deutschen Arzt untersucht. Die Firma Scheidemandel schickte mich 1943 nach Polen zurück. Ich kam in mein Land als letzte Bettlerin. Die Kleidung war miserabel, ich hatte keinen Pfennig in der Tasche. Die Fahrt war gratis. Mein Mann musste in Lüneburg bleiben. Er und meine Schwester und mein Schwager kehrten nach Kriegsende heim. ... Sie waren alle krank durch diese stinkenden Knochen... Ich hatte das Glück, dass ich diese andere Arbeit mit den Blöcken gehabt habe. Meine Dokumente, die ich hatte, habe ich nach Warschau geschickt, auch das Bild mit dem P, das in Lüneburg gemacht wurde...

Da wurden die Straßen abgeriegelt, eine Razzia durchgeführt, und alle mitgenommen. Das war 1940. Mit dem Gütertransport sind wir nach Lüneburg gekommen. Zum Bauern. Sein Name war von Meding.

Schlafen und Nahrung war ungenügend (unzufrieden). Die ärztliche Versorgung hat auch gelitten.

Wir arbeiteten 10 Stunden täglich auf dem Feld ohne Urlaub. Die paar Stunden freie Zeit haben wir in der Nähe des Schlafplatzes verbracht.

(Verdienst:) Wöchentlich 8 oder 10 Mark.

Auf diesem Gut arbeiteten 6 Polen und 1 Litauer. Das Verhältnis zur Bevölkerung war sehr schlecht. Sie haben uns geschlagen.

Wir konnten nicht die Arbeit verweigern. Das war strafbar.

(Am) 10. 1. Oktober 1945 fand die Reise nach Polen in unser Geburtsdorf statt...haben vier Wochen im Gefängnis gesessen.

Aleksandra D. aus Lowicz

Ich wurde nach Deutschland zur Zwangsarbeit gezwungen. Ich bin bei einer Straßenrazzia 1942 aufgegriffen worden am 10. 7. 42 um ca. 24.00 Uhr in der Nacht und durch Polizei und nach Deutschland mitgenommen worden. Ich war mit einer Freundin aus dem gleichen Dorf zusammen. Aus dem Dorf Kopiella wurde ich mit einer Freundin, die Salomaea K. heißt, gleichzeitig nach Deutschland verfrachtet. Am zweiten Tag hat man uns nach Radomorski verfrachtet, nach zwei Tagen hat uns die deutsche Polizei abgeholt und zum Bahnhof gebracht.

Wir sind bis Tschenstochau mit einem Zug gefahren. In T. hat man uns alle nach Deutschland verfrachtet über Hannover , Hamburg bis nach Lüneburg. Am Bahnhof hat uns ein Besitzer eines Ladens/Geschäftes, in dem ich später gearbeitet habe, abgeholt. Das war Alfred und Otto Brand. Diese Firma/Werkstatt war Am Berge 8. Ich wurde da mit meiner Freundin Kepinska zur Arbeit gezwungen. Wir haben dort mit bestimmten Stahlteilen gearbeitet, wir haben sie zusammengesetzt, aber ich weiß nicht, wofür sie gedacht waren. Nach der Befreiung bin ich nach Polen zurückgefahren. Meine Freundin ist nach England, wo sie dort immer noch lebt. Ich habe ihre Adresse nicht und keinen Kontakt. Die Arbeitgeber waren gut zu uns. Das Essen gab es immer nur auf Lebensmittelkarten. Wir hatten Arbeitskleidung mit einem Buchstaben "P". Am 20.6.44 wurden die Lebensumstände schlechter. Das Essen war Gemeinschaftsessen, das heißt, wir wurden zum Essen gerufen. Es gab wenig zu Essen, ich war sehr hungrig. Aber ich habe noch nach den Arbeitsstunden einer Deutschen beim Waschen und Aufräumen geholfen, wofür ich was zum Essen bekam. Wir haben gearbeitet von 6.00 bis 18.00 Uhr mit einer Stunde Essens- und Ruhepause.

Der Lohn wurde zweimal im Monat ausgehändigt. Zusammen waren das 50 Mark. Von denen hat man für das Essen Geld abgezogen. Es gab keinen Urlaub. Briefe konnte ich schreiben. Die wurden aber auch zensiert. Einmal im Monat durfte ich auch in die Kirche gehen. Das Verhältnis zu den Deutschen war gut. Ich fühle überhaupt keine Wut auf die Deutschen. Es ist nur schade, dass es einen Volksdeutschen gab, der uns verprügelt hat. Er selbst stammte aus Polen, hatte einen polnischen Namen. Er hieß Ka. Tsch.. Das fand ich ganz schrecklich. Und eine andere Form der Bestrafung war der Lohnabzug. Am 18.4.45 sind wir durch die englische Armee befreit worden. Wir warteten auf den Transport und ich durfte dann im September 45 nach Polen zurückkehren. Das genaue Datum weiß ich nicht mehr.

Tadeusz D. aus Lodz:

Ich ging zum Gymnasium der Salesianer, das war eine italienische Gesellschaft.

Die Schule wurde von einem Mann mit Namen Müller übernommen. Der hat die Fahrt nach Deutschland organisiert. Ich und meine 4 Kameraden, also 5, fuhr mit dem Zug über Berlin nach Winsen/Luhe, bei Hamburg. Dort blieben wir nicht lange, ein paar Monate in dem metallurgischen Werk.

Von da brachte man uns nach Lüneburg zum Emaillierwerk, Firma Harry Behrens, wo ich mit meinen Kameraden bis zum Kriegsende, zur Befreiung, arbeitete.

Anfangs hat man uns in einem Altersheim untergebracht, später in der Jugendherberge.

Kurz vor Ende des Krieges brachte man uns zum Emaillierwerk. Nach dem Krieg hat man uns ins Dorf Brietlingen gebracht, wo die Deutschen geräumt wurden. Wir bekamen täglich etwas zum Essen, auch Pakete von der UNRA. Überall hat man uns höflich und freundlich behandelt. Wir bekamen Bezugsscheine für neue Sachen und Schuhe, wie auch aus Magazinen gebrauchte Kleidung. In dieser Kaserne war die Unterkunft gut, mit Bademöglichkeiten. Man konnte baden, wann man wollte. Man zwang uns zu keiner Arbeit. Es gab auch andere Ausländer, z.B. Ungarn, meistens Frauen.

Es gab bei der Zwangsarbeit keine Möglichkeit, Widerstand zu leisten. Ich bin angekommen in Deutschland mit 16 Jahren. Ich konnte mich nicht beklagen über schlechte Behandlung von Deutschen, eher war es freundschaftlich. Manche Deutsche haben ihr Frühstücksbrot mit uns geteilt. Für unsere Arbeit bekamen wir Lohn....

Josef G. aus Kielce:

Ich wurde zur Zwangsarbeit gezwungen am 10. Juni 1941. Ich wurde bis Fensterau gebracht. Von dort aus hat man ca. 1.200 Menschen, der Zug war voller junger Polen, nach Breslau gefahren. Ich kann mich erinnern, wir waren in Breslau, es war da der 21. Juni 41, ein Sonntag. Viele Polen waren schon dort. Sie sagten uns, dass die Deutschen schlagen. Ich kann mich genau erinnern. Ich kann nicht so gut schreiben, weil meine Hand zittert. Wir sind dann in Lüneburg nachts angekommen und später wartete ich auf dem Markt bis zum Zeitpunkt, bis ein Bauer auf mich zukam und mich fragte, ob ich Kühe melken kann. Ich sagte, ich könne es, weil ich schon auf dem Land gearbeitet habe. obgleich ich damals 17 war. Ich gefiel ihm und er nahm mich mit in das Restaurant. Er hat mir ein Bier ausgegeben und nahm dann den Zug und wir sind dann nach Jürgensdorf gefahren, wo der Bauer herkam und wo ich dann gearbeitet habe. Ich habe dort dann Kühe gemolken, ca. 46 Monate. Ich war jung, gesund. Ich kann mich erinnern Einmal hat mich der Bauer geschlagen gegen meine Hand und ins Gesicht, bis mir das Blut runterlief. Ich hatte Hunger und ich hab versucht zu erklären, dass ich ein wenig Brot mehr brauche, weil ich hungrig bin. Er war wütend. Ich bin nach Lüneburg abgehauen zum Arbeitsamt. Dort bekam ich... Ich lief dann 16 KM zurück. Ich bekam eine Scheibe Brot. Ich hab gut gearbeitet und fuhr 1945 zurück. Im November 1945 durfte ich dann nach Polen zurück und jetzt lebe ich in einer Stadt, die Gliche heißt.

Die Arbeitszeiten waren unterschiedlich, es gab keine festen Zeiten, wie das eben auf dem Lande ist. Es gab keinen Urlaub, es gab ca. 60 Kühe und 4 Pferde. Der Bauer war alt und konnte auch nicht richtig arbeiten. Es gab sehr, sehr viel Arbeit. Lohn war auch nicht besonders viel, weil ich noch nicht volljährig war. Aber ich arbeitete im Sommer von 5.00 Uhr bis 19.00 Uhr am Abend. Briefe durften wir schreiben, es gab aber Zensur. Ich wusste das, deshalb habe ich aufgepasst. Ich habe für einen Monat Arbeit ca. 25 Mark erhalten. Für das Geld habe ich in Lüneburg ...dafür konnte man sich gebrauchte Hemden, Schuhe oder Hosen kaufen. Das Verhältnis zu den Deutschen war sehr gut. Man hat sich nicht gegenseitig gestört. Die haben uns nicht in irgendeiner Form belästigt. Wir grüßten uns alle mit "Guten Morgen". Die Arbeit konnte ich nicht ablehnen, weil die Kühe versorgt werden mussten. Ich kann mich erinnern, als die englische Armee kam nach Lüneburg und Jürgensdorf am 18. April 1945 am Abend. Alle Polen sind dann nach Brietlingen gefahren. Es war sehr gut dort. Später haben sie uns nach Bergen-Belsen verfrachtet. Wir waren ca. 15.000. Später konnten wir dann mit anderen Polen mit Autos zurück nach Polen reisen. Als wir in Stettin ankamen, spielte dort das polnische Armeeorchester Musik. Ich musste weinen. Wir weinten wie die Kinder. Ich schicke anbei drei Bilder. Was ich schreibe, entspricht alles der Wahrheit. Ich grüße Josef S.

Es tut mir leid, dass meine Hand so zittert und der Brief so schlecht zu lesen ist.

Magdziak C. aus Walbrzych:

Ich kam zur Zwangsarbeit nach Deutschland durch "Lapanka" (Razzia?). Es waren Deutsche in Zivil, die haben mich von zu Hause und 4 Kollegen aus einer anderen Gegend mit Lastwagen nach Ostrowiec gebracht.

In Ostrowiec hat man einen Zug bereit gestellt, der nach Lüneburg fuhr. Über welche Strecke, weiß ich nicht.

Nach der Ankunft in Lüneburg wurde ich zu einem Bauern Henrigha Maijera gebracht, Ortschaft Sommerbeck, mit dem Zug. Ich wurde in einem Schuppen untergebracht, der war nicht geheizt. Im Winter glitzerte das Eis auf den Wänden. Der Bauer war ein guter Mensch, aber er jagte mich zur Arbeit.

Verpflegung war verschieden, 3 Mahlzeiten täglich. Er gab mir altes Arbeitszeug. Zum Waschen gab es nur kaltes Wasser, und dieses Häuschen mit dem ausgeschnittenen Herz stand hinter der Scheune. Ärztliche Betreuung gab es praktisch nie.

Zu meinen Pflichten gehörte die Betreuung von Kühen und Pferden und alle Arbeiten, die mit der Landwirtschaft verbunden waren, von 5 Uhr morgens bis abends. In dieser Zeit hatte ich keinen garantierten Urlaub. Von Zeit zu Zeit ging ich zu meinen Kollegen, die bei anderen Bauern arbeiteten Es gab die Möglichkeit, Briefe zu schreiben.

Für meine Arbeit bekam ich monatlich 20 Mark.

In der Freizeit haben wir uns mit andern Arbeitern getroffen und unterhielten uns in unserer Muttersprache. Das Verhältnis zur deutschen Bevölkerung war schlecht und feindlich.

Es gab keine Arbeitsverweigerung.

Nach Kriegsende am 9. Mai 1945 hat man uns zum Übergangslager Bergen-Belsen gebracht, wo ich 2 Jahre blieb. Nach Hause kam ich im Jahre 1947. Bei der Zwangsarbeit in Deutschland verfloss meine Jugend und auch die Möglichkeit, mich weiterzubilden. Das war die Zeit, die nicht in Erinnerung bleiben soll.

Ich habe eine Anordnung aus der Gemeinde bekommen und musste fahren. Ich wohnte in einem Dorf namens Kaminka. Das war im Januar 1943. Nach Lüneburg haben sie uns mit dem Zug hingefahren, das war ein Transport. In Lüneburg habe ich zuerst gearbeitet. in einer Fabrik, aber ich erinnere mich nicht mehr daran, was das für eine Fabrik war . Ich arbeitete an einem Kessel. Ich habe den Hahn aufgedreht und dann habe ich zusammen mit einer anderen Frau einen kleineren Kessel vollgemacht und dann haben wir das reingegossen in vorbereitete Formen. Wir wohnten in einem Gebäude direkt bei der Fabrik. Dort haben wir auch das Essen bekommen. Man hat uns gut behandelt. Der Meister war ein guter Mensch. Er hat sich sehr um uns gekümmert und aufgepasst, dass sich keiner von uns verbrüht durch die (heiße) Flüssigkeit und kein Unfall passiert. Nach drei Monaten hat man uns hingebracht zu einem Landwirt in Rittbergen (Hittbergen). Da habe ich gearbeitet bis zum Ende des Krieges. Bei dem Bauern musste ich das arbeiten, was man mir auftrug, auf dem Feld, im Kuhstall oder im Haus. Der Bauer hieß Wilhelm Heilmann, wenn ich mich gut erinnern kann. Bei dem Bauern habe ich auch ein Arbeitsbuch bekommen. Wenn einer krank geworden ist, hat der Bauer einen Arzt angerufen, aber ich war nie krank. Briefe haben wir ohne Zensur geschrieben, aber unterwegs wurden sie zensiert. Bei mir ist jeder Brief aus Polen angekommen. Dort war eine wunderbare Briefträgerin. Schon von weitem rief sie: "Kasa, Brief für dich:".

Am Sonntagnachmittag war Freizeit. Dann haben wir uns getroffen alle zusammen, auch von den anderen Bauern, bei irgendjemandem auf dem Hof. Das war unser freier Nachmittag, einmal die Woche. Am Sonntag Nachmittag haben wir Kaffee und Kuchen bekommen bei dem Bauern.

