Die Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung 1933 - einige Anmerkungen
Neue Broschüre der VVN/BdA Lüneburg erschienen

"Dort war immer was los, und wir wussten auch als erste, wenn irgendwo der Lohn gekürzt werden sollte oder wenn Entlassungen bevor standen. Natürlich waren wir alle Nazi-Gegner." Diese Anmerkung einer alten Lüneburgerin findet sich auf dem Titelblatt einer neuen Schrift der VVN-BdA, die sich mit dem Leben in jenem Haus in der Lüneburger Schröderstraße auseinandersetzt, das während der Weimarer Republik als Zentrum der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterbewegung am Ort galt, dem "Volkshaus" (heute: Scala-Kino). VVN-BdA-Sprecher P. Asmussen: " Als Stätte der Arbeiterpolitik war es ein zentraler Ort der politischen Diskussion und kulturellen Begegnung. Hier trafen sich die "kleinen Leute" um zu debattieren und auch um sich zu vergnügen. Die Arbeiterorganisationen verstanden sich als Klassenbewegung, die nicht nur als wirtschaftliche Gegenmacht zu den Arbeitgeberverbänden fungierte. Dieses Haus bot auch eine Heimat für die sportlichen und kulturellen Aktivitäten - immer in scharfer Abgrenzung zu den bürgerlichen Vereinigungen am Ort."

Dieses neue Selbstbewusstsein der Gewerkschaftsmitglieder wurde nicht nur von den Lüneburger Wirtschaftsverbänden und den rechtskonservativen Parteien hart bekämpft, wie die Broschüre belegt, sondern auch von alteingesessenen Honoratioren und Intellektuellen. Als Beispiel zitiert die Schrift den Lüneburger Archivar und Museumsleiter W. Reinecke, der in Richtung Volkshaus 1933 ausführte: "Hoch vom Lüneburger "Volkshause" wehte die rote Fahne ... Abend für Abend und gar bei Sonnenlicht sah man üble Häuflein von Männern, Frauen und Kindern einer "Musik" folgen, deren schrille Misstöne offenen Hass heraus pfiffen und -trommelten."

Es wird dargestellt, dass und wie die Besetzung des Volkshauses am 2. Mai 1933 durch die SA geschah, die Auflösung der Arbeiterkulturorganisationen und die Übernahme der Gewerkschaften durch die Nazi-Organisationen NSBO und Deutsche Arbeitsfront, dass diese Politik von Stahlhelm und NSDAP im Frühjahr 1933 aber auch den Forderungen des Lüneburger Bürgertums entsprach.

Die tragische Spaltung der Arbeiterorganisationen SPD und KPD, die einen gemeinsamen Kampf gegen die Faschisten unmöglich machte, wird in einem biographischen Bericht des SPD-Geschäftsführers Karl Markwardt deutlich, der am 28. Mai 1933 verhaftet und im Lüneburger Gerichtsgefängnis mehrere Monate gefangen gehalten wurde - gemeinsam in einer Zelle mit seinem kommunistischen Genossen Rudolf Mokry. Zwischen beiden entwickelte sich hier eine politische Akzeptanz und gar anbahnende Freundschaft, aber für den gemeinsamen Kampf gegen die Nazis unter legalen Bedingungen war es nun zu spät..

Unter dem Titel "Die Zerschlagung der Lüneburger Gewerkschaftsbewegung 1933 - einige Anmerkungen" ist die Schrift zu erwerben im Heinrich-Böll-Haus in der Katzenstraße zum Preis von 3,00 Euro oder für 5,00 Euro unter vvn-bda-lg@web.de (einschl. Porto).


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