Für unsere Arbeit hat man uns sehr wenig bezahlt. Ich kann aber nicht mehr sagen, wie viel: 16 bis 20 Mark im Monat und Essen und Logie.

In unserem Dorf gab es mehrere Polen. So haben wir bis zum Kriegsende ausgehalten. In unser Dorf sind Engländer angekommen, haben uns alle aufgeschrieben und mit Lastwagen nach Stettin transportiert. In Stettin hat man uns Freifahrtskarten gegeben. Nach der Rückkehr wohnte ich dann zusammen mit meiner Mutter . Heute sind das nur Erinnerungen.

Ich freue mich, dass man uns für diese Zwangsarbeit eine Entschädigung gegeben hat. Das hat uns viel geholfen, die schweren Jahre durchzustehen.

Weronika R. aus Szczecin:

Der Ortsbauernführer brachte mir im März 1942 eine Aufforderung, nach Deutschland zu fahren.

Wir fuhren in Viehwaggons über Ostrog-Stettin-Berlin-Lüneburg.

Nach der Ankunft in Lüneburg sind wir auf Bauernhöfe verteilt worden.

Wir wohnten im ehemaligen Kriegsgefangenenlager, wir waren nachts eingeschlossen. Aufsicht hatte eine deutsche Frau namens Inge.

Verpflegung haben wir vom Bauern gehabt. Vom Bauern haben wir benutzte Kleidung bekommen. Ärztliche Betreuung war keine, waschen mussten wir uns im Männerbad.

Die Arbeitszeit dauerte von 6 Uhr bis 20 Uhr. Ich musste 12 Kühe melken, dann Schweine füttern und alle Arbeiten auf dem Feld machen. Urlaub oder freie Zeit hatten wir nicht.

Es gab keine Entlohnung.

(Verhältnis zu anderen Arbeitern und zur deutschen Bevölkerung:)Normal

(Widerstand:) nein

Befreit wurde ich im Mai 1945 durch Engländer. Bis zum September im gleichen Jahr waren wir in einem Lager. Nach Deutschland schickte man mich, als ich 16 Jahre alt war. Dadurch habe ich keine Schule beendet. Als ich nach Polen zurückkehrte, konnte ich auch nicht mehr weiter lernen. Die Zeit war so schwierig, dass ich arbeiten gehen musste, um zu leben.

Janina Z. aus Gdansk:

Ich wurde vom Arbeitsamt nach Deutschland geschickt.

Transport nach Deutschland im Güterzug.

Man verteilte uns auf Bauernhöfe in Hydbergen (Hittbergen).

Unterkunft war beim Bauern. Man hat uns gut behandelt.

Verpflegung war gut, aber ich musste den Buchstaben P tragen.

Ich arbeitete auf dem Feld und beim Kühe melken, 16 Stunden am Tag. Urlaub hatte ich nicht. Ich konnte Briefe an die Familie schreiben. Freizeit benutzte ich zum Schlafen.

Ich bekam 20 Mark auf die Hand.

Ich musste gehorsam sein, höflich und alles erledigen, was man mir aufgetragen hat.

Ich konnte keine Arbeit verweigern, denn dafür kam man ins Lager.

Bei der Zwangsarbeit war ich 5 Jahre lang. Ich kehrte nach der Befreiung nach Hause zurück. Ich verlor meine Jugend und Gesundheit. Ich musste viel leiden, denn als junges Mädchen wurde ich von zu Hause fortgerissen und musste schwer arbeiten.

Weronika W. aus Hyze

Ab Juli 42 bis April 45 vom Ortsbauernführer

Ich erinnere mich nicht.

Ich kam zu Dr. Hans-Jürgen Liess, Johanniskirche 6 (Lüneburg)

Ich wurde behandelt wie alle anderen Arbeiter aus Polen und Frankreich. Wir waren 3 Arbeiterinnen.

Ich musste den Buchstaben P tragen. Verpflegung war auf Lebensmittelkarten für alle.

Ich musste aufräumen, putzen, Wäsche waschen und in der Küche arbeiten.

5 Mark

Im November 45 kehrte ich zurück. Vorher ging ich durch ein Sammellager. Im Juni 46 habe ich eine Tochter geboren. Es war für uns sehr schwer, denn meine Familie wollte uns rauswerfen.

Urszula G.:

.. Ich bekam die Aufforderung, mich zum Bahnhof zu begeben ... Trasse Breslau . Die Strecke führte nach Breslau und Berlin, von da nach Lüneburg. Dort wurden wir verteilt zu verschiedenen Bauern. Mich hat man in das Dorf Sarchem gebracht. Mit mir zusammen waren noch 1 Italiener und ein Franzose. Wir arbeiteten von früh bis abends, Feld- und Hofarbeit. Es war gar nicht so schlecht, aber auch nicht gut. Ich musste mich nicht um Verpflegung sorgen, wir aßen dasselbe wie die Bauern. An Kleidung hatte ich das, was ich von Hause mitgenommen hatte. Am Ort bekam ich eine Leinenschürze. Ärztliche Betreuung war nicht nötig, denn ich war jung und nicht kränklich. Aber jetzt habe ich ärztliche Betreuung nötig. Geregelte Arbeitszeit gab es nicht und von Urlaub konnte man nur träumen. Freizeit hatte ich nicht, denn immer war was zu tun. Wenn etwas Zeit war, versuchte ich auszuschlafen. Briefe schrieb ich an die Familie, aber die gingen alle durch die Hände des Bauern, aber Briefe von der Mama wurden auch zensiert. Die einzige Entlohnung für die schwere Arbeit waren Verpflegung und Unterkunft. Während der ganzen Zeit hatte ich keine Begegnung mit irgendeiner Form von Widerstand. Nach Beendigung des Krieges...(wurden) zuerst die Italiener und Franzosen und dann Polen mit Lastwagen nach Bremen gebracht. Dort hat man uns Dokumente ausgehändigt, die uns ermöglichen sollten, nach Familien zu suchen, aber nur 2 Wochen. Ich hatte Glück. Ich kehrte zu Mama zurück. Ich kehre ungern mit den Gedanken zurück, denn ich möchte mich nur an gute Zeiten erinnern.

Stanislawa K. aus Glowno:

Im Mai 1940 wurde ich nachts aus dem Haus meiner Familie zur Zwangsarbeit abgeholt. Vor dem Haus stand ein deutscher Lastwagen. Trotz meines Weinens und des Weinens meiner Eltern hat man mich aus dem Bett gezerrt und auf den Lastwagen gebracht - ich war 14 Jahre alt.

Ich war die ganze Zeit konfus und weinte. Ich weiß nur, dass ich mit einem Güterzug fuhr. Wir kamen an eine Ortschaft, die ich nicht kenne, und man hat uns zu einem Bad gebracht. Nach der Desinfektion hat man uns in Reihen hingestellt, auf der einen Seite Frauen, auf der anderen Männer, alle nackt. Dann kamen irgendwelche Leute und begannen mit der Segregation. Ich hatte lange, schöne Zöpfe, die man mir abgeschnitten hat. Ich sah furchtbar aus. Dann kam ein Deutscher und sagte, er nimmt mich mit. Ich weiß gar nicht, wie das Dorf heißt. Und das war mein erster Bauer.

Nach Lüneburg kam ich im August nach meiner Flucht vom ersten Bauern. Bei dem wurde ich misshandelt, und als 14jähriges Mädchen musste ich 3 Kühe melken, 3 mal am Tag, zwischendurch in der Küche helfen und was sonst noch anfiel. Ich hatte überhaupt keine Freizeit. Ich bekam wunde Hände, und keiner wollte meine Klagen hören.

Nach einem Brief an meine beiden Brüder haben sie auf meine Klagen reagiert und eine Flucht organisiert. Mein jüngerer Bruder hatte einen Schwager, der Volksdeutscher war. Der kam nachts und hat mich entführt. Wir fuhren den ganzen ...Tag mit einem Schnellzug und kamen nach Lüneburg. Von da fuhren wir mit dem Auto nach Melbeck. Ich erinnere mich an den Namen Grünhagen, aber ich weiß nicht, womit das zusammenhängt. Aufgenommen hat mich ein Bauer, bei dem mein Bruder gearbeitet hat. Ich erinnere mich nicht an seinen Namen. Nach einem Jahr hat mich ein Otto Meyer genommen. Ich arbeitete auf dem Feld. Wieder nach einem Jahr - vielleicht auch länger - kam ich zum nächsten Bauern. Ich erinnere mich nur an die Vornamen Magdalena und Hans, das waren die 2 Kinder. Ich blieb da bis zur Befreiung.

Ich hatte Glück, dass ich bei jedem Bauern das einzige Mädchen war. Ich hatte ein kleines Zimmer unter dem Dach. Die (meisten) wohnten in Baracken. Bei den ersten beiden Bauern war die Verpflegung karg. Bei dem dritten war ich nicht mehr hungrig. Und bei dem vierten habe ich außer Hof- und Feldarbeit in der Küche geholfen und konnte die Reste vom herrschaftlichen Tisch essen und wurde satt, denn die Bäuerin war zufrieden mit meiner Arbeit. Ich glaube, sie mochten mich gern. Meine Garderobe war bescheiden. Schlimmer war es mit Unterwäsche. Man gab mir 2 Schlüpfer in einem Jahr. Hygienische Verhältnisse waren verschieden. Die besten waren beim letzten Bauern. Ärztliche Betreuung gab es nicht.

Ich arbeitete von früh bis nachts. Man musste die aufgetragenen Arbeiten zur Zufriedenheit erledigen, sonst gab es Strafen. Am schlimmsten für mich war es, die Kühe zu melken. Ich hatte keine Kraft, ich war noch ein Kind. Urlaub und Freizeit gab es nicht. Im letzten Jahr beim letzten Bauern hatte ich sonntags 3 Stunden frei. Ich konnte im Monat einen Brief schreiben und einen erhalten. Vom Tode meines Vaters habe ich erst ein halbes Jahr später erfahren.

Für meine Arbeit habe ich keine Entlohnung erhalten. Ich bekam 3 Mark im Monat für meine persönliche Hygiene.

Arbeiter aller Nationen hielten zusammen. Ich hatte Angst vor Deutschen.

Ich erledigte die Anordnungen, weil ich Angst hatte.

...Ich kam im März 46 nach Polen zurück, nach dem Aufenthalt in verschiedenen Lagern für DPs. Die Familie ist in die Welt gereist, einige nach USA, einige nach Frankreich. Ich, schon als Ehefrau, mein mittlerer Bruder mit Frau und 3 Kindern, geboren in Deutschland, fuhren nach Polen. Die Jahre der Zwangsarbeit haben bewirkt, dass ich demütig war und mit allem einverstanden. Immer war ich in Sorge und habe gewünscht, dass die Zeit sich nicht wiederholen möge. Oft habe ich meinen 3 Kindern von dieser Zeit erzählt. Die Pubertät und die Jugendjahre war ich in Gefangenschaft, weit weg von meinen Eltern. Man hat mich von zu Hause geraubt, als ich noch ein Kind war und kam mit meinem Mann, den ich in dieser Zeit kennen gelernt hatte, wir waren beide Zwangsarbeiter und mussten unsere Gefühle verstecken, damit man uns nicht trennte. Wir heirateten am 16. Juni 45 in Brietlingen im DP-Lager. Diese Jugendjahre sollen sich nicht wiederholen.

Wieslawa F. aus Zawiercie:

Ich komme aus Zawiercie. Durch das Arbeitsamt habe ich Bescheid gekriegt, dass ich nach Deutschland kommen soll.

Ich kam zur Ortschaft Stelle mit dem Zug zu einer Landwirtschaft mit Obstbau.

Für die Weigerung, am Sonntag zu arbeiten, hat man mich arretiert und durch einen Gendarmen nach Lüneburg gebracht.

Dort wurde ich in einer Zelle mit mehreren Personen eingeschlossen, ohne jedes hygienische Mittel. In der Zelle war nur ein Kübel für alle.

In Lüneburg saß ich zwei Wochen. Danach hat man mich nach Uelzen zum Straflager gebracht, das lag im Wald.

Keine Briefe von mir oder zu mir. .., Bekleidung nur, was ich hatte, ohne Schuhe.

Keine (ärztliche Versorgung). Urlaub? Das ist lächerlich, gab es nie. Da wir uns nicht waschen konnten, haben wir Läuse gekriegt.

Außer Mitgefangenen habe ich keine anderen Leute gesehen.

(Widerstand:) Ja, darum hat man mich ins Straflager gebracht.

(Befreiung:) Genau weiß ich es nicht, es war April 45. Ich ging durch diese Wälder den ganzen Tag bis nach Uelzen. Dort gab es Baracken für polnische Ex-Zwangsarbeiter. Dann fuhr ich zu meinem ehemaligen Bauern und holte meine Sachen ab.

Ich war 15 Jahre alt. Ich musste jeden Tag arbeiten, wochentags und feiertags bis zum Februar 1945.

Das dort kann man nicht anders nennen als europäische Taiga. Wir lagerten unter freiem Himmel ohne einen Tisch oder Stuhl. Ich erinnere mich, dass wir Holz gesammelt und Feuer gemacht haben, denn es war doch kalt. Schade, sehr schade, dass ich keine Dokumente über die unmenschliche Behandlung aus dieser Zeit habe. Manche Ereignisse kann man mit dem vergleichen, was man im Fernsehen über die Behandlung der Russen in Sibirien sehen kann. Ich habe das gleiche erlebt, mit dem Unterschied, dass ich in einem zivilisierten Land war.

Es war schon Ende April 1945. Eines Tages sind meine Freundin und ich in den Wald gegangen, um Feuerholz zu sammeln. Da haben wir festgestellt, dass das Lager gar nicht umzäunt war. Dann kamen Engländer und haben uns nach Artlenburg und Bardowick gebracht. Dort blieben wir mehrere Monate unter der Obhut von englischen Soldaten. Danach hatten die Engländer uns nach Bergen-Belsen gebracht, das ehemalige Vernichtungslager. Dort waren wir mehrere Monate. Von da kamen wir nach Clausthal-Zellerfeld. Ende 1947 hat man begonnen, uns nach Polen zu bringen. Ich ergriff die Initiative und kam am 1. Dezember ohne jegliche Dokumente nach Polen.

Ich hab damals nicht geglaubt, dass ich noch irgendwelche Dokumente brauchen werde. Die, die ich jetzt besitze, habe ich vom Internationalen Suchdienst bekommen.

Ich sende Grüße

Heute, nach so vielen Jahren, nach dieser Jugendzeit im Wald, denke ich, dass man mir Unrecht getan hat. Ich habe Rheumatismus, weil wir im Wald lebten.

Maria K. aus Tyczyn:

Es hat mich sehr gefreut, meine Tochter, die in Lüneburg geboren ist, und mich , dass es dort Leute gibt, die sich für Leute interessieren, die damals Teile ihrer Jugend dort gelassen haben. Wie kam ich nach Lüneburg? Nach dem Einmarsch der Deutschen 1939 in Tyczin, wo ich geboren bin und wohnte, haben sie ein (Herrenhaus) beschlagnahmt, in dem sie wohnten. Dort war ich bei einem Deutschen mit Namen Staufer beschäftigt. Im Juni 1943 bekam ich vom Bürgermeister Heuder die Aufforderung zur Ausreise nach Deutschland. Der Verwalter Staufer war damit nicht einverstanden und man hat die Ausreise um 2 Wochen verschoben. Ich glaube, Staufer wurde betrogen, denn man hat mich nach Rseszow gebracht. Man hat versprochen, dass ich nach ein paar Stunden zu Staufer zurückkomme zur Arbeit. Aber in Rseszow wurde ich mit meiner Freundin Anna Kosicka in einen Güterwaggon gepfercht und die Reise begann. Keiner sagte uns wohin, auch die volksdeutsche Frau, die uns betreut hat, nicht. Erst in Berlin hat man uns erklärt, wo wir uns befinden. Nur ich und meine Freundin kamen nach Lüneburg. In Lüneburg wartete ein volksdeutscher Ukrainer auf uns, der uns ins Lager gebracht hat. Man hat uns gleich am nächsten Tag den Buchstaben "P" angenäht. In diesem Lager waren schon 12 Mädchen. Unsere Arbeitsstelle war wahrscheinlich eine Munitionsfabrik, denn ich arbeitete mit Pulver und Soda. Ich musste diese Sachen in 50-kg-Säcke packen und zum Waggon tragen. Unsere Bekleidung waren Overalls und Klompen und Brille und Masken. Die Bedingungen waren gesundheitsschädlich, da konnten auch nicht alle arbeiten. Viele mussten nach ein paar Stunden die Arbeit verlassen, denn die Gesichter waren dick und die Augen tränten., sie konnten die Arbeit nicht mehr machen. Ich weiß nicht wie, aber ich habe in dieser Fabrik ausgehalten von Juli 43 bis Mai 45. Es gab öfter Explosionen von diesem Pulver, und ich hab mich manchmal durch das ausfließende Gas vergiftet. Obwohl ich schwanger war, hab ich keine Erleichterung bekommen. Nur einmal, nachdem ich durch das ausströmende Gas vergiftet war, bekam ich 2 Tage frei. Die Wohnverhältnisse waren typisch wie im Lager. Wir schliefen in Betten mit mehreren Etagen, zum Zudecken hatten wir Decken. Sachen zum Anziehen haben wir uns genäht aus Stoffen , aus denen die Säcke waren. Meine Arbeitsstelle war eine Strafstelle, da kamen auch andere Polen wegen irgendwelcher Delikte (hin). Meine Strafe dauerte am längsten , denn ich blieb dort 2 Jahre. Wenn es um Widerstand geht, dann gabs den nur bei Fliegeralarm. Wir wollten nicht in den Bunker gehen, wir wollten nach der schweren Arbeit im Freien bleiben. Aber dann hat man uns durchs Fenster mit einem Wasserschlauch bespritzt. Unsere Vorgesetzten waren Meister, überwiegend Invaliden. Ich glaube, die hatten Mitlied mit uns, denn sie waren gut zu uns.

Unsere täglich Ernährung war ½ l Streckrübensuppe, die wir abends bekamen,. 2 mal die Woche bekamen wir 2 Kartoffeln mit einer dünnen Scheibe(Wurst), meistens am Sonntag. ¼ Brot, 1 Esslöffel Zucker, 2 Dekagramm Margarine war die Zuteilung für 2 Tage. Dieses Brot war eine Rarität. Am liebsten hätte man alles auf einmal aufgegessen, aber man musste doch sparsam sein, damit es länger reicht. Von zu Hause kamen manchmal Fresspakete. Aber da die Pakete lange unterwegs waren, waren die Sachen verdorben. Im Lager gab es Duschen zum Waschen und Duschen. Wir nahmen heimlich von diesem Soda zum Waschen. Meine Arbeit dauerte von früh bis abends , und sogar an Feiertagen , wenn ein Transport mit Sachen kam, mussten wir ausladen. Eigentlich gab es überhaupt keine Freizeit. Man durfte nicht aus dem Lager rausgehen. Als Lohn gab es 12 Mark, ich weiß´ nicht, ob in einer Woche oder in einem Monat. Man konnte sowieso außer Zigaretten nichts kaufen. Ich kann nichts über das Verhältnis zur deutschen Bevölkerung sagen, weil wir meistens mit niemandem Kontakt hatten. Es gab Arbeitsverweigerungen, die Arbeiter verlangten nach mehr Verpflegung.

In so einem Fall wurden die Anführer erschossen.

Die Befreiung kam Ende April 1945 durch die Engländer. Im Mai 45 ist meine Tochter Elsbiete geboren. Danach verweilte ich noch ein Jahr in diesem Lager in Lüneburg. Ich hatte schon fertige Papiere für die Auswanderung nach England, aber die Krankheit bewirkte, dass ich mit meinem Kind nach Polen zurückkehrte. Hier habe ich meine Tochter allein großgezogen, mit der ich noch zusammen wohne.

Ich bin 76 Jahre alt, meine Gesundheit wird immer schlechter. Ich habe Schwierigkeiten mit dem Herzen, Rheumatismus und ...

Ich wollte immer mal nach Lüneburg kommen, aber ich glaube, das gelingt mir nicht mehr.

Hochachtungsvoll

Elsbiete K., Tochter von Frau Maria K.:

Sehr geehrter Herr Asmussen!

Die Tatsache, dass sich jemand für das Schicksal der Zwangsarbeiter in Lüneburg interessiert, hat mich gerührt. Meine Mutter gehörte auch zu dieser Gruppe Menschen... Ich schreibe diesen Brief an meinem Geburtstag, denn dieser Tag steht in Verbindung mit Lüneburg. Ich bin das uneheliche Kind von Maria K.. Ich weiß nicht, wer mein Vater war. Dieses Thema war für meine Mutter tabu. Sie wollte nie darüber reden. Obwohl sie eine attraktive Frau war, heiratete sie nie, und hat mich alleine großgezogen. Sie hat bestimmt viel durchgemacht in Lüneburg, wo sie doch so schwer gearbeitet hat trotz der Schwangerschaft. Ich hatte auch kein leichtes Leben. In der Schule hat man mich die Deutsche genannt. Es war doch Nachkriegszeit, Zeit, in der die Polen nicht gut über die Deutschen redeten. Auch weinte sie aus diesem Grund und träumte, dass ich mal ins unbekannte Lüneburg fahren könnte. Ich freue mich, dass es dort so einen Verein gibt, den Sie repräsentieren. Ich bin eine Lehrerin und immer habe ich den Kindern eingepaukt, dass nicht alle Deutsche Hitlerfreunde waren. Es gibt doch auch gute und ehrliche Deutsche. Die waren nicht immer der gleichen Meinung wie Hitler.

Herzlichen Dank Ihnen, dass Sie sich für die Zwangsarbeiter in Lüneburg interessieren. Vielleicht gelingt es mir, meine "Geburtsstadt" zu besuchen.

Ich sende Ihnen herzliche Grüße mit dem Wunsch: Alles Gute.

P.S.: Mama weiß nicht, dass ich diesen Brief geschrieben habe."

Maria K., zweiter Brief:

Sehr geehrter Herr!

Ich bedanke mich sehr herzlich für die Korrespondenz, welche ich aus Lüneburg erhalten habe. Ich freue mich sehr, dass ich mich mit meinen Eindrücken Ihnen mitteilen konnte.

In den letzten Tagen habe ich eine Entschädigung von etwa 75% erhalten, das sind ca. 2.500 DM. Ich habe gehofft, dass ich ein wenig mehr bekomme, aber so ist es auch in Ordnung.

Schade, dass meine Tochter Elisabeth, geb. am 29.5.45 in Lüneburg, keine Entschädigung bekommt, weil, wie sie mir gesagt haben in der Abteilung für Wiedergutmachung, sie zu spät geboren ist. Aber ich war schwanger, als ich arbeiten musste. Ich habe hart gearbeitet. Ich war sogar zweimal vergiftet worden. Ich vergiftete mich bei der Arbeit, weil die Arbeit so schwer war - die Abgase. Ich war damals schwanger und ich war hungrig. Und das hat sich natürlich auf das Kind widergespiegelt (niedergeschlagen). Als sie auf die Welt kam, war es ein ganz blasses Kind. Aber Gott sei Dank haben wir es geschafft. Ich habe sie erziehen können. Ich war alleine, nicht verheiratet. Also es war schwer, und für mein Kind war es auch nicht einfach.

Auf der anderen Seite (des Schreibens) habe ich ein Gedicht verfasst. Es war sozusagen unser Lied im Lager. Wir sangen es öfter in Momenten, wenn wir Heimweh spürten, Heimweh nach Hause.

Herbstliche Winde rauschen über unsere Köpfe.

Herbstliche Winde haben kein Mitleid mit uns - erlauben uns nicht zu schlafen und reißen uns aus dem Schlaf.

Sie wissen, dass wir es schwer haben, weit von zu Hause von unseren Liebsten sind.

Wir sind die Gejagten, müssen in Baracken leben.

Wir hoffen, dass der Krieg bald vorbei ist und dass wir euch bald wiedersehen in unserer Heimat.

Ich grüße und danke sehr herzlich für das Interesse.

Maria K.

Stanislaw K. aus Skalmierzyce:

Unsere Familie wurde ausgesiedelt nach Lublin. Wir wohnten vorher in Sliwriki bei Kalisch, Bezirk Posen. Aus diesen Gebieten Posen, Pommern und Kattowitz wurden fast 80% der polnischen Familien ausgewiesen, denn die Deutschen behaupteten das ist ihr Land, die Polen sollten weg.

Mein Vater war deutscher Soldat im 1. Weltkrieg 1914-18. Man konnte nichts machen. Du bist Pole, musst weg, sagten sie. Man hat uns ausgewiesen nach Lodz. In Lodz wurde selektiert. Ab 15 Jahre und älter nach Deutschland zur Arbeit. Ich kam nach Celle. Ich arbeitete von August 40 bis März 44 in einer Fabrik. Ich wurde in Celle verhaftet. Dort saß ich 14 Tage. Dann hat man mich nach Lüneburg ins Gefängnis transportiert. Dort in Lüneburg saß ich vom 28. April bis Mai 44. Am 19. Mai wurde ich nach Neuengamme/Hamburg gebracht. Als ich in Lüneburg saß, musste ich in einer Kunstdüngerfabrik arbeiten, 12 Stunden täglich. In dieser Fabrik haben wir mittags Pellkartoffeln mit Salz bekommen. Frühstück und Abendessen im Gefängnis. Bei der Rückkehr von der Arbeit ins Gefängnis wurde kontrolliert, ob man Zigaretten oder etwas zu Essen bei sich hatte. Ich erinnere mich, dass ein Pole 2 Kartoffeln in der Tasche hatte. Er bekam kein Abendessen und kein Frühstück und musste so zur Arbeit gehen. Der Pole bekam abends 20 Schläge auf den Körper, alle anderen mussten zugucken. Mit dem Gefängnisauto hat man mich nach Neuengamme gebracht. Gleich am Anfang begann mein Martyrium, das nicht zu glauben und nicht zu beschreiben ist.

Im Jahr 1991 hat mich ein Pastor aus Hamburg in Kalisch gefunden, der sich damals um viele Gefangene bemüht hat, die in Neuengamme waren.

In Neuengamme war ich (dann) mehrere male und nahm an Feierlichkeiten teil.

In Lüneburg war ich in der letzten Zeit drei mal. Das Gefängnis existiert nicht mehr. Ich war sogar ein paar mal in der Lüneburger Heide im Hotel. Das war Wiedergutmachung aus Hamburg. Über mich kann der Pastor viel mehr sagen, er kennt mich gut. ...

Ins Gefängnis kam ich dafür, dass ich einem russischen Kriegsgefangenen Essen gegeben habe. Dafür hat mich jemand denunziert.

Anna K. aus Pruchnik:

Mein Name während meines Aufenthalts im Lager lautete: K., Anna.

Nach der Bitte um die Teilnahme an der Bearbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit in Lüneburg habe ich mich sehr gefreut, dass ich noch nach so vielen Jahren meine Erlebnisse, die ich noch bis heute vor Augen habe, mitteilen kann.

Obwohl ich mich nicht an alles erinnern kann, versuche ich trotzdem so gut wie es geht, die Fragen zu beantworten. Ich habe mit meinen Eltern in Tyczyn gewohnt.

Schon als 17 jährige habe ich in einem örtlichen Gut, das einem Deutschen gehörte, gearbeitet.

Nach ca. 3 Jahren kam ein Befehl nach Deutschland, genau nach Lüneburg, zu fahren. Alle jungen Menschen, die auf dem Gut beschäftigt waren mussten den Befehl befolgen. Die Älteren durften weiter auf diesem Gut arbeiten.

Wir sind erst nach Rzeszow gefahren. Von Rzeszow sind wir mit Güterwagons nach Deutschland gekommen. An die Strecke kann ich mich nicht genau erinnern, ich weiß nur, dass wir von Rzeszow über Katowice und Wroclaw gefahren sind. Es war im Juli 1943.

An der Bahnhofsstation in Rzeszow wurden ich und noch eine andere Frau, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, an eine bestimmte Arbeitsstelle in Deutschland zugewiesen. Es war eine Fabrik, in der Schießpulver hergestellt wurde.

Der Grund warum ich gerade dort zugewiesen wurde war dieser: Ich sollte dort anstelle einer anderen Frau, die auf Wunsch ihres Vaters nach Hause fahren sollte, arbeiten.

Der Fabrikbesitzer war damit einverstanden, unter der Voraussetzung, dass er dafür eine andere Hilfskraft bekommt.

In Lüneburg wurden wir vom Zug abgeholt und in ein Lager gebracht.

Diese andere Frau, die in der Fabrik arbeitete, wurde nicht sofort entlassen. Wir durften sie nicht vertreten, weil wir kein Deutsch sprechen konnten. Schließlich wurde sie nach 3 oder 4 Tagen doch entlassen und durfte nach Hause fahren. Ich musste dort bleiben.

Ich habe in einem Zimmer gewohnt, in dem 22 Personen untergebracht waren.

Zum Schlafen hatten wir Etagenpritschen. Zu Anfang haben wir unser Essen noch selber in einem Wäschekessel gekocht, später haben wir schon vorbereitetes Essen bekommen.

Die hygienischen Bedingungen waren schrecklich. Die Toiletten waren draußen. Auf den Fluren standen Schüssel, in denen man sich und die Wäsche waschen konnte.

Zum Essen haben wir gehabt: Rüben, entweder eine große oder zwei kleine Pellkartoffel, dunkles Brot, sehr selten ein Stückchen Margarine und zum Trinken Wasser.

Zum Anziehen hatte ich eine Latzhose und Holzschuhe. So angezogen mussten wir an Arbeits- sowie auch an Feiertagen sein. Ich hatte einen Chef und drei Meister gehabt.

Uns wurde befohlen viel und schnell zu arbeiten. Ich musste große Steine tragen und sie in eine Mühle werfen. Später musste ich das Pulver in Säcke von 50 kg füllen.

Diese Säcke habe ich dann mit einer Karre ins Lager gebracht und sie so gestapelt, das der Meister sie schnell abzählen konnte. Diese Arbeit war sehr schwer und ich war so jung und zierlich.

Bei der Arbeit haben wir Mundschutz getragen, weil die Luft sehr staubig und schmutzig war. Der tägliche Arbeitsplan betrug ca. 100 Säcke mit Schießpulver. Wer schnell arbeitete, durfte auch früher seine Arbeit beenden. Wer seine Arbeit aber nicht schaffte, der musste sogar bis in die Nacht arbeiten.

Wir hatten keine Freizeit nur soviel, wie wir zum Schlafen brauchten. Wir hatten auch keinen Urlaub.

Briefe durften wir schreiben, diese wurden aber zensiert.

Lohn für die Arbeit haben wir nicht erhalten. Dass Essen war unser Lohn.

In der Fabrik haben fast nur Polen gearbeitet. Wenn mehr Arbeit zu bewältigen war haben die Wachen Gefangene aus dem Lager gebracht.

Keiner der Arbeiter hat sich getraut die Arbeit zu verweigern. Die Arbeit war schwer und gefährlich. Ich war dort bis zum April 1945.

Ich weiß nicht, ob in der Fabrik Ärzte waren, weil ich in der Zeit nicht krank wurde.

Die schwere Arbeit und die Lebensverhältnisse wirkten sich später auf meine Gesundheit aus. Nach dem Kriegsende wurden alle Zwangsarbeiter entlassen und sie mussten auf eigene Kosten nach Hause zurückkehren.

Ich bin zu meinen Eltern in meinen Heimatort zurückgekehrt.

Es waren traurige Zeiten und schlechte Erinnerungen an die Zwangsarbeit in Deutschland sind mir geblieben. Warum gibt es immer noch so viele Gespräche und Streit in der Regierung über ein paar Groschen Almosen.

Leider habe ich keine Fotos aus dieser Zeit. Ich kann Ihnen nur Kopien von meinen Dokumenten geben. Ich hoffe, dass meine Erinnerungen verstanden werden und bei Ihrem Vorhaben die Geschichte der Zwangsarbeiter in Lüneburg zu veröffentlichen, helfen werden. Ich möchte erwähnen, dass ich bald 80 Jahre alt werde, aber ich bin sehr krank. Ich wohne jetzt alleine, da mein Mann gestorben ist.

Mit freundlichen Grüßen, früher Arbeiterin jetzt K., Anna

Zygmunt D. aus Moscisko:

Antworten auf den Fragebogen.

Rekrutierung aus Klewan/Ukraine nach Deutschland.

Wir sind mit dem Zug gefahren. Die Strecke kann ich nicht beschreiben, da die Wagons zu waren und wir nichts sehen konnten. Bevor wir nach Lüneburg kamen, wurden wir eine Zeitlang in einem Lager gehalten. Ich weiß nicht mehr wie lang wir dort waren. Zum Essen haben wir Rüben, Brot und schwarzen Kaffee gehabt. Aus dem Lager wurden wir ins Lüneburger Rathaus gebracht. Von dort hat uns Herr Ernest Krieger zur Arbeit auf einem Bauernhof gebracht. Wir haben auf dem Bauernhof in einem kleinen Haus, das ein Zimmer und eine Kammer hatte, gewohnt. Der Bauer war gut, nur seine Frau war böse. Wenn ich etwas nicht so gemacht habe, wie sie es wollte, bekam ich kein Essen. Ich habe zusammen mit meinen Eltern in einem Speiseraum bei der Küche gegessen. Das, was uns vorbereitet wurde, das mussten wir essen. Wir haben alle Arbeiten auf Befehl der Bauern erledigt. Die Arbeitszeit war nicht geregelt. Freie Zeit haben wir nur am Sonntag nach allen erledigten Arbeiten gehabt. Wir mussten das Vieh füttern, Kühe melken und andere Arbeiten auf dem Bauernhof erledigen. Ich habe keinen Arzt gesehen. Wir haben keine Briefe geschrieben, weil wir nicht wussten, wo der Rest unserer Familie ist. Als Lohn für unsere Arbeit haben wir Essen bekommen. Mit uns haben Ukrainer und Franzosen gearbeitet. Wir hatten mit ihnen eine freundschaftliche Beziehung gehabt. Mit Deutschen haben wir nicht geredet, wir hatten Angst vor ihnen. Meine Familie hat keinen Widerstand geleistet. Aber eine Frau aus der Ukraine, die nicht arbeiten wollte, wurde mehrmals durch die Gestapo geschlagen.

Die Befreiung erfolgte durch die englische Armee. Ein wenig später sind wir nach Polen zurückgefahren.

Die Folgen der Zwangsarbeit waren und sind sehr schwer. Ich habe angefangen sehr zu stottern und ich war aus diesem Grund ein paar Jahre in ärztlicher Behandlung. Ich beschreibe wie es zu diesem Sprachproblem gekommen ist.

Unter anderen Arbeiten musste ich auch auf die Kühe auf der Wiese aufpassen. Eines Tages im Herbst, es hat geregnet und es war kalt, habe ich aus einem Hochsitz eine Plane genommen, um sie mir unter die Füße zu legen. Der Jäger hat mich dabei erwischt, hat 6 Schritte abgezählt und mit seinem Jagdgewehr auf mich gezielt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine normale Sprache verloren.

Außerdem habe ich Rheuma bekommen, das mich heute noch in meinem Leben beeinträchtigt.

Heute ist mir die Erinnerung geblieben, dass ich keine Kindheit, keine Freude, nur Arbeit hatte.

Mit freundlichen Grüßen

Die Adresse des Bauern: Ernest Krieger Riechlingen (Riecklingen), Lüneburg

P.S. Falls Sie mehr Einzelheiten über meine Erlebnisse wissen möchten, können Sie mir schreiben.

Janina B. aus Swiebodzice:

Durch eine Razzia bin ich nach Deutschland als Zwangsarbeiter gekommen.

Im Mai 1942 sind die deutschen Soldaten um 3.00 Uhr morgens in meinen Heimatort gekommen und haben uns weggebracht.

Von meinem Heimatort sind wir nach Lublin gefahren, wo wir sortiert wurden. Die nächste Nacht bin ich schon mit dem Zug nach Lüneburg gefahren. Dort wurde ich ins Arbeitsamt gebracht.

Beim Arbeitsamt haben sich Deutsche gemeldet und sich Leute zum Arbeiten ausgesucht. Mich hat eine Frau genommen, die die Besitzerin vom Bahnhof-Hotel war.

Ich habe in diesem Hotel gewohnt. Meine Lebensverhältnisse dort waren sehr schwer, weil uns die Vorgesetzten schlecht behandelt haben. Ich musste von 6.00 bis 20.00 Uhr arbeiten. Es gab keine ärztliche Versorgung.

Zum Essen haben wir gehabt: 1,5 Brot für die ganze Woche, 1 Margarine für 4 Personen pro Woche und ein 0,5 Glas Marmelade.

Zum Mittag haben wir die Reste, die von den Gästen geblieben sind, bekommen. Ich war noch nicht 17 Jahre alt und zu meinen Aufgaben im Hotel gehörte:

Ab 6.00 Uhr morgens bis 14.00 Uhr musste ich die Zimmer, Flure und die Badezimmer aufräumen. Ab 14.00 Uhr habe ich als Küchenhilfe gearbeitet.

Außerdem musste ich noch Wäsche waschen und putzen. Jeden Tag bis 20.00 Uhr. Wir haben keinen Urlaub gehabt. Nur am Sonntag haben wir 2 Stunden Pause gehabt.

Als Lohn für unsere Arbeit haben wir das schon genannte Essen gekriegt.

Mit den Personen, mit denen ich gearbeitet habe - das waren 2 Polinnen und ein Deutscher, der als Kellner gearbeitet hat -, habe ich einen guten Kontakt gehabt. Wir haben uns sehr geschätzt.

Es gab keine Möglichkeit die Arbeit zu verweigern.

Aus Lüneburg wurde ich später nach Dahlenburg ins Hotel "Deutsches Haus" der Familie Schoop versetzt.

Dort habe ich bis zur Befreiung am 12.05.1945 gearbeitet.

Aus diesen Jahren ist mir nur die Erinnerung geblieben, dass ich meine ganze Jugend sehr schwer gearbeitet habe.

Ich freue mich sehr, dass sich nach so vielen Jahren jemand für das Schicksal der Personen, die in Lüneburg als Zwangsarbeiter gearbeitet haben, interessiert. Für das möchte ich mich herzlich bedanken.

Janina G.

Wladyslawa L. aus Sucha-Gora:

Sucha Gora, 6.06.2001

Sehr geehrter Herr,

Vielen Dank für Ihren Brief, den ich jetzt beantworten möchte.

Mein Mann, W. Waclaw, kann Ihre Fragen nicht mehr beantworten, da er am 23.12.1991 gestorben ist. Ich habe am 03.09.1997 wieder geheiratet. Ich heiße jetzt L. Wladyslawa und wohne in: Srebrna Gora,...Bitte schicken Sie Ihre Briefe an diese neue Adresse....

Mein Mann wurde im November 1939 als Kriegsgefangener in Strzemieszyce inhaftiert und nach Deutschland gebracht. Ich wurde am 4. Februar 1940 erst nach Dombrowa Gornicza und dann nach Deutschland weggebracht. Wir wussten nicht, wohin wir fahren. In Lüneburg mussten wir den Zug verlassen und dann sind wir zu einer Sammelstelle gebracht. Dort waren schon mehrere Leute aus Polen. Zu dieser Sammelstelle sind Bauern gekommen, die sich dort die Arbeiter aussuchen durften. Ich wurde von dem Bauern Alfred Meienrich aus Tripkau abgeholt. Auf dem Bauerhof habe ich als Haushaltshilfe gearbeitet. Dort war ich zwei Jahre. 1942 musste ich zu einem anderen Bauernhof gehen. Der Bauer war im Krieg und wir haben uns um den Hof gekümmert. Nach Lüneburg sind wir mit dem Zug gekommen....

Also, am Anfang wurden wir noch relativ gut behandelt. Wir durften zusammen mit den Bauern an einem Tisch essen. Später kam der Befehl, dass dies verboten werden sollte und seit dieser Zeit mussten wir woanders essen. Wir haben das gegessen, was uns die Hausherren vorbereitet haben. Wir hatten keine Marken für Kleider, aber die Hausherren haben uns Kleider zur Verfügung gestellt. Es gab keine ärztliche Versorgung. Wir mussten unsere Krankheiten selber behandeln. Wir haben von morgen früh bis spät abends gearbeitet. Es gab keinen Urlaub. Ich habe 5 Jahre und 3 Monate gearbeitet. Wir durften zwar nach Haus schreiben, jedoch nicht so oft, da uns die Bauern immer wieder gesagt haben, dass die Briefmarken zu viel kosten. Über die ganzen 5 Jahre haben wir keinen Lohn erhalten. Die Bauern haben uns nur als Arbeitskraft gesehen und deshalb hatten wir kaum freie Zeit für uns gehabt. Am 25. September hat mich der Bauer Konstantin Hau, ins Krankenhaus gebracht, in dem ich am 19. Oktober 1944 meinen Sohn Witold B., er trug meinen Mädchennamen, geboren habe. Mein Verlobter W. W. hat mit mir zusammen auf dem Bauernhof gearbeitet.

Als ich aus dem Krankenhaus in Lüneburg nach Laawe mit meinem Sohn zurückkam, wollten die Bauern uns zuerst dort nicht mehr haben. Es gab für das Kind keinen Platz. Es sollte ins Kinderheim. Als der Bauer eine Zeit lang im Krieg war, haben wir für ihn die ganze Zeit gearbeitet, und jetzt wollte er uns nicht mehr haben.

Nach dem Krieg hat mein Verlobter und Vater meines Sohnes sich an die russischen Behörden gewandt und von denen haben wir ein Pferd mit einem Ackerwagen erhalten.

Mit einem Paar, das eine kleine Tochter hatte, sind wir dann nach Polen gefahren. Mit dem Wagen sind wir vom 11.05. bis 25.05.1945 bis zum Fluss Oder gefahren. An der Oder haben wir das Pferd den russischen Soldaten zurückgegeben. Weiter sind wir nach Poznan gefahren.

Zum Schluss möchte ich Sie herzlich Grüßen

W. -L. Wladyslawa

B.K.:

Antworten auf Fragebogen

Meine Zwangsarbeiterzeit fing am 12.02.1940 an. Ich wurde von dem Gemeindevorsteher in Brzeziny Kujawskie verpflichtet nach Deutschland zu fahren. Nach Lüneburg bin ich mit dem Zug gefahren, an die Strecke kann ich mich nicht erinnern. In Dannenberg musste ich aussteigen. Lüneburg war damals eine Kreisstadt. Ich kann mich nicht erinnern.

Ich bin dem Herrn Stahlbog aus dem Dorf Breuse (Breese?)zugewiesen worden... Die Lebensverhältnisse, bezogen auf die damalige Zeit, waren nicht so schlecht. Die Vorgesetzten waren gute Menschen. Die Verpflegung war nicht so schlecht und wurde durch den Bauern zur Verfügung gestellt. Um die Kleider musste man sich selbst kümmern.

Der Arbeitgeber hat sich um die hygienischen Verhältnisse gekümmert, diese waren relativ ausreichend. Die ärztliche Versorgung wurde uns von dem Arbeitgeber gesichert.

Wir mussten auf den Feldern arbeiten. Die Arbeitszeiten waren unterschiedlich, oft dauerte die Arbeit von den frühen Morgenstunden bis spät abends. Urlaub gab es nicht.

Wir durften Briefe nach Hause schreiben. Der Lohn für die Arbeit betrug 15 bis 30 Mark monatlich. Mein Verhältnis zu den anderen Arbeitern und den Deutschen war gut. Keiner hatte etwas gegen mich. Niemals hat einer seine Arbeit verweigert, denn jeder hatte Angst.

Nach der Befreiung und nach dem Ende des Krieges bin ich in meine Heimat zurückgekehrt.

Welche Folgen? Mir wurde meine Jugend in der Fremde weggenommen. Mir wurden die Eltern entrissen. Meine Mutter habe ich nicht wiedergesehen. Sie ist in der Zeit, in der ich weg war, gestorben.

Wie kann man fragen, was die Zeit für einen bedeutet! Es ist klar für jeden, der diese Zeit durchlebt hat.

12.06.2001 K. B.

Janina P. aus Bukowice:

Ausschnitt aus meinem Lebenslauf aus den Jahren 1942-1945

Damals wohnte ich mit meinen Eltern in Ilza bei Radom, wo meine Eltern einen kleinen Bauernhof hatten.

Im Sommer 1942 (an das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erinnern) arbeitete ich auf dem Acker. (Da) kam zu mir die polnische Polizei und hat mich zum Ring in Ilza gebracht, wo sie mich der deutschen Gendarmerie übergeben haben. Dort wurde ich mit vielen anderen Menschen auf LKW geladen, die voll mit Menschen beladen wurden. Außerdem konnte man sich nicht umschauen, weil diese Menschen, die allzu viel geäugt haben oder auffällig waren, wurden durch die Gendarmerie geprügelt. Wir wurden zum Bahnhof in Radom gebracht und in Güterwaggons geladen. Der Zug brachte uns nach Deutschland. Die Fahrt dauerte ca. 3 Tage. Zwei mal während der Fahrt bekamen wir Suppe in Papiertellern, aber man hatte keinen Nutzen davon, weil die Papierteller sind wegen der Feuchtigkeit auseinander gefallen. Einmal am Tag hat der Zug Halt gemacht um uns Gelegenheit zu geben, die physiologischen Bedürfnisse zu stillen. Das mussten wir unter direkter Bewachung in ihrer direkten Nähe erledigen. Der Zug brachte uns nach Lüneburg. Auf dem Bahnhof wurden wir ausgeladen.

Dort kamen deutsche Bauern und Beamte aus verschiedenen Fabriken und anderen Betrieben und haben sich Personen nach ihrem Bedarf ausgesucht. Damals kam auch mein späterer Chef und hat 4 Frauen gewählt ..., auch mich. Ich war die jüngste, war damals 17 Jahre jung. Der Chef hat uns ins Lager geführt, wo wir bis zum Ende des Krieges untergebracht waren (bis Juni 1945). Täglich in den Morgenstunden hat er uns abgeholt und zur Arbeit geführt. Unser Arbeitsplatz war die "Jugendherberge" in Lüneburg, Benedikt-Straße 11. Unser Chef war dort Küchenchef. Vom Lager bis zur Jugendherberge waren es ungefähr 2 km. Dort habe ich in der Küche gearbeitet. Der Chef war ein sehr guter Mensch. Er hat uns kein Unrecht getan. Leider kann ich mich nicht an seinen Namen erinnern. Er war ein älterer Mann. Zwei seiner Söhne waren Soldaten an der Front. Der Chef starb bald nach Kriegsende. Die Ursache seines Todes war zuerst die Verletzung des Fingers an der linken Hand. Die Wunde hat nicht geheilt. Er wurde paar mal operiert. Es endete mit der Amputation des ganzen linken Arms.

In der Küche arbeitete auch als Köchin die Schwester der Gattin vom Chef. Ihr Name war "Frau Kraus" oder Krause. Sie hat uns auch ordentlich betrachtet.

Nach zweijähriger Arbeit in der Küche der Jugendherberge wurden wir durch das Arbeitsamt in Lüneburg zur Arbeit in die Munitionsfabrik versetzt. Unser Chef wollte uns weiter in der Jugendherberge behalten, aber das Arbeitsamt war damit nicht einverstanden.

Die Arbeitsbedingungen in der Munitionsfabrik waren bedeutend schlechter. Dort wurde 12 Stunden täglich gearbeitet, von sechs Uhr früh bis achtzehn Uhr abends. Nur einmal am Tag haben wir etwas zum Essen bekommen. Täglich starben vor Hunger bis zu 20 Menschen. Dank der Hilfe an Lebensmittel, die mir mein früherer Chef ständig geleistet hatte, ist es mir gelungen, dass ich überlebte. In der Munitionsfabrik haben wir bis zum Kriegsende gearbeitet. Die Entfernung vom Lager in die Fabrik betrug ca. 4 bis 5 km. In der Fabrik wurden unsere Leute nicht absichtlich getötet. Es gab aber Fälle, dass manche von unseren Leuten in Gefängnisse oder in Straflager überwiesen wurden. Ich erinnere mich auch daran, dass ein paar Häftlinge öffentlich gehängt wurden. Die Hinrichtung wurde immer am Sonntag durchgeführt. Wir mussten uns auf dem Appellplatz versammeln um zu sehen, was uns erwartet, wenn wir nicht (gefügig) sein werden. Die ganze Zeit waren wir im Lager bewacht. Beim Ausgang zur Arbeit und nach Ankunft aus der Fabrik wurden wir durch den Lagerführer gezählt. An seinen Namen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Unser Lager wurde durch die englische Armee befreit. Seit diesem Tag waren wir fast freie Menschen, mussten aber weiter im Lager wohnen, denn es gab keine andere Unterkunft für uns. Die englische Armee sorgte für unsere Betreuung und Verpflegung.

Im November 1945 wurden wir in Güterzügen nach Polen repatriiert. Vor der Abfahrt haben uns die Engländer vor den Russen gewarnt, dass wir vorsichtig im Umgang mit denen sein sollten, weil sie uns bestehlen können. Als wir an der russischen Besatzungszone ankamen, haben uns russische Soldaten permanent bestohlen. Mit meinem Gepäck verschwand auch meine Handtasche mit allen Dokumenten, die ich besaß - unter anderem den deutschen Lagerausweis und Bescheinigungen, die ich von den englischen Behörden bekommen habe. Deshalb habe ich keine Dokumente über diese Zeit, die ich in Deutschland verbracht habe.

Meine schriftliche Erzählung ist nicht vollständig, weil ich schon viele von meinen Erlebnissen vergessen habe...

Antwort auf Ihren Fragebogen

...Die Lebensbedingungen im Lager waren sehr schlecht. Wie waren die Vorgesetzten? Wie konnte schon ein Lagerkommando gewesen sein. Wir mussten allen ihren Befehlen gehorsam sein. Sonst wurden wir bestraft. ...

(In der Munitionsfabrik) waren die Bedingungen fast ekelig. Einmal am Tag bekamen wir etwas zum Essen. Alle waren stets hungrig. Viele starben vor Hunger. Dort herrschte eine Haftordnung.

Wir (wurden) von dem Lagerkommando einheitlich bekleidet. Wenn es um ärztliche Betreuung geht, da kann man sagen, dass es so war, als wenn sie überhaupt nicht da wäre. Ähnlich war es mit den hygienischen Bedingungen.

In der Küche war es eine übliche Küchenarbeit, Speisevorbereitung, abwaschen und kochen, Reinigung des Geschirrs und der Räume. In der Munitionsfabrik musste ich das machen, was mir befohlen wurde. .. Es gab keinen Urlaub und keine freie Zeit. Als ich in der Küche gearbeitet habe, wurde es mir erlaubt an die Eltern zu schreiben. In der Munitionsfabrik nicht mehr.

Wir haben keine Belohnung für unsere Arbeit bekommen. Es wurde uns gesagt, dass unsere Belohnung gar nicht mal für die Unterkunftskosten und für die Verpflegung ausreicht.

Die Verhältnisse mit anderen Zwangsarbeitern aus dem Lager waren gut. Mit der deutschen Bevölkerung hatten wir fast keinen Kontakt gehabt. Die deutsche Besatzung in der Küche hat uns gut betrachtet.

Über dieses Thema (Widerstand) wurde ich von den älteren Zwangsarbeitern nicht informiert. Eine Absage der zugeteilten Arbeit war nicht zu bedenken. ...

Was bedeutet für mich jene Zeit im II. Weltkrieg, die ich in Deutschland erlebt habe? Sie kehrt immer wieder an mich, wie ein böser Traum. Aktuelle Lebensschwierigkeiten helfen mir aber dazu vieles "schlechte" zu vergessen.

Meine Kinder (5) und Enkel (15) sind sehr gut zu mir und lieben mich sehr. Alle kümmern sich um mich. Ich liebe alle sehr, mit meinem ganzen Herzen... Das Verhältnis meiner Kinder und Enkel zu mir verursacht, dass ich immer seltener an diese böse Zeit mich erinnere.

Mit größter Hochachtung und freundlicher Begrüßung

Janina P.

Weleria P. aus Lodz:

Lodz, 15.06.2001

Antworten auf Fragebogen

Ich bin von der Gestapo in Herbst 1942 in Piotrkow Trybunalski vorgeladen.

Von dort bin ich mit einer Gruppe von Leuten nach Deutschland gefahren worden.

Wir sind in Güterwagons gefahren, die keine Fenster hatten, so dass ich nicht sehen konnte auf welchem Weg und durch welche Stationen wir nach Lüneburg gekommen sind.

In Lüneburg bin ich als Jugendliche ins Lager in Unterlüß /K. Celle verwiesen worden, wo ich in der Küche als Küchenhilfe gearbeitet habe. Die Arbeit in der Küche war noch zu ertragen.

Die Schlafverhältnisse in den Baracken waren sehr schlecht (sehr kalt, Wanzen).

Die Vorgesetzten waren relativ menschlich.

Die Essensrationen waren nicht ausreichend.

Zum Anziehen hatten wir nur die Sachen, in denen wir hierher gekommen sind.

Die hygienischen Bedingungen im Lager waren furchtbar. Immer wieder fehlte das Wasser, um sich zu waschen. Im Lager gab es keine ärztliche Versorgung.

Ich musste von 7.00 bis 16.00 Uhr arbeiten.

Ich habe in der Küche Kartoffeln und Gemüse geschält. Außerdem musste ich die ganze Küche sauber machen.

Es gab keine freien Tage und auch keinen Urlaub.

Die meiste Zeit verbrachte man in Schützengräben auf Grund von Bombardierungen.

Am Anfang durften wir noch Briefe nach Hause schreiben, später, als die Ostfront sich zurückzog, durften wir keine Briefe mehr schreiben.

Das ganze Geld, das wir bekommen haben, mussten wir für die Lebensmittelmarken ausgeben.

(Verhältnis zu anderen Arbeitern und zur deutschen Bevölkerung:) Gleichgültigkeit. Man hat sich nur um sein eigenes Überleben gekümmert.

Ich und meine Freundin sind aus dem Lager weggelaufen. Wir sind aber auf der Bahnhofsstation in Wilhelmshaven von der Polizei gefasst worden. Ich wurde

inhaftiert und später in ein Lager gebracht worden. Dort musste ich in einer Werft arbeiten, in der ich Dampflokomotiven putzen musste.

Nach der Befreiung ... bin ich mit dem ersten Transport mit meinem Mann ... 1945 nach Polen zurückgekehrt.

Die über meine Kraft hinausgehende Arbeit und die unbehandelten Krankheiten haben meine Gesundheit sehr beeinträchtigt.

Ich bin in einer dauerhaften ärztlichen Behandlung und habe schon sehr viele Aufenthalte im Krankenhaus hinter mir.

Alle meine Unterlagen und Dokumente wurden mir an der Grenze im März 1945 durch die PUR weggenommen.

Es ist schwer für mich an diese Zeit zurückzudenken. Vielen Dank für die Grüße.

Mit freundlichen Grüßen, früher Waleria M., heute Waleria P.

Bronislaw B. aus Wasosz:

Bezugnehmend auf die Bitte, das Schreiben zu beantworten, mache ich das sehr genau.

Nach Deutschland wurde ich mit der ganzen Familie gebracht: Eltern, Micha und Domenica, Bruder Jozef, Schwester Stefania, die in Deutschland gestorben ist, Schwestern Jadwiga und Alina. Das war im Juli 43 auf Befehl von Hitler. Auf dem Terrain von Wolkejnien (Wolhynien?) drängten die ukrainischen Banden auf die Selbständigkeit der Ukraine, so wie Hitler es ihnen versprochen hatte . Uns wurde alles weggenommen.

Wir wurden in Güterwaggons transportiert. Wie fuhren über Berlin nach Lüneburg.

Nach der Ankunft in Lüneburg hat uns ein Bauer namens Henry Barge mitgenommen nach Dumstorf.

Wir wurden in einer Unterkunft untergebracht, die schon für Arbeiter vorbereitet war. Mein älterer Bruder Jozef und meine Schwester Stefania gingen zur Arbeit zum Bauern Baltz. Die Eltern haben den ganzen Tag auf dem Feld und auf dem Hof gearbeitet. Ich und meine Schwester Jadwiga hüteten das Vieh auf der Wiese und arbeiteten auf dem Hof und im Stall. Unsere Schwester Alina, 1 ½ Jahre alt, blieb allein im Haus. Unsere Vorgesetzten waren nicht dir schlechtesten, aber sie verlangten Gehorsam.

Wenn es um Verpflegung ging, haben wir Zuteilungen bekommen, aus denen wir uns selbst Mahlzeiten bereiten mussten. Die hygienische und gesundheitliche Versorgung war nicht besonders. Wir bekamen 1 Stück Seife im Monat für 5 Personen. Meine Schwester Stefania ist aufgrund von Erkältung gestorben.

Die Arbeitszeit war nicht reguliert. Wie mussten arbeiten, bis die Arbeit fertig war. Es gab keinen Urlaub. Briefe schrieben wir nicht, denn die Familie war in Dumstorf.

Die Kinder haben keinen Lohn bekommen. Gar nichts hat meine Mutter bekommen. Mein Vater 20 Mark im Monat.

Wir waren positiv zu den Arbeitern eingestellt, auch zur deutschen Bevölkerung. Wir waren nicht sehr gegen die Deutschen, denn sie waren nicht alle schlecht.

In der Zeit bei dem Bauern gab es keine Form von Arbeitsverweigerung.

Die Befreiung kam mit dem Kriegsende im Mai 45. Danach wohnten wir in den Durchgangslagern Artlenburg, Bergen-Belsen, Watenstet. 1947 kehrte ich nach Polen zurück.

Die Zeit in Deutschland hat auf unser Leben unvorteilhaft gewirkt. Ich konnte die Schule nicht beenden, die Eltern mussten neu anfangen. Ich schicke mein Zeugnis aus dem Lager Bergen-Belsen.

Bronislaw B., zweiter Brief

Eine Bitte.

Ich richte mich an Sie mit einer großen Bitte. Ich berichtete, dass ich bis jetzt noch keine Entschädigung bekommen habe. Das Geld brauche ich sehr, weil ich in einer schweren familiären Situation bin. Meine Frau ist sehr krank. Ich habe gerade einen Schlaganfall hinter mir. Die Medikamente sind sehr teuer und die Rente ist sehr gering. Wenn ich die Medikamente kaufe, so reicht es nicht für die ganzen Rechnungen. Das Geld reicht nicht aus. Lebensmittel kaufe ich auf Kredit. Aber später kann ich es nicht bezahlen, und so wachsen die Schulden. Ich bitte Sie sehr, dass Sie mir helfen, so dass ich wenigstens aus dieser Armut herauskomme, aus diesem Teufelskreis, so dass ich die Schulden bezahlen kann, die ich im Laden und auch in der Apotheke habe. Ich bitte Sie um Unterstützung. Ich hoffe, dass Sie mir helfen können, meine Bitte berücksichtigen können.

Vielen Dank, B.

Im Mai 1940 bei Sonnenaufgang hat die Gestapo unser Dorf umzingelt und alle Leute wurden zu einer Fabrik nach Lodz geschickt. Sie wurden dort selektiert, die älteren kamen ins Generalgouvernement, die jüngeren nach Deutschland. Ich und mein jüngerer Bruder wurden für Deutschland ausgewählt.

Am dritten Tag fuhr unser Zug von Lodz ab. Als Proviant haben sie uns jedem ein Brot gegeben, ein Brot, das gar nicht zum Essen geeignet war, also mussten wir weiter hungern. Wir fuhren in Güterwaggons, auf dem Boden lag Stroh. In diesem Stroh waren ganze Völker von Läusen. Da wir nicht desinfiziert wurden, brachten wir die Läuse nach Deutschland zur Zucht.

Am Nachmittag eines Tages landeten wir in Dannenberg. Dort warteten schon die Bauern auf uns. Eine Bäuerin nahm mich an der Hand und brachte mich zum Arbeitsamt. (Mein Arbeitsamt war Dannenberg/Elbe).

Die Bäuerin hat mich zu einem Zimmer gebracht. Durch Zeichensprache erklärte sie mir, dass ich dort wohnen und schlafen sollte. Ich zeigte ihr meine Läuse. Schnell wurde ich desinfiziert. Ich bekam ein Mittagessen, und dabei trank ich mindestens 2 l Wasser. Dann dachte ich, wir fahren bestimmt nicht zur Vergasung.

Die Verpflegung war nicht die schlechteste, bei dem Bauern auch nicht. Die Bekleidung war miserabel, alles war auf Bezugsschein, man konnte doch nichts kaufen. Sie gaben mir Holzklompen.

Die Arbeit war, wie das auf dem Bauernhof ist, die war nie zu Ende, auf dem Feld, auf dem Hof, im Kuhstall. Urlaub gab es nicht. Arbeiten mussten wir bis 9 Uhr im Sommer und bis 8 Uhr im Winter. Wenn wir nach der Arbeit draußen erwischt wurden, mussten wir 15 Mark Strafe bezahlen.

Der Lohn war so: bis 25 Jahre 20 Mark, ab 25 Jahre 25 Mark im Monat. Es reichte gerade für die Strafen, denn man konnte sowieso nichts kaufen.

Ich habe schnell die deutsche Sprache gelernt und habe den anderen, die verschiedene Nationalitäten hatten, geholfen. Ich konnte ihnen auch Kartoffeln oder Speck zuschieben.

An Widerstand konnte man gar nicht denken. Nur gute Arbeit hatte eine Chance, den Krieg zu überleben. Ich habe den Krieg überlebt und kehrte gesund nach Hause zurück.

Es ist schon ein halbes Jahrhundert vergangen, darum kann ich mich nicht genau erinnern, ... man uns befreit hat. Sie haben uns in ein Erholungslager gebracht. Es gab keine Zwangsarbeit mehr, es herrschte nur Freiheit. Die UNRA hat verschiedene Lehrgänge organisiert. Ich habe mich für Elektrotechnik entschieden, für einen kurzen Zeitraum. Ich habe den Kurs bestanden. Die Schule war in einem Ort namens Delmenhorst. Danach hatten wir 2 Wochen Ferien. Ich habe gewagt, mich Richtung Polen durchzuschlagen. Ich habe meine Mutter und meine jüngste Schwester gefunden, die mir weinend erzählt haben, dass alle Gebäude und alles Inventar vernichtet waren. Es gab nur den Himmel.

Sehr geehrter Herr Asmussen!

Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen und Ihrem Verein und bei der Stiftung dafür, dass man den Fragebogen geschickt hat. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Der Anlass war, dass hier die Grippe grassierte. Ich war zur Beerdigung meines Freundes. Dort habe ich Kollegen getroffen, die auch in Deutschland Zwangsarbeiter waren.

Der Kollege Josef M. ist nach langem Leiden gestorben. Er war ein Opfer der Gestapo. Man hatte ihn blau geschlagen.

Einen zweiten so brutalen Fall gab es im Jahre 43. Man hat uns befohlen, uns in Dannenberg zu stellen, sie sagten aber nicht weshalb. Wir haben uns in vier Reihen aufgestellt, die Kolonne war fast 1 km lang. Die deutschen Soldaten mit verschiedenen Waffen in der Hand trieben uns Richtung Westen, also Hamburg. Wir marschierten ungefähr 6 Stunden. Wir sind bei der Ortschaft Zamal angekommen. Dort gab es ein kleines Wäldchen. Wir hatten Angst. Wir erblickten einen aufgehängten Polen. Daneben stand ein Dolmetscher, der sagte in polnischer Sprache: Ihr sollt alle auf den Polen gucken, sonst kriegt ihr Schläge mit der Peitsche.

Die Arbeitsstelle habe ich nicht gewechselt, ich blieb bei meinem Bauern, denn für ehrliche Arbeit waren die Deutschen dankbar.

Noch eines kommt mir in Erinnerung: Kurz vor Kriegsende kam ein schreckliches Gewitter. Es blitzte und donnerte unentwegt. Dazu kam noch ein Fliegerangriff. Auf einmal knallte es laut und ich sah, dass es brennt. Ich rief meinen Kollegen Edward, dass Barnie brennt und wir liefen dahin. Im Flur lag der Großvater in der Mitte des Feuers. Ich habe ihn an den Füßen nach draußen gezogen und Edward hat geholfen. Die Polen wurden nach diesem Vorfall als Helden angesehen, die Polizei hat nicht mehr kontrolliert. Sie wollten uns bei der Feuerwehr anstellen, aber die Bestimmungen waren dagegen.

Sehr geehrter Herr Asmussen, ich habe eine Bitte an Sie und eine Frage von meiner Frau und meiner Schwester. Meine 12jährige Schwester ist während der Razzia weggelaufen und hat sich bei einem Deutschen aufgehalten und war auch bei der Zwangsarbeit. Sie musste Kühe hüten und melken. Ob ihr auch Entschädigung oder Zusatzrente zusteht? Sie hat einen Antrag ausgefüllt. Man hat geantwortet, dass sie keine Beweise hat und den Namen des Bauern nicht kennt. Die gleiche Situation gab es bei meiner Frau. Ihr Bauer lebt noch, wir haben mit ihm Kontakt. Ob ihr auch Entschädigung zusteht? Ich bitte sehr, mich darüber zu informieren.

Ich war 1991 in diesem Ort, wo ich in Deutschland gearbeitet habe. Ich habe niemanden gefunden. Dieser Hof steht leer und öde. Früher gab es 17 Höfe, davon sind nur 4 geblieben, von den anderen sieht man keine Spur.

Ich grüße das ganze Ensemble. Auf Wiedersehen.

Wladyslav K. aus Radomsko:

Sehr geehrter Herr Peter!

Als ich den Fragebogen gesehen habe, habe ich mir überlegt, wie ich ihn einstufen soll. Entweder als "alltäglichen Trott" oder als etwas Erstrangiges, bekräftigt mit Dokumenten, dazu habe ich mich entschlossen.

Das Staatsarchiv hat bestätigt, am 5.5.1999 unter der Nummer 841-610/99, dass meine Familie und ich ausgesiedelt wurden. Wir wurden auf unser eigenes Pferdegespann geladen unter Assistenz von deutschen Soldaten, das war in unserem Hof Wola-Jurkowa. Wir kamen zu einem Sammelplatz, wo auch die Leute aus anderen Dörfern waren. Hier warteten große Lastwagen, man hat uns aufgeladen. Von da fuhr man uns nach Lodz. In Lodz hat man uns auf einem großen Hof von einer Tuchfabrik ausgeladen. Dort wurden wir registriert. Dann wurden wir aufgeteilt in Jungen und Mädchen. Zu uns kam ein Reiseführer, der gab den Befehl zum Abmarsch. Wir wurden in Marschkolonnen aufgestellt und winkten den zurückgebliebenen Angehörigen zu. Wir gingen durch die Straßen von Lodz mit gesenkten Köpfen bis zum Bahnhof. Mit deutscher Gründlichkeit wartete dort ein Personenzug. Auf Befehl des Reiseführers haben wir diesen Zug bestiegen, es war sehr eng. Der Zug fuhr über Posen nach Berlin. Dort bekamen wir einen Teller niedrigkalorienhaltiger Suppe, aber als Ausgleich war Eleganz und Ordnung. Eine Gruppe von 500 Mann wurde zu einem anderen Zug geleitet. Wir hatten viel Platz, es war bequem. Der Zug fuhr mit Geschwindigkeit ab. Es kam ein Gegenzug, wir mussten die Fenster schließen und verdunkeln. Uns hat eine psychische Unsicherheit befallen. Aber als morgens Licht und Sonne wiederkamen, fühlten wir uns normal. Nach einer langen Nacht kamen wir nach Lüneburg. In Lüneburg ist ein Teil ausgestiegen, der Rest fuhr weiter. Für mich war Lüneburg Endstation. Hier wurden wir Zwangsarbeiter. Nach der Anweisung unseres Reiseführers versammelten wir uns auf einem Platz. Der Morgen war schön und freundlich, es waren die letzten Tage des Monats Mai, es war warm.

Der Hunger nagte an uns. Wir haben die letzten Pfennige in den Taschen zusammengesucht. Da war ein älterer Herr, der wollte die Initiative ergreifen und 5 Brote kaufen. Dieser Plan war nicht reell, denn wir hatten keine Brotmarken. Nach einiger Zeit begannen sich mehrere ältere Herren für unsere Gruppe zu interessieren. Wir ahnten, das sind die Bauern. Wir haben mit ihnen Kontakt aufgenommen, und durch Zeichensprache erklärten wir, dass wir hungrig sind und Brot haben wollen. Man hat uns verstanden. Gleich haben sie mehrere Brote gekauft. Mir war es egal, wie sie es gemacht haben, wir haben unseren Hunger gestillt und mit Wasser nachgespült.

Nach einiger Zeit stiegen wir in Autobusse und fuhren in Richtung Tespe-Niedermarschacht. Wir waren 30-40 Personen, wir und die Bauern. Unterwegs stiegen immer Leute aus. Ich und meine 2 älteren Freunde kamen nach Obermarschacht. Ich stieg als letzter aus und kam zum Bauern Gustawa Riega (evtl. Gustav Rieger). Dort gab es auch einen Junior: Gustav, der war mit mir gleichaltrig. Ich bin 1924 geboren, Gustav 1923. Vom ersten Blickkontakt an kamen wir uns nahe. Er konnte meinen Vornamen nicht aussprechen, daher sagte er: "Du heißt jetzt Klaus." Und bis zum Ende meines Aufenthalts nannte man mich so, das war vom 30.5.40 bis 30.4.45. Junior Gustav war edelmütig und konfliktfrei und ein geselliger Mensch. Er ging mit mir ins Kino, wissend, dass es für mich verboten war. Im Winter, als die Elbe über die Ufer getreten und zugefroren war und die Jugend von Obermarschacht sich auf Schlittschuhen vergnügte, gab er mir seine, um die Freude zu teilen. Anfang 1942 wurde Gustav jun. zum Militär eingezogen und an die Ostfront geschickt. Ich habe ihn sehr vermisst. Das Verhältnis der Eltern zu mir änderte sich radikal, obwohl die ganze Last der Arbeit von da an auf mir ruhte. Ich hatte einen Russen zur Hilfe, aber er war nicht so arbeitswillig. Ohne jemandem etwas zu sagen, habe ich beschlossen, die Arbeitsstelle zu wechseln. Eines Tages stieg ich in den Bus nach Lüneburg und ging zum Arbeitsamt. Dort fragte man mich in polnischer Sprache, was ich will." Ich bitte um eine andere Arbeitsstelle" (Begründung, s.o.). Man hat mir den Rat gegeben, den Kopf unter den Zug zu legen. Ich fragte, ob das ein besonders scharfer Witz sei. Der Mann hat gesagt: "Unser Verhältnis zu ihrem Vorschlag ist negativ." Ich sagte: "Mein Herr, meine Entscheidung ist gefallen. Ich möchte sie nicht ändern." Ich hab mich auf dem Stuhl breitgemacht und nach 2 Stunden kam einer der Beamten und sagte, er hätte telefoniert mit dem Ortsbauernführer, es sei eine Entscheidung gefallen. Man hat mir einen Brief ausgehändigt. Ich stieg in den Bus nach Obermarschacht. Der Ortsbauernführer las den Brief und sagte: "Wladek, leider musst du zurückgehen zu Bauer Rieger." Es war mir schwer, diese bittere Pille zu schlucken. Am dritten Tag nach der Rückkehr kam der Dorfgendarm zu mir. Er sagte: "K., komm in den Kuhstall!" Er fasste mich an der Hand, in der anderen hatte er eine Peitsche. Er sagte zu mir: "Schrei laut!" Ich hab verstanden, das sollte jetzt der Bauer hören. Der Gendarm schlug mit der Peitsche auf irgend etwas. Ich habe keinen Schmerz gespürt, und schrie nur. Ich habe verstanden, dass auch ein deutscher Gendarm ein menschliches Antlitz haben kann. Ähnlich war es bei der Aussiedlung: Ein deutscher Soldat weinte, als er den Schmerz meiner Mutter bei der Trennung von mir sah. In solchen Situationen können Soldaten wie Gendarmen eine menschliche Seele haben. Nach den Missverständnissen zwischen dem Bauern und mir normalisierte sich das Verhältnis . Nach einem Monat kehrten wir eines Tages vom Feld zurück und bemerkten auf dem Hof eine große Trauer. Junior Gustav war gefallen. Er wurde nur 20 Jahre alt. Die Oma sagte: "Für die Bequemlichkeit, nur ein Kind zu haben, muss man zahlen. Ihr habt gesehen, Familie K. mit 7 Kindern im Generalgouvernement, und du, Helena, hast dich an den Kopf gefasst: Wie können sie 7 Kinder großziehen? Ich selbst habe 4 Kinder großgezogen." Durch den Tod des Junior entstand eine familiäre Auseinandersetzung (Beziehung?).

Mein ungefähr 10 Jahre älterer Freund blieb auf dem Bauernhof in Obermarschacht solange, bis der Bauer aus der Gefangenschaft als Invalide zurück kam. Er hatte einen Arm verloren. Wir beide waren aus einem Dorf in Polen, und im Gespräch kamen wir zu der Überzeugung, dass seine Resignation bezüglich der Rückkehr nach Polen berechtigt war. Er fühlte die moralische Verpflichtung, auf dem Hof zu bleiben, bis der Bauer wieder zu Hause war. Nach dem Krieg hat er ein Mädchen aus Turek geheiratet, die vorher bei einer Verwandten meiner Bäuerin gearbeitet hat. Ein anderer Freund ist in eine britische Wachkompanie eingetreten. Nach seiner Rückkehr wohnte er in Wroclaw. Beide Freunde leben nicht mehr. Als ich sah, dass die Repatriierung nach Polen sich in die Länge zog, habe ich in Lüneburg Kontakt aufgenommen mit russischen Leuten, die auch nach Hause mussten. Diese Aktion war schon im Gange. Ich habe mich als ein Einwohner von Lwow ausgegeben. Dann wurde ich registriert, und am gleichen Tage hat man uns Verpflegung für die Reise gegeben. Das machten die Briten. Man hat uns auf Lastwagen aufgeladen. Hinter der Elbe haben wir die Grenze zur DDR (SBZ?) passiert und auch die Grenze zur CSSR. Rund um uns riesige Stalin-Portraits. Hier haben wir die Wahrheit kennen gelernt. Dann haben wir bekannt, dass wir Polen sind. Wir waren ungefähr 200 Personen. Wir mussten auf eigene Gefahr weiterreisen. Wie wir nach Stettin kamen, das kann man nur als Horror bezeichnen.

50 Jahre später reiste ich auf eigene Kosten nach Marschacht. Ich quartierte mich für 3 Tage im Gasthaus Ahrens, Elbuferstr. 76, Tel: 04716, ein. Die Bedienung war sehr angenehm. Die Familie Wolter hat mich erkannt. Die Dame des Hauses hat mir geholfen, die Gräber auf dem Friedhof zu finden. Ich wurde zum Nachmittagskaffee eingeladen. Es war sehr feierlich. Man hat mir das Buch "Flug über die Elbe" geschenkt, ich habe ihnen ein Buch in deutscher Sprache "Kloster Jasna Gora" geschenkt. Ich wusste, dass sie evangelisch sind, aber das hat uns nicht gestört. Die Herrschaften Wolters haben mir die Adresse meines Freundes gegeben, der nur durch einen Weg getrennt von unserem Anwesen 5 Jahre gearbeitet hat. Er wohnt in Berlin. Nachdem wir Kontakt aufgenommen haben, wurden wir mit der ganzen Familie nach Berlin eingeladen. Wir waren dort am 3.8.96. Der Gegenbesuch in Czenstochowa war am 3.9.98 ...

Sehr geehrter Herr Peter, es kann sein, dass ich manchmal beim Erzählen vom Programm abgewichen bin. Aber ich hoffe, dass man mir verzeiht. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und Gesundheit.

Hochachtungsvoll

Wanda D. aus Wantagh, USA:

Als Antwort auf ihre Fragen möchte ich gerne die Geschichte meines Aufenthalts in Lüneburg beschreiben. Es ist schon eine lange Zeit her und ich habe schon vieles vergessen, aber das, an was ich mich noch erinnern kann beschreibe ich jetzt.

Ich bin zusammen mit meiner Schwester Lola freiwillig nach Deutschland gefahren. Im Dezember 1939 haben wir bei einem Bauern gearbeitet. Heute ist das ein polnisches Gebiet. Uns ging es dort nicht so gut. Der Bauer war bei der Armee und als er Urlaub hatte und zu Hause war, hat er uns mit seinem Gehstock geschlagen und als verfluchte Polen beschimpft.

Ich war dort nur zwei Wochen, dann hat er mich beim Arbeitsamt in Steinau abgegeben.

Von dort aus wurde ich zu einem anderen Deutschen zugeteilt. Das waren ältere Menschen, die Enkel hatten. Die Enkel kamen immer zu den Großeltern, um dort Hausaufgaben zu machen. Ich saß oft mit den Kindern zusammen und auf diese Weise habe ich schnell die deutsche Sprache erlernt. Ich war dort sehr zufrieden. Ich wurde gut behandelt und ich war nie hungrig. Ich habe gemacht, was mir als Arbeit zugeteilt wurde.

Die Bauern hatten Schweine und eine Kuh. Ich habe mit den Kindern gespielt, denn ich war auch erst 14 Jahre alt. Von Zeit zu Zeit habe ich meine Schwester gesehen. Leider hat mich der Bauer nachts in meinem Zimmer sexuell belästigt. Ich habe selbstverständlich niemanden davon erzählt und im März 1940 bin ich weggelaufen.

Ich bin nach Wroclaw gefahren. Weil ich aber kein Geld für die Fahrkarte hatte, bin ich als blinde Passagierin gefahren. In Wroclaw hat mich aber der Fahrkartenkontrolleur erwischt und mich der Polizei übergeben. Auf der Polizeistation habe ich etwas zu Essen bekommen und wurde dann ins Gefängnis gebracht. Es war dunkel, ich kannte die Stadt nicht und ich wusste nicht, wie ein Gefängnis aussieht. Der Polizist hat mir erzählt, dass wir in ein Hotel gehen.

Im Gefängnis war ich 3 Monate. Ich war zusammen mit einer deutschen Frau in einer Zelle. Diese Frau war schwanger von einem Polen, der auch im Gefängnis saß. Er wurde zum Tode verurteilt, weil er sich erlaubt hat eine deutsche Frau zu lieben.

Als die Männer auf dem Gefängnishof spazierten, hat meine Zellengenossin aus dem Fenster geschrieen, dass sie ihn liebt und dass sie dem Kind auch beibringen möchte ihn zu lieben.

Mich hat diese Geschichte sehr bewegt. Die Frau wurde auch sehr krank und hat beinahe ihr Kind verloren.

Im April 1940 durfte ich das Gefängnis verlassen. Ich wurde einem Bauern im Vorort von Wroclaw zugeteilt. Es war dort sehr gut. Die Leute haben mich als Familienmitglied behandelt. Sie selbst hatten 2 Kinder. Ich habe schwer gearbeitet. Ich musste 2 mal täglich 12 Kühe melken und ca. 30 Schweine füttern. Außerdem musste ich im Haushalt helfen. Diese Arbeit war für mich sehr schwer, aber ich habe manchmal Hilfe von anderen Polen bekommen. Dort war ich zwei Jahre.

Ich konnte länger dort bleiben, aber mein Vorgesetzter hat mich versucht zu vergewaltigen und daraufhin bin ich kurz vor Ostern weggelaufen.

Ich bin zu meiner zweiten Schwester gefahren, die bei einem Bauern in Bispingen gearbeitet hat. Ich wurde dort verhaftet, weil ich meine Arbeitsstelle ohne Erlaubnis verlassen habe. Meine Schwester wurde auch verhaftet. Wir waren 2 Wochen im Gefängnis in Lüneburg. Danach wurden wir entlassen und zurück nach Bispingen zugeteilt. Obwohl wir auf einem Bauernhof gelebt haben, auf dem es viel zum Essen gab, waren wir immer hungrig. Wir durften nur das Fallobst aufsammeln, sonst nichts.

In der Zeit wurde ein Lager für Kriegsgefangene in Bispingen eingerichtet. Ich und auch andere polnische Zwangsarbeiter haben den Gefangenen nach unseren Möglichkeiten geholfen. Andere haben auch Butter und Käse geklaut und den Kriegsgefangenen gegeben. Sie haben die Sachen aus den Kisten geklaut, die die Molkerei den Bauern für abgegebene Milch geliefert hat. Später aber haben die Polizisten an den Liefertagen besser aufgepasst. In dieser Zeit ist meine ältere Schwester Helena W. nach Lüneburg gekommen.

Sie hat ihre Arbeit in einer Munitionsfabrik in Mannheim ... verlassen und eine neue Stelle in einer Holzfabrik in Lüneburg bekommen.

Weil wir unbedingt zusammen sein wollten, habe ich den Bauernhof in Bispingen verlassen und auch angefangen in dieser Fabrik zu arbeiten. In der Fabrik wurde Sperrholz hergestellt. Das war gute Arbeit. Ich war zufrieden. Ich weiß nicht mehr wie lange ich dort gearbeitet habe.

In der Zeit sind Arbeiterinnen aus Russland mit einem Transport gekommen. Die Deutschen haben damals schon in Russland gekämpft.

Wir haben unsere Arbeit in der Holzfabrik verloren und sind zum Ausladen der Güterwagons zugeteilt worden. Auf den Wagons war eine ätzende chemische Substanz und deshalb mussten wir Mundschutz tragen. Mit dieser Arbeit war ich nicht einverstanden und bin aus diesem Grund nach Salzgitter weggelaufen.

In Salzgitter hat mein Vater in einem Erzbergwerk Schymkowiak gearbeitet.

Ich bin auch dort nicht lange geblieben und habe beschlossen wieder nach Polen zurückzufahren. Irgendwie ist es mir gelungen, die Grenze - ohne erwischt zu werden - zu überqueren. In Polen war ich nicht sehr lange, weil ich keinen Platz zum Wohnen finden konnte. Die Menschen hatten Angst jemanden aufzunehmen, der aus Deutschland geflohen ist.

Also habe ich mich wieder zur Arbeit gemeldet. Zuerst bin ich nach Berlin gefahren und von dort nach Nockein (?), wo ich in einer Kruppfabrik gearbeitet habe. Dort gab es sehr wenig zu essen. Schließlich bin ich nach Erfurt gefahren. Dort wurde ich verhaftet und in das Lager 21 bei Braunschweig gebracht worden. In dem Lager war ich 3 Monate. Ich musste dort Kohle aus Wagons ausladen. Das war sehr schwere Arbeit. Dazu kam der Hunger, die Läuse und Krankheit. In dem Lager habe ich Frau Pazdzior (?) kennen gelernt. Sie hat mir angeboten mit ihr auf einem Bauernhof zu arbeiten.

Nachdem ich das Lager verlassen durfte, bin ich dorthin gefahren und habe da bis zur Befreiung gearbeitet.

Im Juli 1945 wurde ich in eine ehemalige Kaserne gebracht. In den Kasernen haben viele Polen gelebt. Dort habe ich auch meinen damals zukünftigen Ehemann kennen gelernt. Er war 4 Jahre lang in einem Konzentrationslager in Buchenwald. Dort hat er in einem Krematorium gearbeitet.

Wir sind zusammen nach Polen zurückgekehrt. Mein Mann lebt leider nicht mehr.

Wie überall auf der Welt gibt es gute und schlechte Menschen. Lüneburg war eine schöne Stadt und die Leute dort haben uns nicht verachtet. Sie haben uns geholfen wie sie nur konnten. Ich habe gute Erinnerungen an Lüneburg und an die schöne Lüneburger Heide.

Leider konnten wir uns an dieser Schönheit nicht erfreuen, weil es uns andere nicht gegönnt haben.

Nach dem Krieg habe ich einige Städte, in denen ich war, in Deutschland besucht. Es hat sich alles verändert. Ich würde gerne noch einmal die Lüneburger Heide sehen.

Ich wünsche allen Menschen, egal welcher Nationalität, keinen Nationalsozialismus, Faschismus und Rassismus. Ich wünsche mir mehr Frieden auf der Welt.

Ich entschuldige mich für meine Schreibfehler und meine manchmal ungenauen Angaben. Mit freundlichen Grüßen

Wanda D.

Wir haben in einem Internat namens "Reichen Jugendherberge" in Lüneburg gewohnt.

Ich wohne seit 30 Jahren in den USA. Hier wohnen auch meine Kinder und Enkelkinder. Ich bin 75 Jahre alt und bin Rentnerin. Mein Gedächtnis ist nicht mehr so gut wie früher. Im September möchte ich nach Polen fliegen.

Martha P. aus Ostrowiec:

Zur Zwangsarbeit nach Deutschland wurde ich und meine ganze Familie als Tausch für ein Lebensmittelkontingent, das wir nicht aufbringen konnten, weggebracht.

Uns hat der Gemeindevorsteher des Dorfes Kozlowek, in dem wir gelebt haben, zur Zwangsarbeit bestimmt.

Ich habe nicht in Lüneburg, sondern in Bardowick gearbeitet.

Von Kozlowek sind wir mit dem Auto wahrscheinlich nach Starachowice gefahren und von dort mit einem Güterzug nach Deutschland. Wir sind über 24 Stunden gefahren. Die Fahrstrecke kann ich nicht beschreiben, weil die Wagons zu waren und ich nichts gesehen habe.

Als wir angekommen sind, wurden alle, die mit dem Zug gekommen sind, zusammen gestellt und die deutschen Bauern haben sich uns ausgesucht wie Tiere für ihre Arbeit. Ich und meine Mutter waren zuerst bei einem Bauern, der Koch hieß und in Bardowick in der Bahnhofstraße wohnte. Nach einem Monat wurden wir zu einem anderen Bauern versetzt. Der hieß Georg Meyer und wohnte in Bardowick, Mühlenstrasse 14.

Dort haben wir in einer Unterkunft neben einem Kuhstahl gewohnt. Nur eine Tür trennte uns von den Tieren. Die Vorgesetzten waren streng und haben sich wie Herrscher, die Sklaven besitzen, benommen. Wir durften bei der Arbeit nicht reden, auch wenn das angebracht oder notwendig war.

Das Essen war sehr schlecht, überwiegend waren es Suppen ohne Fleisch, nur mit Wasser mit Rüben oder Kohl. Zum Frühstück gab es schwarzes Brot mit Margarine und Marmelade. Unsere Vorgesetzten und wir hatten eine getrennte Küche.

Ich weiß nicht, ob es ärztliche Hilfe gab. Wenn man bedenkt, unter welchen Umständen wir gelebt haben, kann man über hygienische Verhältnisse oder ärztliche Versorgung überhaupt nichts sagen. Einmal aber, als ich krank wurde, war ich bei einem Arzt. Beim Zahnarzt war ich auch, mir wurde ein Zahn gezogen.

Die Arbeit war sehr schwer, z.B. musste ich als junges Mädchen eine ganze Fuhre mit Mist nur mit einer Forke entladen. Ich habe beim Vieh, bei den Schweinen, auf dem Feld gearbeitet. Die Arbeit dauerte von morgens früh bis 20.00 Uhr. Nach 20.00 Uhr mussten wir noch nach dem Essen unseres Vorgesetzten aufräumen. Am Sonntag haben wir nicht auf dem Feld gearbeitet. Stattdessen mussten wir zu Hause arbeiten, d.h. Fenster putzen, Fußboden waschen, Staub saugen usw. Es gab kein Geld dafür.

Ich habe keinen Arbeitslohn erhalten, nur manchmal habe ich ein bisschen Kleingeld bekommen.

Es gab keinen Widerstand. Einmal hat der Bauer meine Mutter geschlagen und mich dabei verletzt. Daraufhin wollten wir nicht mehr bei ihm arbeiten, sondern bei einem anderen Bauern. Daraufhin wurden wir beide verhaftet und ins Gefängnis nach Lüneburg gebracht.

Die Befreiung erfolgte im April 1945. Die Folgen dieses Lebenskapitels sind umfangreich. Meine Psyche hat sich verändert, meine Hände sind auf Grund von schwerer Arbeit deformiert, sowie mein Rücken und die Wirbelsäule. Meine ständigen Rückenschmerzen erlauben mir nicht die Zeiten zu vergessen, obwohl ich sie gerne aus meinem Gedächtnis auslöschen möchte. Es gelingt mir leider nicht.

Marta P.

Alicja S. aus Poznan:

Razzia in Oktober 1944 in Warszawa-Okecie durch SS-Gendarmerie. Mit dem Güterzug Warszawa-Poznan-Lüneburg.

Flughafen in Lüneburg, 3 km von der Stadt entfernt.

Wir haben in Lüneburg gewohnt, Apothekenstraße. In der Wohnung war kein Wasser, keine Möbel.

Die Vorgesetzten verlangten gute Arbeit, uns gegenüber haben sie sich tolerant verhalten.

Mittag haben wir auf dem Flugplatz gegessen. Meistens waren es 3 Kartoffeln, auch schlechte waren dabei, und Grünkohl.

Zum Anziehen hatten wir die Sachen, in denen wir gekommen sind. Es gab keine ärztliche Versorgung.

Ich und meine Schwester haben Lebensmittelmarken für Brot und Leberwurst bekommen, weil wir noch Kinder waren.

Als 12-jähriges Kind habe ich Büros sauber gemacht und meine Mutter die Flugzeughallen. Ich weiß nicht, wo mein Vater gearbeitet hatte.

Die Arbeit dauerte von morgens bis Nachmittag. Die Abende haben wir zu Hause verbracht, d.h. in einem Zimmer mit zwei Pritschen, die mein Vater zusammen gebaut hatte.

Wir hatten keinen Urlaub.

Briefe haben wir nicht geschrieben. Wir hatten kein Papier, keinen Kugelschreiber und kein Geld für Briefmarken.

(Entlohnung für die Arbeit:) Ein paar Mark, um das Brot und die Innereien zu kaufen.

(Verhältnis zu anderen Arbeitern und zur deutschen Bevölkerung:) Wir hatten keinen Kontakt.

Meine Mutter hatte die Arbeit in der Flugzeughalle verweigert, da sie im fünften Monat schwanger war und die Arbeit für sie zu schwer wurde. Daraufhin sollte sie Büros putzen.

Soweit ich mich erinnern kann, erfolgte die Befreiung am 15. April.

In unsere Heimat sind wir erst 1946 zurückgekehrt, da mein Bruder geboren wurde und zu klein für eine Reise im Güterwagon war.

Verlorene Gesundheit, Ängste, weggenommene Kindheit und Jugend.

Als Anlage schicke ich Ihnen ein paar Unterlagen, die ich in den Sachen, die mir von meinen Eltern geblieben sind, gefunden habe.

S. Alicja

Janina S.:

Betreff: Schreiben von 22.05.2001

Ich wurde nach Deutschland im Juni 1942 weggebracht.

Meine Eltern besaßen in Polen eine Landwirtschaft, die später eine deutsche Bauernfamilie übernahm. Aus diesem Grund wurden wir von dort vertrieben.

Meine Familie und ich wurden zuerst in ein Lager in Lodz in der Sportstrasse, auf dem Klostergelände untergebracht. Später sind wir mit dem Zug nach Deutschland weggefahren. Wir sind nach Lüneburg durch Szczecin, Lübeck und Hamburg gefahren. Diese Reise hat sehr lange gedauert.

In Lüneburg angekommen, wurden wir von einem Bauern, Herrn Richard Bause, abgeholt. Wir haben auf seinem Bauernhof gelebt.

Die Verhältnisse der Vorgesetzten zu uns waren von ihrem Alter abhängig. Die älteren Menschen waren zu uns positiver eingestellt als die jüngeren. Die Lebensverhältnisse waren erträglich.

Zum Essen haben wir Reste bekommen und Gemüse, was wir selbst angebaut haben und was eine schlechte Qualität hatte.

Zum Anziehen haben wir Sachen gehabt, die uns zugeteilt wurden.

Es gab keine ärztliche Versorgung. Wir haben uns um unsere Gesundheit mit eigenen Mitteln gekümmert.

Die hygienischen Verhältnisse waren sehr schlecht.

Wir haben in der Landwirtschaft gearbeitet. Ich, meine Schwester und unsere Mutter haben noch zusätzlich im Haushalt geholfen.

Die Arbeitszeit wurde überhaupt nicht geregelt. Wir haben ca. 14 Stunden am Tag gearbeitet. Es war keine Schichtarbeit. Es gab keine Rede über Urlaub. Wir durften Briefe schreiben.

Als Lohn für unsere schwere Arbeit haben wir Verpflegung und erträgliche Lebensverhältnisse bekommen.

Es ist schwer, die Verhältnisse zur deutschen Bevölkerung zu beschreiben, da wir in einem kleinen Dorf mit nur ein paar Häusern gewohnt haben, sonst sind wir nirgendwo gewesen. Auf unserem Bauernhof waren außerdem Arbeiter aus der Ukraine beschäftigt. Die Verhältnisse zwischen uns waren positiv.

Es gab keinen Widerstand, da jeder um seine Familie Angst hatte.

Unsere Befreiung erfolgte im April 1945.

Zurück nach Polen sind wir im November 1945, nach einem Aufenthalt im Lager Bergen-Belsen und in Brytlingen (Brietlingen), gekehrt.

Für mich bedeutet die Abfuhr nach Deutschland eine verlorene Kindheit. Ich konnte keine Schule besuchen, ich konnte nichts lernen.

Meine Eltern haben ihre ganze Errungenschaft des Lebens verloren.

Mit der Zeit verbleichen die Erinnerungen an diese Zeiten und an diese tragische Erlebnisse.

Mit freundlichen Grüßen

Janina Teresa S., geb. J.

Marte M.:

1. Durch Aussiedlung am 3.5.1940

2. Mit dem Zug über Lodz, Kalisz und Posnan

3. Ich erinnere mich nicht.

4. Ich wohnte über einem Restaurant. Die Vorgesetzten waren schlecht. Die Einstellung uns gegenüber war kalt und schwierig.

5. Verpflegung bescheiden, Bekleidung meine eigene, keine ärztliche Betreuung.

6. Ich machte das Restaurant sauber, 12 Stunden am Tage, ohne Urlaub. Aber Briefe an die Familie konnte ich schreiben.

7. Etliche Mark.

8. Gut

9. Ich war verängstigt und darum habe ich ohne Widerspruch getan, was sie von mir verlangten.

10. Oktober 1945 Rückkehr in die Heimat, Verlust der Gesundheit, heute unangenehme Erinnerung, Wehmut über Verlust der Heimat und Familie während der Zwangsarbeit.

Sabina Z. aus Warszawa:

1. 1942

2. Mit einem Güterzug

3. Ich kam zu einem Gut, das Frystorf (Vrestorf?) hieß.

4. Das Verhältnis zu meinen Vorgesetzten war positiv.

5. Verpflegung und ärztliche Betreuung durch Deutsche.

6. Ich arbeitete 12 Stunden täglich auf dem Feld, Urlaub gab es nicht.

7. 20 Mark monatlich

8. möglichst positiv

9. nein

10. Die Befreiung kam im Mai 1945.

Diese Zwangsarbeit war sehr traurig. Ich musste viel und hart arbeiten.

Josefa G.:

Ich wurde angeworben. (Transport nach Lüneburg:) mit dem Zug

Ich war bei einem Bauern. ...von 1940 bis Ende des Krieges.

Die Umstände waren nicht besonders gut. Schlecht: Es gab alles nur auf { {Lebensmittel-) Karten.

Ich musste von morgens bis abends arbeiten. Es gab keinen Urlaub. Wir durften Briefe schreiben. Es gab keine (ärztliche Versorgung). Das Verhältnis war nicht gut (zu den Deutschen).

Wenn man sich geweigert hat zu arbeiten, wurde mit KZ gedroht...

Aleksander F. aus Inowroclaw:

Ich wurde von der Straße aus Lublin von den Deutschen mit Gewalt mitgenommen. Ich bin mit einem Güterzug (nach Lüneburg) gefahren. An die Zugstrecke kann ich mich nicht erinnern. Ich bin in einem Lager angekommen. Von dort aus habe ich gearbeitet den ganzen Tag und am Abend bin ich wieder Richtung Arbeitslager gebracht worden.

Ich wurde in ein Arbeitslager gesteckt. Die Umstände waren nicht gut, aber es gab wohl bessere Zeiten.

Am Anfang haben wir uns durch die Lebensmittelkarten versorgen können, Kleidung auch. Die Arbeitskleidung hatte eine Nummer. Ich hatte die Nr. P 2 Nr. 236.

Der Herr Clavin hat mich gut traktiert. Im Arbeitslager wurde ich so la la traktiert.

Die Arbeitszeit war festgelegt, ab und zu war es auch möglich früher Feierabend zu machen., dann wiederum bis spät in die Nacht.

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals für Arbeit extra belohnt worden zu sein. Die Bezahlung erfolgte wöchentlich.

Das Verhältnis war zu manchen gut, zu anderen kritisch, insbesondere zu den Chefs.

Es gab überhaupt keine Form von Widerstand. Für jegliche Art von Widerstand wurde man sehr streng bestraft.

In die Heimat bin ich nach Nov. 45 zurückgekehrt. Ich wurde sehr krank danach. Ich bin bis zum heutigen Tag nicht richtig gesund geworden...

Zdzislaw D. aus Nidzica:

Ich wurde in Deutschland durch eine Razzia im Juni 1940 in Lodsz durch die Gestapo auf der Straße gefangen genommen. 1942 bin ich von Deutschland geflüchtet. Man hat mich in Lodsz wieder aufgespürt und verhört durch Gestapo. Ich wurde in ein Lager in (Ladogoschd) in Lodsz gefangen genommen. Später (kam) ich ...mit einem Transport mit Etappen durch Gefängnisse und Arbeitslager: Toron, Malburg, Danzig, Hamburg, Gerichtgefängnis Lüneburg. Das ganze hat insgesamt drei Wochen gedauert. Vom Gefängnis in Lüneburg hat man mich nach Forst Dragan, im Kreis Dannenberg(gebracht). Das ist ein Platz, wo ich bis 21. April 1942 gearbeitet habe. Später war ich wieder im Gefängnis bis 24. Sept. 1943. Man hat mich durch die Geheime Staatspolizei nach Dannenberg gebracht später, wo ich gearbeitet habe. In Lüneburg habe ich nicht gearbeitet.

Ich habe in einer Baufabrik gearbeitet, im Forst Dragahn und in Dannenberg selbst bei einem Bäcker, bei einem Herrn Otto Klasen. Im Forst Dragahn waren die Verhältnisse nicht gut. So waren wir in einem Arbeitslager. Man durfte sich nicht wegbewegen, man musste Überstunden entrichten, es herrschte die Polizeistunde. Die Arbeit dauerte ca. 10 Stunden am Tag.

Im Forst Dragahn war die Verpflegung sehr schlecht. Wir wohnten in Baracken. Für die wöchentliche Verpflegung standen mir zur Verfügung 5-7 Mark, also 1/2 Kg Brot, 1/4 kg Margarine, 0,2 kg Marmelade, nur 2 x Zucker. Es gab Karo-Kaffee morgens und abends. Für das Mittagessen gab es eine einfache Gemüsesuppe. Bei dem Bäcker war die Verpflegung wesentlich besser, weil es nicht an Brot fehlte. Die ärztl. Versorgung war fast gar nicht vorhanden. Was die Kleidung anging, konnten wir uns gebrauchte Sachen kaufen über die Karten: Es gab für die Füße aber nur ein paar Holzschuhe,2 Paar Socken und ein Hemd für ein ganzes Jahr.

Im Forst Dragahn habe ich in einer Baufirma gearbeitet, die sich wohl nannte: Krieger, 10 Stunden am Tag in einer Schicht. Es gab keinen Urlaub. Es gab die Polizeistunde: Sommer: 21.00 Uhr, Winter: 20.00 Uhr. Briefe wurden zensiert. Es gab für besondere Arbeisleistungen Lebensmittel- und Bekleidungskarten.

Das Verhältnis im Forst Dragahn war: Auf Grund der Unterdrückung herrschte eine klare Hierarchie. Zu den Chefs und denen, die das Sagen hatten, war das Verhältnis negativ, aber zu den anderen Arbeitern und den Deutschen allgemein (aber nicht zu allen), war das Verhältnis positiv. In der Bäckerei war die Beziehung zu den Arbeitgebern gut.

Ein Widerstand war nur möglich in Form von Flucht, weil die Lebensumstände sehr schwierig waren. Das wäre eine Form des Widerstandes gewesen. Die Arbeitsumstände waren eben schlecht in der Baufirma.

Nach Ende des Krieges im April 45 kamen die Alliierten. Nach Polen bin ich am 17.3.46 zurückgekehrt.

Die Zwangsarbeit hat mir die besten Jahre meines jungen Lebens geraubt. Ich bin nach Deutschland zur Zwangsarbeit verurteilt worden mit nur 16 Jahren.


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